Bauplätze blockiert: Ab nun erst Geld, dann Baugrund

Wer in Grabern bauen will, muss bei Grundstückskauf über sich erzählen.

Erstellt am 08. Oktober 2021 | 05:20
Bauplätze
Bauplätze werden in Grabern ab jetzt nur noch vergeben, wenn eine Bestätigung der Bank vorliegt, dass sich der Bauplatzbewerber ein Eigenheim auch wirklich leisten kann. 
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Das Interesse an Bauplätzen in der Marktgemeinde Grabern ist groß. Oft kommt es aber vor, dass jemand einen Baugrund kauft und dann entweder nicht baut oder während des Planens oder gar erst beim Bauen feststellt, dass er sich das Projekt gar nicht leisten kann.

„So wird die Vergabe von Bauplätzen blockiert“, erklärte Bürgermeister Herbert Leeb (ÖVP), warum die Vertragsbedingungen bei der Bauplatzvergabe geändert werden sollen. In der Katastralgemeinde Mittergrabern ist es sogar so, dass durch die wiederholte Rückgabe eines Bauplatzes bisher verhindert wurde, weiteres Bauland aufzuschließen.

Übergabe erst nach Baubewilligung

Leeb schlug dem Gemeinderat darum folgende Vorgehensweise vor: Künftig wird es nur noch Optionsverträge geben. Wer einen Bauplatz erwerben darf, hinterlegt die gesamte Kaufsumme auf einem Treuhandkonto, das von einem Notar verwaltet wird. Erst, wenn der Bauplatzbewerber eine rechtsgültige Baubewilligung in der Hand hat und diese dem Notar vorlegt, findet der Eigentümerwechsel statt. Bis dahin bleibt die Gemeinde im Besitz des Grundstücks.

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Bürgermeister Herbert Leeb will wissen, wer in Grabern baut.
Gemeinde Grabern

So könne sie schneller reagieren und den Bauplatz erneut vergeben, wenn bis zu einer gewissen Frist keine Baubewilligung vorhanden ist. In diesem Fall überweist der Notar das Geld zurück an die Bauwerber. Liegt eine Bewilligung vor, geht das Geld an die Gemeinde.

Da es bereits öfter vorgekommen ist, dass „in einer Euphorie“ ein Grundstück gekauft wurde, der Bauplatzbesitzer dann aber festgestellt hat, dass er sich den Bau gar nicht leisten kann, will Leeb in Zukunft mehr über jene Menschen wissen, die in seiner Gemeinde ein Grundstück erstehen.

Familiengröße, Beruf und Staatsangehörigkeit müssen offengelegt werden

„Bisher war es theoretisch möglich, ganz anonym ein Kaufansuchen zu stellen“, berichtet der Gemeindechef von formlosen E-Mails. Das soll jetzt ein Ende haben: Interessenten müssen künftig Namen und aktuelle Adresse hinterlegen. Und auch, wie groß ihre Familie in etwa ist, damit die Gemeinde rechtzeitig reagieren kann, wenn plötzlich viel mehr Kinder den Kindergarten besuchen müssen. Beruf und Staatsangehörigkeit sollen ebenfalls angegeben werden. Und: „Eine Bestätigung von der Bank, dass sie sich ein Eigenheim leisten können“, ergänzt Leeb.

Gemeinderätin Eva Kraus (Team – Gemeinsam für Grabern) denkt außerdem an eine Servicepauschale, die gegengerechnet wird, wenn es tatsächlich zum Bau kommt. Wird vom Kauf zurückgetreten, bleibt das Geld bei der Gemeinde. „Die große Arbeit haben wir damit nicht“, spricht der Bürgermeister von einigen Mails.

„Die Gebühr dient auch als Abschreckung“, hofft Kraus, dass so nur Personen einen Bauplatz erstehen wollen, die ernste Absichten haben. „Ich will niemanden abschrecken, ich will nur, dass sie sich überlegen, ob sie es sich auch leisten können“, meint Leeb. Sein Antrag über die Vertragsänderungen wurde einstimmig angenommen und trat sofort in Kraft.