Nackte Pos bei Theater-Premiere im tww. Wenn Uschi Leitner „Ladies Night“ inszeniert, dann fallen alle Hüllen.

Von Elisabeth Schöffl-Pöll. Erstellt am 19. Mai 2019 (04:31)
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Schreien, Schimpfen, Saufen und Raufen – Männerklischees und Stereo-typen werden auf der Theaterbühne gern bedient.

Theaterdonner bezeichnet eine Vorrichtung im Theater zur Imitation eines donnernden Geräusches, also beispielsweise eines Blitzeinschlags. Im tww gab es als Auftakt zur „Ladies Night“ tatsächlich ein Gewitter mit Donnergrollen. „Mutig“ fanden die Premiere des Stückes die einen, „gewagt“ die anderen, was Franziska Wohlmann als letzte Vorstellung vor einem fulminanten 33-Jahres-Fest auf die Bühne brachte.

Bemerkenswerte schauspielerische und akrobatische Leistung

Um 20 Uhr schritt die Intendantin höchstpersönlich die Franziska-Wohlmann-Gasse entlang, vorbei an Demonstrationsplakaten, um pünktlich das Tor für die wartende Menge zu öffnen.

War die allerorten gespielte Komödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten in Berlin die letzte Aufführung vor Abriss des „Theaters am Kurfürstendamm“, so war sie hier die letzte Premiere vor dem großen Jubiläum. Mit dem Stück wurde die Farbpalette des tww um ein Farbsegment reicher, denn Striptease hat es dort oder in einem anderen nahen Theater wahrlich noch nicht gegeben.

So kann man sich das Kirren, Klatschen und Lachen der Damen vorstellen, als der erste nackte Po gezeigt wurde. Das Stück senkte auch den Altersdurchschnitt des Publikums. Es begann mit einer Anhäufung von Männerklischees und Stereotypen, Raufen, Schreien, Spielen, Biersaufen, Schimpfen, Schiffen, Geldprobleme, Familienschwierigkeiten, und mündete in typische Männerangst, ihr gutes Stück betreffend.

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„Die wilden Stiere“ zogenalle Blicke auf sich, als sie im tww bei „Ladies Night“ die Hüllen fallen ließen.

Während die vorerst unbedeutende und später äußerst wichtige Rolle der Franzi in Berlin von einem Mann gespielt worden war, besetzte man die fußballversierte Alkoholikerin hier weiblich und passend mit Claudia Marold als Identifikationsfigur.

Die schauspielerische und akrobatische Leistung der Männerschar, die ordentlich schwitzte, bevor sie endlich zur erfolgreichen Stripperbande „Die wilden Stiere“ wurde, war bemerkenswert und ließ auf Dancing Stars – ohne Stefan Petzner – zurückblicken. Als das Stück in Turbulenzen ausartete, waren die Beifallsbekundungen auf dem Höhepunkt. Legendär kann man mit Karl Farkas rufen: „Schau’n Sie sich das an!“