Landwirtschaft zwischen Tradition und Umbruch. Der Hadreser Manfred Waltner, neuer Obmann-Stellvertreter in der Kammer, will sich nicht zurücklehnen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. Juni 2020 (03:07)
Im Weingarten auf der Hadreser Ebene (v.l.): der neue Vize-Obmann Manfred Waltner, Obmann Fritz Schechtner und Kammersekretär Gerald Patschka.
Sandra Frank

Fritz Schechtner wurde im März als Obmann der Hollabrunner Bauernkammer bestätigt, ihm zur Seite stehen Daniela Hagenbüchl-Schabl aus Hohenwarth und der Hadreser Manfred Waltner. „Die örtlichen Vertreter, die mitgestalten, sind notwendiger denn je“, ist Schechtner froh über seine engagierten Stellvertreter.

„Dazustehen und mit einer Situation zufrieden zu sein, ist nicht mein Ziel. Ich schau’ immer, wie man etwas noch weiter verbessern kann“, betont Waltner. Er führt in Hadres einen Familienbetrieb, Gemeinschaft wird hier gelebt. „Die Landwirte sollten die überbetriebliche Zusammenarbeit forcieren. Nicht jeder kann sich die neuesten Geräte leisten“, meint der stellvertretende Kammerobmann. Er selbst teilt sich zum Beispiel eine Lesemaschine mit zwei anderen Bauern. „Das funktioniert super!“

Doch eine Kooperation müsse sich nicht auf Geräte beschränken. „Es kann nicht jeder Winzer seinen eigenen Heurigen haben. Auch das könnte man gemeinsam angehen“, schmiedet Waltner neue Ideen. Breiter aufgestellt wäre ein größeres Auftreten möglich.

Lichtblick bei Rüben: „Regen hat gutgetan“

„Die Vision von Gemeinschaften ist es, Kosten zu senken“, unterstreicht Obmann Schechtner, dass Zusammenschlüsse die künftige Landwirtschaft prägen könnten. Für Waltner ist klar: „Produkt und Umfeld müssen hochwertig sein – und der Bewirtschafter darf nicht auf der Strecke bleiben.“ Der Hadreser gehört übrigens zu jenen Landwirten, die noch Zuckerrüben anbauen. „Der Regen hat ihnen gutgetan“, gibt es nach schwierigen Jahren, Stichwort Rübenrüsselkäfer, einen kleinen Lichtblick.

Er besitzt auch Weingärten, verkauft die Trauben aber. „Das Flaschengeschäft geht sich von der Zeit her einfach nicht aus.“ Eine Rebschule gehört ebenfalls zum Betrieb. „Das ist die Winterarbeit. Damit mir nicht fad wird“, scherzt Waltner.

Sein Betrieb sei zwar konventionell, aber naturnah. Er würde sich wünschen, dass „made in Austria“ wieder mehr an Bedeutung gewinnt, und will bäuerliche Traditionen am Leben erhalten. Aber: „Es ist ein Zaudern zwischen Tradition und dem Strukturwandel.“ Stehenbleiben dürfe man natürlich nicht.

Chancengleichheit für alle

Viele hätten ein romantisches, nostalgisches Bild von der Landwirtschaft. „So kannst du aber nicht arbeiten.“ Es sei wichtig, dass alle die gleichen Chancen hätten. Da gehe es um die Produktion der Lebensmittel und die Vermarktung. Und das müsse man auf europäischer Ebene betrachten, spielt Waltner auf die strengen Vorgaben für österreichische Betriebe an.

Für die Bezirksbauernkammer sei 2020 bisher ein sehr herausforderndes Jahr gewesen, sagt Schechtner. Die Frist, um Mehrfachanträge abgeben zu können, wurde verlängert. Denn nur damit erhalten die Landwirte die Ausgleichszahlungen. „Ohne die ist die Existenz schwierig.“

Mehrfachanträge können zwar online abgegeben werden, der Großteil suche aber den persönlichen Kontakt. Kammersekretär Gerald Patschka spricht von einem einstelligen Prozentsatz der Anträge, die online abgegeben werden. Das wiederum zeige deutlich, wie wichtig die Kammer als Anlaufstelle für die Bauern sei.