Spaziergänger stieß Harley-Fahrer um. Pensionisten-Streit in Hardegg, weil Biker mit Maschine im Fahrverbot unterwegs war.

Von Sandra Frank. Erstellt am 05. Juli 2020 (05:05)
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Zu einem Zwischenfall mit Spaziergängern und einem Harley-Davidson-Fahrer kam es im April in der kleinsten Stadt Österreichs. Am Motorrad entstand ein Schaden von 1.500 Euro. Die Angelegenheit landete letztlich am Tisch vom Richter Erhard Neubauer.

„Ich ging sehr weit links, weil es dort unübersichtlich ist“, erinnerte sich der Angeklagte, ein Pensionist. Auf einmal sei ein Motorrad auf ihn zugefahren und sei unmittelbar vor ihm stehen geblieben. Aufgehalten hätte der 69-Jährige den Motorradfahrer nicht. Daran zweifelte Neubauer: „Warum ist er nicht einfach vorbeigefahren? Es war genug Platz?“

Das konnte der Angeklagte nicht erklären. Er hätte den Lenker aber darauf hingewiesen, dass auf dieser Straße ein allgemeines Fahrverbot herrsche und sich dort nur Anrainer mit fahrbarem Untersatz bewegen dürfen. „Er hat Gas gegeben und fuhr mir zweimal in den Schritt. Ich wäre fast umgefallen“, schilderte der Angeklagte. Danach dürfte der Fahrer die Balance verloren haben und sei gestürzt. „Ich habe ihn nicht umgestoßen“, versichert er.

Das Opfer habe die Polizei gerufen, ein Ortsansässiger habe schließlich geholfen, das Motorrad aufzustellen. Er berichtete im Zeugenstand von einem Streit, den er gehört hatte, und meinte: „Ich bin selbst Motorradfahrer. Wenn man oben sitzt, ist es sehr schwer, umgeworfen zu werden.“ Gerade bei einer Harley Davidson.

Das Opfer (67) berichtete, vom Angeklagten aufgehalten worden zu sein. Er sei sehr langsam gefahren und unmittelbar vor dem Angeklagten zum Stehen gekommen. Dieser marschierte nämlich auf der falschen Straßenseite, wie ihn auch die Polizei belehrte. „Er stellte sich so hin, dass mein Vorderrad zwischen seinen Beinen war.“

„Nach zehn Minuten war es mir zu blöd“

Da ihn der Pensionist nicht weiterfahren lassen wollte, habe er die Polizei gerufen. „Nach zehn Minuten war es mir aber zu blöd, ich wollte nach Hause.“ Da hätte der Angeklagte mit seiner linken Hand auf den rechten Gabelholm der Harley gedrückt und „ich bin umgefallen“.

Der Richter wollte schließlich von einer Verurteilung absehen, aber: „Wir müssen uns über die 1.500 Euro einigen.“ Zunächst wollte der Angeklagte nicht zahlen, das Opfer kam ihm entgegen. „Wenn ich die Kosten der Ersatzteile haben könnte … das sind 780 Euro.“ Schließlich einigten sich die beiden auf 600 Euro, 100 Euro kamen als Pauschalkosten für das Verfahren hinzu.