Lukas Gansterer: Gründer mit viel Scharfsinn

Die NÖN Hollabrunn unterhielt sich mit Lukas Gansterer über sein Unternehmen, dessen Chili-Produkte in Großkadolz vollendet werden.

Erstellt am 01. Oktober 2021 | 05:41
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Sunrise-Chili-Gründer Lukas Gansterer gemeinsam mit seinen Eltern Wolfgang und Angelika Gansterer in Großkadolz.
Foto: Romana Schuler

2019 wurde ein neues Start-up-Unternehmen in Großkadolz gegründet, das sich unter dem Namen „Sunrise Chili“ auf Anbau, Verarbeitung und Vertrieb von Chili spezialisiert hat. Jungunternehmer Lukas Gansterer ist in Großkadolz aufgewachsen, hat in Wien die HTL besucht und im Anschluss daran Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung studiert. Die Hollabrunner NÖN traf ihn in seinem Elternhaus, wo sich die Verarbeitung und das Experimentierlabor für seine Chilis befinden.

NÖN: Chili ist kein typisch heimisches Gewächs. Wie kommt man auf die Idee, Chilipflanzen im großen Stil anzubauen?

Lukas Gansterer: Ja, stimmt, Chili ist eine Pflanze, die eigentlich aus dem asiatischen Raum kommt. Ich liebe scharf gewürzte Speisen – wobei, zu scharf darf es auch nicht sein. Wir hatten in unserem Garten einige Chilipflanzen angebaut, und nach der Ernte haben mein Vater und ich einfach mal aus einer Laune heraus angefangen, Chili nach unserem Geschmack zu verarbeiten. Bei Grillabenden haben wir unsere Kreationen dann den Gästen als hausgemachte Saucen angeboten und da war die Rückmeldung fantastisch, jeder wollte auch so eine Chili-Sauce haben. Damit war der Anstoß fast schon gegeben.

Welche Voraussetzungen sind wichtig, um ein Unternehmen zu gründen?

Gansterer: Für mich ist wichtig, dass ich das Produkt selbst mag und es für mich persönlich eine Bedeutung hat. So war es schon bei der Gründung des Unternehmens für Unterwasserlandschaften in Aquarien. Ich wollte einfach in einem Aquarium eine möglichst naturnahe Unterwasserlandschaft bauen, und beim Thema Chili war es so, dass ich eine Chili-Sauce ohne Aroma- und Konservierungszusätze haben wollte.

In kurzer Zeit haben Sie Anbau, Verarbeitung und Vertrieb aufgebaut. Wie geht das?

Gansterer: Ohne die Unterstützung meiner Eltern, die beide in Pension sind, wäre das so nicht einfach gegangen. Den Namen des Produkts hat mein Vater Wolfgang erfunden. In diesen Dingen ist er der Kreativere. Eine Portion Glück gehört immer dazu. Ich hatte keine Ahnung von der Pflanzung von Chili in großen Mengen. Es gibt dazu kaum Informationen. Da blieb nur „Learning by doing“. Ich suchte fieberhaft nach einem passenden großen Glashaus, das ich schließlich im 22. Wiener Gemeindebezirk fand. Es war in einem sehr desolaten Zustand, aber für den Anfang konnte ich es soweit adaptieren und die ersten Pflanzen aussetzen. Inzwischen sind wir wieder nach Niederösterreich umgezogen, nach Zwölfaxing, südlich von Wien. Verarbeitet wird faktisch alles in Handarbeit. Jede einzelne Chilischote wird von uns auf ihre Qualität untersucht. Beste Qualität garantiert lange Haltbarkeit ohne Konservierungsmittel. Jedes Glas wird von uns in Großkadolz befüllt und kontrolliert.

Wo sind die Produkte nun zu erwerben?

Gansterer: Unsere Produkte findet man in den Regalen bekannter regionaler Supermärkte, in Hofläden, im Onlineshop und vor allem auf den Bauernmärkten. Diese Märkte sind für mich wie Marktforschung, ich kann mit den Kunden direkt sprechen und die unterschiedlichen Chiliprodukte verkosten lassen. Als 2020 plötzlich keine Verkostung möglich war, haben wir kleine Verkostungspakete produziert. Das kommt ganz gut an.

Wie kommen Sie auf die unterschiedlichen Chilivariationen?

Gansterer: Unweit von meinem Elternhaus haben wir eine Art Versuchslabor in einem Folientunnel. Dort pflanze ich verschiedene Sorten an. Jemandem, der wirklich scharfe Chilis mag, empfehle ich die Sorte „Carolina“. Wir haben auch Salsa, die man super mit Chips kombinieren kann. Meine Mutter nimmt sie bei vielen Gerichten zum Verfeinern dazu. Ich versuche, immer neue Mischungen in der Verarbeitung zu schaffen. Zum Beispiel gibt es Chili mit Ingwer, den ich aus dem Burgenland beziehe. Qualität und Regionalität sind wichtige Komponenten und natürlich muss ich immer von meinen Produkten selbst überzeugt sein, bevor ich sie Kunden anbiete.