Spitzenkandidaten über Zuzug, Vereinsförderung & Klima. Die absolute Mehrheit von ÖVP-Bürgermeister Herbert Leeb scheint gut abgesichert: 15 Mandate gehören der Bürgermeister-Partei, die restlichen vier, die im Gemeinderat zu vergeben sind, entfallen auf die Sozialdemokraten. Diese Anzahl will SPÖ-Spitzenkandidat Christoph Schwarz halten, und wenn möglich ausbauen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 21. Januar 2020 (15:39)
Herbert Leeb, ÖVP, Christoph Schwarz, SPÖ und Hubert Hofstetter, Team Gemeinsam für Grabern (von links). Fotos: ÖVP (Leeb), privat (Schwarz), Eva Kraus (Hofstetter)
ÖVP (Leeb), privat (Schwarz), Eva Kraus (Hofstetter)

Konkurrenz bekommt Leeb von ehemaligen Mitstreitern: Kurz bevor die Listen für die Gemeinderatswahlen abgegeben werden mussten, formierte sich das „Team Gemeinsam für Grabern“, einer Abspaltung der ÖVP. Angeführt wird diese Liste von Hubert Hofstetter, der in den vergangenen Jahren ein ÖVP-Mandat hatte.

Kann die Infrastruktur der Gemeinde mit dem Zuzug mithalten?

Herbert Leeb, ÖVP
ÖVP

Herbert Leeb, ÖVP:  Ja, wir haben alles erledigt. Die Bewilligung für den Neubau einer Schule liegt in der Schublade, da haben wir auch den Verkehr berücksichtigt. Vor etwa drei Jahren wurde geprüft, den Raum rund um die Schule autofrei zu halten. Die Experten kamen zu keiner geeigneten Lösung. Ich glaub‘ auch nicht, dass die Eltern damit eine Freude hätten.

Christoph Schwarz, SPÖ: Hier ist in der Gemeinde in letzter Zeit viel passiert. Der Zubau des Kindergartens; mit dem Neubau des Arzthauses in Mittergrabern wird demnächst begonnen. Trotzdem gibt es jede Menge zu tun: ein Buswartehaus; die Zufahrtsstraße von der B 303 zum Hübelgrund sollte zweispurig ausgebaut werden, das Gasthaus „Grabern-Wirt“ sollte belebt werden.

Hubert Hofstetter, Team Gemeinsam für Grabern: Nein, da gesicherte Schulwege sowie autofreie Zonen bei Schulen und Kindergärten fehlen. Für die Bevölkerung sollten Begegnungszonen geschaffen werden. Breitbandausbau sollte nicht nur in Schöngrabern, sondern auch in den anderen KGs forciert werden. Es braucht ein Radwegenetz innerhalb der Gemeinde, aber auch nach Hollabrunn.

Soll der Grundsatzbeschluss, nur große Vereinsprojekte zu fördern, aufgehoben werden?

Herbert Leeb, ÖVP: Dieser Grundsatzbeschluss hat sich die vergangenen 14 Jahre bewährt, da kann er nicht so schlecht gewesen sein. So ein Beschluss ist nicht dazu da, um beim ersten Anlassfall umgeschmissen zu werden. Außerdem kann man in Einzelfällen auf Anfrage auch kleinere Anschaffungen fördern.

Christoph Schwarz, SPÖ
privat

Christoph Schwarz, SPÖ: Wir sind natürlich für die Unterstützung aller Vereine in der Gemeinde, allerdings darf diese nicht einseitig ausfallen oder das Gemeindebudget übermäßig beanspruchen. Der Grundsatzbeschluss soll bestehen bleiben; dies heißt jedoch nicht, dass kleinere Vorhaben keine Unterstützung erhalten.

Hubert Hofstetter, Team Gemeinsam für Grabern: Vereine sind ein wichtiger Bestandteil von sozialer Infrastruktur. Daher sollte der Grundsatzbeschluss aufgehoben werden. Anträge von Vereinen sollten in die Planung des Haushalts einfließen. Eine Förderung muss nicht materieller Natur sein, es genügen Kleinigkeiten wie Anerkennung oder Mitgestalten.

Tut die Gemeinde genug, um ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten?

Herbert Leeb, ÖVP: Wir bemühen uns, bei jedem neuen Projekt das Bewusstsein dafür zu schaffen. Wir sind Natur-im-Garten-Gemeinde und haben als kleine Gemeinde dreimal den Photovoltaik-Preis gewonnen. Leider gibt es das E-Car-Sharing nicht mehr, weil die Resonanz aus der Bevölkerung nicht da war, obwohl es Möglichkeiten gab, das Modell auszuprobieren.

Christoph Schwarz, SPÖ: Die Gemeinde hat bereits ein E-Car-Sharing angeboten, dies wurde leider nicht ausreichend genützt. Die Stromtankstelle in Schöngrabern bleibt jedoch erhalten. Die Gemeindearbeiter fahren mit einem Elektrofahrzeug. Es werden Umwelt-Vorträge seitens der Gemeinde angeboten. Die Anbringung von Aschenbechern vor öffentlichen Gebäuden sollte angedacht werden.

Hubert Hofstetter, Team Gemeinsam für Grabern
Eva Kraus

Hubert Hofstetter, Team Gemeinsam für Grabern: Es fehlen zurzeit Konzepte, sowohl bei der Siedlungspolitik als auch bei bestehenden verbauten Flächen. Bestand der gemeindeeigenen Grünflächen erheben; Begrünungsmaßnahmen mittels Bäumen und heimischer Pflanzen. Förderung der Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung; gemeindeeigene Gebäude auf Energieeffizienz überprüfen.

Wie muss der 26. Jänner ausgehen, damit Sie zufrieden einschlafen können?

Herbert Leeb, ÖVP: Mit einer ruhig abgewickelten Wahl. Wenn ich wieder das Vertrauen der Bürger bekomme, dann bin ich dankbar dafür. Wenn nicht, werde ich darüber nachdenken, warum ich es nicht mehr bekommen habe.

Christoph Schwarz, SPÖ: Das Wahlergebnis wird keinen Einfluss auf meinen Schlaf haben. J Mit dem Erhalt unserer Mandate wären wir schon sehr zufrieden. Wir hoffen weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit allen gewählten Fraktionen im Gemeinderat.

Hubert Hofstetter, Team Gemeinsam für Grabern: Eine starke Zustimmung für das „Team“, damit eine ausgeglichene Mandatsverteilung es möglich macht, die Bedürfnisse der Bürger Graberns durch unsere kreativen und motivierten Kandidaten im Gemeinderat zu vertreten.