Retz

Erstellt am 11. Januar 2017, 03:45

von Karin Widhalm

NMS: Haupttrakt steht vor Sanierung. Ausschuss erläutert Pläne für die Neue Mittelschule. Architekturwettbewerb startet demnächst.

Der Haupttrakt wird saniert, aber zumindest ein Flügel (im Bild) wird dem Erdboden gleichgemacht. Alle NMS-Klassen sind derzeit dort untergebracht. Die Turnsäle können ebenso nicht erhalten werden.  |  NOEN, Böck

1968 errichtet, hat die nunmehrige Neue Mittelschule (NMS) fast 50 Jahre auf dem Buckel – höchste Eisenbahn für eine Erneuerung, findet Alois Binder. „In der Literatur steht, dass ein Haus alle 30, 35 Jahre umfassend renoviert werden soll“, erklärt er. Das habe das Gebäude zeit seines Bestehens nicht erlebt, ergänzt Petra Schnötzinger.

„Schmeißen jährlich 80.000 Euro aus dem Fenster“

Die Vertreter des NMS-Ausschusses treiben das Projekt voran: Obfrau Schnötzinger und Stellvertreter Binder erzählen im NÖN-Gespräch, inwieweit die Planungen fortgeschritten sind.

Der frühere Schulobmann Herbert Presler setzte schon 2014 erste Schritte und knüpfte Kontakte zu „Energy Changes“: Gottfried Heneis und Helmut Pimpl begleiten die Erneuerung „von der Förderung bis zur Ausschreibung und übernehmen auch die Bauaufsicht“, so Binder. Ihr Schwerpunkt liegt in der Energieeffizienz.

Ein Stichwort, das beim Obfrau-Stellvertreter Gefallen findet: „Wir zahlen 30 Euro pro Quadratmeter, andere Gemeinden vergleichsweise 7 Euro“, legt Binder Zahlen vor. „Wir schmeißen jedes Jahr 80.000 Euro unnötige Betriebskosten aus dem Fenster.“

Hinzu komme, dass das Haus zu groß sei. „Die Schülerzahl ist um die Hälfte gesunken“, denkt Schnötzinger ans Jahr 1968 zurück. 170 Schüler zählt die NMS derzeit mitsamt der Polytechnischen Schule (PTS). Das ist ein Grund, warum man sich auf die Renovierung des vierkantigen Haupttrakts konzentrieren möchte – aber nicht nur.

Solides Fundament nur unterm Haupttrakt

Die Flügel mit den Klassenzimmern haben „kein g’scheites Fundament“. „Wir haben 2015 drei Tiefenbohrungen durchgeführt“, erläutert Binder. Der unterkellerte Haupttrakt sehe gut aus. „Das Fundament des Kellers reicht bis zu den Retzer Sanden.“ Der Flügel im Nordosten weise Setzungsrisse auf und könne nicht saniert werden.

Binder lässt offen, ob jener im Südwesten bestehen bleibt. „Darüber kann man diskutieren.“ Der Kindergarten hat dort seit zwei Jahren eine Gruppe untergebracht. „Ganz schlecht sind die Turnsäle mit den enormen Feuchtigkeitsschäden“, führt der Retzbacher weiter aus. Sie werden weggerissen.

Bei der Raumbedarfserhebung im Dezember wurde mit Fachleuten des Landes eruiert, was benötigt wird. Der Vorausblick ergab laut Schnötzinger, dass acht NMS-Klassen gehalten werden können; ebenso die zwei PTS-Klassen. Sie verweist auf die gestiegene Zahl der Sprösslinge im Retzer Kindergarten.

Der 2.400 Quadratmeter große Haupttrakt reicht für den zukünftigen Schulbetrieb. Schnötzinger und Binder schwebt außerdem vor, den Innenhof zu überdachen. So könnte ein großer, zentraler Raum für die Schüler entstehen.

Entwürfe liegen aber noch nicht vor: Der Architekturwettbewerb startet in dieser Woche. Die Pläne sollen bis Ende März vorliegen und werden von einer Jury begutachtet. Die Projektplanung wird mit einer „echten“ Förderung von 145.000 Euro (muss nicht zurückbezahlt werden) komplett abgedeckt.

Wenn alles einspruchsfrei läuft, könnte im späten Herbst mit der Renovierung begonnen werden. Klar ist, dass innen „kein Stein auf dem anderen bleiben wird“. Der Schulbetrieb wird während der Umbauphase in den Flügeln weitergeführt. Die Handelsakademie (HAK) wird mit ihren drei übrig gebliebenen Klassen in die frühere Handelsschule wechseln.

Schnötzinger geht von einer einjährigen Bauzeit aus. „Das alles muss ziemlich straff über die Bühne gehen“, will die NMS-Obfrau das Tempo nicht drosseln.

Warum kein Neubau? Die Grobschätzung rechnet mit Sanierungskosten von 2,9 Millionen Euro. 40 Prozent können mit Förderungen abgedeckt werden, auch dank der geplanten Umsetzung von Energiemaßnahmen. „Ein Neubau in derselben Größenordnung kostet circa sieben Millionen Euro, mit vergleichsweise weniger Förderung“, erklärt Binder.

„Und das dicke Ende kommt erst mit den Abrisskosten.“ 380.000 Euro sind alleine für den Gymnastiksaal und die zwei Turnsäle vorgesehen. „Das ist natürlich ein Wahnsinnsverhältnis“, betont der Obfrau-Stellvertreter. Die Kosten teilen sich vier Schulgemeinden auf.

Eine Hoffnung liegt bei der Landesausstellung, die Retz und Znaim im Jahr 2021 ausrichten wollen. Wird ihnen der Zuschlag gewährt, steht die Errichtung eines Mehrzweckgebäudes im Raum. Das Haus könnte später als Turnsaal umfunktioniert werden. Der NMS-Ausschuss wartet deswegen vorerst ab, um in einer zweiten Phase Entscheidungen rund um den Bewegungsraum treffen zu können.