Strafarbeit für reuige Großeltern nach Hunde-Attacke. Gemeinnützige Arbeit für Großeltern, deren Enkel von Hunden arg zugerichtet wurde.

Von Sandra Frank. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:52)
Schäferhund „Quincy“ dürfte dem Buben die schweren Bissverletzungen zugefügt haben. Die Familie gab den Hund nach der Attacke weg.
Symbolfoto: Shutterstock.com/Labrador Photo Video

Die Liste an schweren Verletzungen, die Bezirksanwältin Marion Reinwein verlas, war erschütternd lang. Selbst unbeteiligten Zuhörern lief bei Worten wie „Skalpierungsverletzungen“ und „fast vollständige Abtrennung der linken Ohrmuschel“ ein Schauer über den Rücken. Auf der Anklagebank im Bezirksgericht Hollabrunn saßen die Großeltern, deren Hunde im September des Vorjahres den sechsjährigen Enkelsohn durch Bisse im eigenen Hof schlimm zugerichtet hatten. Dem Kind gehe es heute besser, er befindet sich aber immer noch in stationärer Spitalspflege im SMZ-Ost.

„Da hat es sogar mir den Magen umgedreht“, zeigt sich auch Richter Erhard Neubauer betroffen. Die Großeltern bekannten sich schuldig, ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben. Als der Strafantrag verlesen wurde, liefen dem 49-jährigen Angeklagten Tränen übers Gesicht. „Es war grauenhaft, ich hab’ nur geschrien“, bringt er die Bilder vom Auffinden des Buben nicht mehr aus dem Kopf.

Was war im September passiert? „Ich war mit der Wäsche beschäftigt und dachte, er ist bei meiner Frau.“ Die Oma wiederum war beim Kochen und dachte, ihr Enkel sei bei seinem Großvater. Maximal zehn Minuten sei er alleine gewesen. Der Angeklagte fand ihn schließlich im Schuppen.

„Da saß er, blutverschmiert und ganz starr.“ Sprechen konnte er damals noch, habe zum Vorfall aber nichts gesagt. Die beiden Hunde, ein Deutscher Schäfer und ein Staffordshire-Bullterrier-Mix, waren da bereits wieder im Haus.

„Das kann jedem passieren. Den beiden ist klar, sie hätten es besser machen können“, setzte sich der Verteidiger für ein mildes Urteil ein.

„Er sagt immer: Quincy wollte mir helfen“

Bei ihren Hunden hätten die Besitzer nach dem Vorfall kein Blut wahrgenommen. Schäferhund „Quincy“ wurde mittlerweile weggegeben, denn aufgrund der Bisswunden sei zu 99 Prozent sicher, dass dieser den Sechsjährigen so zugerichtet hat. Probleme mit den Hunden habe es vorher nie gegeben, beteuern die beiden.

Dem Kind gehe es heute gut. „Er ist topfit und spricht wieder“, beschreibt die Großmutter. Der Grund, weshalb er noch immer im Krankenhaus ist: „Er hat am Kopf keine Schweißdrüsen mehr, darum wollen die Ärzte sehen, welche Auswirkungen das im Sommer auf den Körper hat.“

Der Bursche selbst sei traurig, dass seine Großeltern den Schäferhund weggegeben haben. „Er sagt immer: Quincy wollte mir helfen“, erzählt der Großvater. Mehr sage das Kind zu dem Vorfall aber nicht.

Da die Angeklagten nicht vorbestraft sind, konnte Richter Neubauer eine Diversion (Strafe ohne Verurteilung) anbieten. Er verhängte eine „massive gemeinnützige Leistung“ samt der Verfahrenskosten. Die beiden Hadreser müssen innerhalb der nächsten sechs Monate 140 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil wurde angenommen.