Wasser im Test: Golls spannende Ergebnisse .... Kalk, Schwermetalle, Nitrate – all das kommt mit dem Wasser aus unseren Leitungen. Werner Goll wurde vom "Ätzer" zum Botschafter.

Von Sandra Frank. Erstellt am 18. August 2019 (06:14)
Sandra Frank
„Machen wir alles, was im Wasser ist, einmal sichtbar“, sagt Werner Goll.Im linken Glas befindet sich reines Wasser, im mittleren Leitungswasser, im rechten gekauftes Mineralwasser.

Hört man den Namen Werner Goll, so denkt man zuallererst daran, dass er der letzte seiner Art ist: Als Glasätzer verdient er sein Geld, indem er Muster in Spiegel und Glasflächen ätzt. Doch seit Jänner dieses Jahres widmet sich der Großnondorfer einem zusätzlichen Betätigungsfeld. „Ich bin Wasserbotschafter“, schmunzelt Goll über sein neues Dasein als unabhängiger Wassertester.

„Ich habe mich immer schon dafür interessiert, wie wir mit unserem Wasser und unseren Ressourcen umgehen“, berichtet er. Dennoch habe er zunächst gar nicht gewusst, was auf ihn zukommen werde. Ins Auge gesprungen war ihm nämlich eine Annonce: „Da stand: Fauler Chef sucht Mitarbeiter. Da hab’ ich mir gedacht: Den ruf’ ich an!“

„Ich nehm’ das Leitungswasser nur noch zum Abwaschen, für mehr nicht.“Werner Goll setzt lieber auf belebtes Wasser, das gesund für den Körper ist.

So wurde Goll zum Wassertester und was er sah, gefiel ihm überhaupt nicht: Das Leitungswasser sei nicht nur tot, sondern auch voller Inhaltsstoffe, die mehr als bedenklich sind: Kalk, Schwermetalle, Nitrate, Rückstände von Medikamenten.

Sandra Frank
Das Wasser im Schwermetalltest: Während das Teströhrchen mit dem energetisierten Wasser klar bleibt, wird das Leitungswasser trüb und verfärbt sich. Das Ergebnis: eine Mischung aus Kupfer, Blei und Zink.

„Ich nehm’ das Wasser nur noch zum Abwaschen“, sagt Goll. Selbst Haushund Flora habe dem Leitungswasser abgeschworen. In der Küche des Glasätzers fällt auf: An der Abwasch gibt’s zwei Wasserhähne. Einer ist für das normale Leitungswasser. Aus dem anderen kommt energetisiertes Wasser. „Das heißt nichts anderes als wieder belebt.“

Was zunächst einmal eigenartig und esoterisch angehaucht klingt, wird im Test sichtbar: Goll füllt zwei Schüsseln mit Wasser. Die eine hält er unter den linken Wasserhahn, die andere unter den rechten. Ins Wasser kommen Minzblätter, gezupft von der hauseigenen Pflanze. Die NÖN-Reporterin darf verkosten.

Das Blatt aus der ersten Schüssel riecht und schmeckt so, wie man sich Minze vorstellt. Jenes aus der zweiten Schüssel riecht nach nichts und schmeckt nicht im Ansatz so intensiv nach Minze wie das erste. „Logisch, wenn es aus totem Wasser kommt“, meint Goll.

Nitrate kommen vor allem durch Kunstdünger ins Trinkwasser

Auch weitere Vergleiche mit Zitronensaft oder Tee zeigen: Der Unterschied ist deutlich. „Lebensmittel und Getränke sind weicher und runder und schmecken einfach besser“, erzählt Goll. Schockierend sind für ihn vor allem die Tests mit Mineralwasser. „Die Nitratwerte sind so hoch wie beim Leitungswasser. Außerdem ist unglaublich viel Kalk drinnen.“ Beides ungesund für den Körper.

Die Nitrate kommen vor allem durch Kunstdünger ins Trinkwasser. Ein Wert von zehn Milligramm dürfe laut Wissenschaft nicht erreicht werden, weiß Goll. „Der Gesetzgeber sagt, 50 Milligramm sind in Ordnung. Das ist aber nicht gesund.“ Das Großnondorfer Leitungswasser weist übrigens einen Wert von 20 Milligramm auf. Der Politik macht Goll keinen Vorwurf, aber: „Es ist nicht die Lösung, die gesetzlich zugelassenen Werte immer mehr zu erhöhen.“

Als Wasserbotschafter will er nun Bewusstsein für reines Wasser schaffen, auf Anfrage testet er das Leitungswasser in Haushalten. Ob die neue Selbstständigkeit bei „HPreiss“ seiner Berufung als Glasätzer im Wege steht? „Nein, sicher nicht“, lacht Goll. Mit der NÖN geht’s gleich weiter ins Atelier, wo er seine aktuellen Aufträge herzeigt.