Grünen-Diskussion zur Mobilität in der Region. Die Grünen luden Verkehrsexperten Harald Frey nach Hollabrunn ein, um mit ihm über Waldviertelautohbahn und Nordwestbahn zu sprechen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. September 2019 (09:11)
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Im Historischen Festsaal in der Sparkassegasse 1 sprach Harald Frey unter anderen über die möglichen Auswirkungen einer Waldviertelautobahn.

Auf Einladung der Hollabrunner Grünen kam Harald Frey, Verkehrsexperte von der TU Wien, zu einer Diskussion im Historischen Festsaal in der Sparkassegasse 1. Die politische Fahrtrichtung der Organisatoren war klar: Sie wollen gegen eine Transitstrecke durch die Region (Waldviertelautobahn) und für den Nordwestbahn-Ausbau mobil machen.

„Entgegen der landläufigen Meinung dünnt eine Autobahn den ländlichen Raum aus“, erläuterte Frey. Als Beispiel führt er das Lungau an, wo durch den Bau der Tauernautobahn die regionale Wirtschaftsleistung um -9,4 Prozent zurückgegangen sei. Ähnliches wäre durch eine Waldviertelautobahn auch für die Region um Hollabrunn zu erwarten. „Schneller Verkehr führt zu Abfluss von Kaufkraft aus der Region. Darunter leidet die lokale Wirtschaft, einzig internationale Großkonzerne und Transitunternehmen profitieren von der Autobahn“, sagt Frey.

Wertvolles Ackerland werde durch Waldviertelautobahn verbaut

In der anschließenden Diskussion kamen auch die Auswirkungen auf die Umwelt zur Sprache. Alexandra Adler, Spitzenkandidatin der Grünen im Weinviertel, wies auf den hohen Flächenverbrauch hin: „Bis zu 2.000 Hektar wertvolle Ackerflächen werden durch eine Waldviertelautobahn verbaut.“ Das würde die regionale Versorgung mit Lebensmitteln gefährden, von Lärm und Abgasen ganz zu schweigen.

Elisabeth Ranzenhofer berichtete von ihren Erfahrungen als Nordwestbahn-Pendlerin, von zahlreichen Zugsausfällen und Verspätungen, vom Abwarten von Gegenzügen in Göllersdorf. Die Lösung? „Ein zweispuriger Ausbau zwischen Stockerau und Hollabrunn muss her“, ist Adler überzeugt. 

"Niederösterreich muss seine Hausaufgaben machen"

Rüdiger Maresch, Verkehrssprecher der Wiener Grünen, zeigte Maßnahmen in der Bundeshauptstadt auf, die die Situation auf der Stammstrecke in den nächsten Jahren verbessern sollten, wie die Verlängerung von Bahnsteigen. „Bezüglich Nordwestbahn muss dennoch Niederösterreich seine Hausaufgaben machen, da kann nicht ständig die Verantwortung nach Wien geschoben werden“, meint Ranzenhofer.

Frey skizzierte abschließend eine Zukunftsvision vom Verkehr im Weinviertel – mit einem starken Rückgrat auf der Schiene, regionalen Busverbindungen, die auch regionale Zentren besser verknüpfen, und mit einem Zubringersystem auf Gemeindeebene, das mit Anrufsammeltaxis oder Gemeindebussen funktionieren soll.

Ecker: "Es braucht eine Verkehrswende!"

Landtagsabgeordneter Georg Ecker, der die Veranstaltung moderierte, resümiert: „Die Aussagen des Experten haben gezeigt, dass wir keine Milliarden in einer Transitstrecke betonieren dürfen. Stattdessen braucht es eine Verkehrswende mit massiven Investitionen in den öffentlichen Verkehr, vom dringend nötigen zweigleisigen Ausbau der Nordwestbahn bis hin zu besseren Busanbindungen im Bezirk.“