Nach Eisbruch regt sich wieder Leben im Nationalpark. Die Natur findet wieder ihren Weg zurück – und der Thayatalweg wurde nun für Wanderer wieder freigegeben.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 06. Mai 2015 (06:15)
NOEN, Widhalm
Der Thayatalweg ist um ein Stück „wilder“ geworden: Baumstämme ragen in die Thaya hinein. Diese sind für den Besucher ungefährlich. Foto: Widhalm
„Katastrophe“ wäre zu viel gesagt, aber dass sich der Wald nach dem Eisbruch im Winter verändert hat, fällt sogar einem Laien auf.

Zweige, Äste, Wipfeln brachen unter der Eislast ab. Bäume entwurzelten, rissen andere mit sich – zum Teil entstand ein unübersichtliches Geflecht. „Der Wald ist kaum wiederzuerkennen“, sagt Naturraummanager Wolfgang Riener.

Bäume in Thaya werden bewusst liegen gelassen

Der Nationalpark Thayatal habe einen solch großen Wandel seit seiner Gründung nicht erlebt. Die Verwaltung musste Entscheidungen treffen, die mit Experten durchdiskutiert werden: Die Sicherheit der Wanderer muss gewährleistet sein, allzu große Eingriffe sollen aber nicht vorgenommen werden.

Der Wanderer will ja auch „Wildnis“ erleben. Er kann dennoch keine mit Stämmen blockierten Wege überwinden – wie auf dem Thayatalweg. Erdrutsch im Herbst und Eisbruch im Winter haben den Hangsteg in Mitleidenschaft gezogen.

Einige der umgestürzten Bäume landeten in der Thaya, diese werden bewusst liegen gelassen: Die langsame Strömung kommt sämtliche Lebewesen zugute, auch weil die Schleusen am Staudamm mehrmals täglich geöffnet werden und ein kleines „Hochwasser“ verursachen. Andere Stämme waren ein Sicherheitsrisiko für Wanderer.

Die über Wege hängenden Bäume sind zurückgeschnitten worden. Der Thayatalweg musste sogar zwischen Ochsengraben und Ruine Kaja gesperrt werden. Man begann mit dem durchaus gefährlichen Umschneiden. Das Holz bleibt nun dem System als Nahrungsquelle und Heimat für eine Vielzahl von Organismen erhalten.

„Katastrophen“ auch als Chance für den Wald

Das erste Grün kommt mittlerweile zwischen dem Totholz durch. „Katastrophen“ wie der Eisbruch sind für die Natur eine Chance: Der Wald verjüngt sich. Die aufkeimenden Blätter können gerade an diesem lichtdurchfluteten Ort tatsächlich zu einem Baum heranwachsen.

Die seltene Eibe nutzt wie kein anderer Nadelbaum die verstärkte Sonneneinstrahlung. Sie kann zwar Hunderte Jahre im schattigen Unterstand wachsen, weiß aber auch das starke Licht zu nutzen.

Übrigens: Der Nationalpark will die Fläche wissenschaftlich beobachten – ein Forschungsfeld unter freiem Himmel. Der Wald wird mit der Zeit zurückkommen. Und: Der Thayatalweg ist seit voriger Woche wieder für Wanderer geöffnet.