33 Jahre tww: „Hat mein Leben bereichert“. Drei Tage wurde gefeiert, dass Guntersdorf dank des Theaters ein Kultur-Hotspot geworden ist.

Von Sandra Frank. Erstellt am 26. Mai 2019 (03:56)
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Bezirkshauptmann Andreas Strobl, Landtagsabgeordneter Georg Ecker, Bürgermeister Roland Weber, Vizebürgermeister Ernst Binder, Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer und Gabriele Ecker, aus der Abteilung Kunst & Kultur im Land NÖ nahmen Intendantin Franziska Wohlmann-Pfeifer gern in ihrer Mitte auf.

Franziska Wohlmann-Pfeifer hätte gerne alle Menschen namentlich aufgezählt, die die Wege ihres twws in den vergangenen 33 Jahren gekreuzt haben. Doch als sie die Rede das erste Mal durchsprach und stoppte, sei sie auf 87 Minuten gekommen. „Dass will ich Ihnen ersparen. Denn genug ist genug“, sagte die Intendantin schmunzelnd zu den Gästen, die sich den Festakt der 33-Jahr-Feier nicht entgehen ließen.

Um zu verdeutlichen, wie vielen Menschen das Theater Westliches Weinviertel, wie die Kultur-Institution mit vollem Namen heißt, Dank schuldet, bat die Intendantin all jene Gäste sich von ihren Sitzplätzen zu erheben, die das tww in den vergangenen drei Jahrzehnten in welcher Form auch immer unterstütz haben. Es waren viele, die gern aufstanden.

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Heinz Mayer (l.) erzählt, dass ihn die Angst gepackt hat, als Franziska Wohlmann-Pfeifer (2.v.r) ihn das erste Mal mit in den – renovierungsbedürftigen – Stadl in Guntersdorf genommen hat.

„33 Jahre. Eine schöne und anstrengende Zeit, die wie im Flug vergangen ist und mein Leben bereichert hat“, fasst die Prinzipalin zusammen. Es wurde geprobt, geschrieben, gemalt, fotografiert, getrunken – kurz, es hat gemenschelt. „Dafür lohnt es sich zu leiden und auch zu streiten“, hat sich Wohlmann-Pfeifer immer für das Bestehen des Theaters eingesetzt.

Bürgermeister Roland Weber schaffte es, gemeinsam mit den Gästen, der Intendantin Tränen in die Augen zu treiben. Denn er forderte als Dank für die vergangenen 33 Jahre Applaus für Wohlmann-Pfeifer ein. Ein Applaus, der nicht abreißen wollte, ehe sich die 68-Jährige erhob. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, es gehört auch die Kultur dazu“, ist der Gemeindechef froh, dass das Theater Guntersdorf zu einem wichtigen kulturellen Punkt macht, der seinesgleichen suche.

 Ein Abend im tww bereichert das Herz

 Nationalratsabgeordnete Eva-Maria Himmelbauer berichtet von einer „sehr positiven Erinnerung“ an das tww, als sie noch zu Gymradio-Zeiten das Ensemble interviewen durfte und herzlich aufgenommen wurde. Wer einen Abend im tww verbringe, der könne immer etwas mitnehmen, das das Herz bereichert. „Kunst und Kultur soll kein Privileg der großen Städte sein“, ist Himmelbauer froh über das tww, ein Theater, das alle Facetten zeige und mit 130 Produktion einen hohen Stellenwert habe.

Nachdem das „Gmoosbochblech“ aufspielte, formierte sich ein „Runder Tisch“ auf der Bühne, moderiert von Heidi Sykora. Techniker Martin Kerschbaum erzählte, dass er eigentlich zum Theaterspielen zum tww kam. Da er aber zu diesem Zeitpunkt die HTL besuchte, durfte er zuerst einmal „nur“ die Technik machen, bevor er auch auf der Bühne zu sehen war. „Ohne das tww hätte mich nie das Theaterfieber gepackt“, sagt der heutige Chef des guten Tons am NÖ Landestheater.

„Ja natürlich“, kam es von Wohlmann-Pfeifer wie aus der Pistole geschossen, als Sykora sie fragte, ob sie rückblickend nochmals ein Theater gründen würde. „Es war ein großer Schreck, als ich den Stadl zum ersten Mal gesehen hab‘“, erinnert sich Heinz Mayer 33 Jahre zurück. Er hatte Angst, dass Wohlmann-Pfeifer ihn bitten würde, den Stadl zu renovieren. Elisabeth Gettinger gehörte zu jenen, die sich im tww ausprobieren durften. Sie wünschte dem Theater, dass es noch lange ein kultureller Hotspot der Region bleibe.

 „Sie spielen und gehen dann heim“

 „Man fühlt sich hier sehr schnell zu Hause, ich bin sehr gerne hier“, sprach Uschi Leitner, die beim aktuellen tww-Stück „Ladies Night“ Regie führt, ebenfalls von einer familiären Atmosphäre.

„Ich muss die Euphorie runter holen“, wurde die Hausherrin am Ende der Talk-Runde ernst. Denn ein „Familienbetrieb“ sei das tww schon lange nicht mehr. Die, die auch beim Fest laufen würden, das sei die „alte Garde“. Dass jeder überall mitanpacke, das gebe es nicht mehr. „Sie spielen, und gehen heim“, bestätigt Heinz Mayer, der nicht nur für Bauarbeiten im tww zuständig ist, sondern auch selbst auf der Bühne stand und Regie führte.

„Ich hab‘ das tww 33 Jahre lang gratis geführt. Das geht so nicht mehr“, brauche die Intendantin einen Nachfolger. „Man muss sich etwas überlegen, sonst stirbt das Theater.“