Bio-Diskussion: "Nur mehr Naturbewusstsein bringt uns dem Ziel näher"

Biodiversität als Überlebensversicherung, lautete das Credo einer Veranstaltung im Nationalparkhaus Thayatal. 50 Teilnehmer folgten der Einladung des Nationalparks Thayatal, der Klimamodellregion Retzer Land, der Landwirtschaftskammer Hollabrunn und der Waldviertel Akademie.

Erstellt am 24. Oktober 2021 | 18:21

„Unsere Vielfältige Landschaft – eine gemeinsame Aufgabe“, lautete der Titel des Abends, an dem darum ging, Leistungen der ökologischen Infrastruktur zu schätzen und zu schützen. Eine große Frage war, wie eine vielfältigere, reich strukturierte Landschaft erreicht werden kann. Denn alle waren sich einig: eine solche wäre sowohl für Mensch als auch Natur erstrebenswert und vorteilhaft.

„Die Natur und deren Schutz ist den Landwirten mehr als bewusst, diese tragen aber auch die Verantwortung für die Bereitstellung ausreichender Mengen an Lebensmitteln für die Bevölkerung", betonte Bauernkammerobmann Fritz Schechtner, "Biodiversitätsschutz und Nahrungsmittelproduktion dürfen also nicht in Widerspruch zueinander stehen!"

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Eine Überlebensversicherung

Thomas Wrbka von der Universität Wien hob die enorme Bedeutung der Biodiversität in der Landschaft als Überlebensversicherung nicht nur für die Organismen in der Kulturlandschaft, sondern eben auch für die Menschen hervor. Eva Erhart von Bio Forschung Austria bekräftigte die möglichen Vorteile von Bio-Landwirtschaft und Mehrnutzungshecken: „Je nach Umsetzung kann biologischer Landbau den Anteil der Arten um bis zu 30 Prozent erhöhen."

In die gleiche Kerbe schlug Maximilian Hardegg von der Guts- und Forstverwaltung Hardegg in Großkadolz. Er ist Verfechter eines bunten Anbauplans: „Es muss nicht zwangsläufig Bio sein, aber die Vergrößerung der Biodiversitätsflächen von 5 auf 7 Prozent gemeinsam mit sinnvollen Richtlinien, wie etwa angepasste Mäh- und Mulchzeitpunkte, würde enorm viel beitragen."

Visionen für die Zukunft

Biodiversitätsforscher Wrbka hofft für die Zukunft auf „mindestens 30 Prozent gut geschützter und gemanagter Schutzgebiete in Österreich, ein Verantwortungsbewusstsein auch in der Landwirtschaft“ und wünscht sich, dass ökologische, grüne Infrastruktur als Selbstverständlichkeit gesehen wird.

„Nur mehr Naturbewusstsein und -wertschätzung wird uns unserem Ziel näher bringen“, zeigte sich Hardegg überzeugt. Schechtner pochte auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Landwirtschaft und des Naturschutzes gleichermaßen. Genauso war Moderatorin Angelika Schöbinger-Trauner von der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich sicher, dass „nur ein Zusammenrücken und ein gemeinsames Gestalten der Zukunft unseren Kindern, Enkeln und darüber hinaus noch eine Lebensgrundlage gewährleisten können".  „Wir brauchen vor allem geeignete politische Rahmenbedingungen, denn diese entscheiden, was in der Landwirtschaft tatsächlich passiert“, ergänzte Erhard.

Pufferflächen im Nationalpark

„Der Nationalpark Thayatal weist eine hohe Biodiversität auf. Diese ist ein wichtiger Beitrag für eine vielfältigen und funktionsfähige Landschaft. In Zusammenarbeit mit den Landwirten wollen wir im Rahmen des nächsten ÖPUL-Programms versuchen, durch die Einrichtung von Pufferflächen diese biologische Vielfalt in die Landschaft zu bringen“, erklärte Nationalparkdirektor Christian Übl abschließend.

Die Familie Rockenbauer aus Niederfladnitz sorgte mit Wein und Brötchen für das leibliche Wohl beim geselligen Ausklang, der noch von lebhaften Diskussionen geprägt war.