Biodiversität: Mehr Zeit für Ideologie . Welche Vorteile Blühflächen haben, zeigt Landwirt und Jäger Josef Scherer an einem Beispiel.

Von Sandra Frank. Erstellt am 30. Juli 2020 (04:15)
Bestaunen die Vorzeige-Blühfläche von Josef Scherer (Mitte) in Großnondorf, auf der mehr als 35 Sorten Pflanzen als Nahrung, Deckung und Brutplatz für Tiere dienen: Kammersekretär Gerald Patschka (l.) und Bauernkammerobmann Fritz Schechtner.
Sandra Frank

Der Großnondorfer Josef Scherer ist Weinbauer, Landwirt und Jäger – und Blumenzüchter. In seinem Vorgarten wächst eine Reihe bunter Blumen. Die Samen, die er hier erntete, mischte er unter den Samen für seine Blühflächen, mit dem Ergebnis hat er „eine Riesenfreude!“, wie er nicht müde wird, zu betonen, als Bauernkammerchef Fritz Schechtner und Kammersekretär Gerald Patschka, begleitet von der NÖN, die Flächen besichtigen.

Die Vielfalt zu erhalten, sei die Aufgabe der Landwirte – Blühflächen tragen dazu bei.
NOEN

„Damit tut sich jeder etwas Gutes“, ist Scherer überzeugt. Die Blühflächen bieten Nahrung für die Bienen, die wiederum die Felder rundherum, etwa den Kürbis, bestäuben. Das Wild findet ebenfalls ganzjährig Nahrung und Deckung auf solchen Flächen. „Sie sind auch für den Boden sehr wertvoll“, ergänzt der Kammerobmann. Denn auf den Biodiversitätsflächen sind Stickstoffsammler zu finden, es bilden sich Humus und Pflanzennährstoffe.

„Die Artenvielfalt zu erhalten, ist unsere ureigenste Aufgabe als Landwirte. Wir haben die Flächen dafür und das Know-how“, betont Schechtner. Denn „Vorzeigemodelle“ wie den Großnondorfer brauche es auf jeden Fall mehr.

Scherer hat seine Blühflächen mitten im Ackerland angelegt und nicht irgendwo am Rand, wie es oftmals der Fall ist. „Das ist wichtig“, sagt Patschka, weiß aber, weshalb das nicht oft praktiziert werde: „Auf dem guten Acker will man lieber etwas anbauen und ernten.“ Im neuen Programm sollen solche Flächen höher dotiert werden, um Anreize für die Landwirte zu schaffen. „Dafür setzen wir uns politisch ein“, verspricht Schechtner.

Laut Scherer sind es nicht nur die geringen monetären Anreize, weshalb Landwirte nicht mehr auf ihre Blühflächen eingehen. „Es bleibt einfach keine Zeit für so etwas Ideologisches.“ Damit meint er, dass die Landwirtschaft im Umbruch sei. Früher habe es in Großnondorf 27 Bauern gegeben, jetzt sind es knapp über zehn. Die Zahl sinkt weiter. Die Betriebe werden immer größer, es gebe sehr viel zu tun.

Blühflächen: Freude für Mensch und Tier

Mindestens vier insektenblütige Mischungspartner müssen auf Blühflächen, die mindestens zwei Jahre als solche bestehen müssen, ausgesät werden. Auf Josef Scherers Flächen wachsen 35 Pflanzensorten, die Blumen nicht eingerechnet. Und das zahlt sich aus: Die Bienen und Hummeln summen, wie man es dieser Tage selten hört. „In der Früh waren 20 Hasen da“, erzählt Scherer von seinen Besichtigungstouren. Weil die Abschnitte so schön anzuschauen sind, würde der Jagdleiter sie gerne touristisch nutzen. Auch Schulen könnten diese besichtigen und von der Natur lernen.