Hardegg tritt aus dem Retzer Land aus. Die Kündigung kam überraschend. Jetzt wird nach einer neuen Form der Kooperation bei geringeren Ausgaben gesucht.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 03. Juni 2014 (09:18)
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Heribert Donnerbauer: »Das war eine finanziell motivierte Entscheidung.«

Sechs Gemeinden entschlossen sich vor 25 Jahren, mit vereinter Kraft den Tourismus in der Grenzregion voranzutreiben. Hardegg, Pulkau, Retz, Retzbach, Schrattenthal und Zellerndorf gründeten die Retzer Land GesmbH, um sich nach außen hin besser präsentieren zu können. Doch jetzt will eine Gemeinde nicht mehr Teil des Unternehmens sein.

„Das hängt letztlich mit dem Geld zusammen“

Hardegg hat am Dienstag der Vorwoche in einem Gemeinderatsbeschluss festgelegt, aus der Retzer Land GesmbH auszutreten. „Doch überraschend“, war Vorsitzender Manfred Nigl nicht darauf gefasst. „Das hängt letztlich mit dem Geld zusammen“, erläutert er die Beweggründe. „Jede Gemeinde zahlt um die zehn Euro pro Einwohner.“

18.000 Euro sind das für die Stadtgemeinde – ein Brocken, der für Bürgermeister Heribert Donnerbauer nicht mehr zu bewältigen sei. Der Gemeinderat müsse sich nach einer Gebarungsprüfung des Landes zu Sparmaßnahmen durchringen. Donnerbauer hat schon vor zwei Jahren Einsparungen getätigt. Dennoch: „Unsere Rücklagen werden vermutlich 2015/16 aufgebraucht sein“, erzählt er. „Im Vorjahr hatten wir noch die Hoffnung, dass wir mit dem Windpark mehr Einnahmen bekommen.“ Der Windpark Nord darf in den Gemeinden Hardegg, Langau und Weitersfeld nach genauer Überprüfung des Landes nicht errichtet werden.

Bürgermeister Donnerbauer habe jetzt nicht mehr viele Möglichkeiten. „Wir wollen nicht bei den Bürgern einsparen“, setzt er Prioritäten. Vereine, die viel an Leistungen erbringen, sollen nicht am Sparkurs leiden.

Kleinregion will Arbeit fortsetzen – nur wie?

Die Kündigung ist in der ersten Jahreshälfte ausgesprochen worden, sodass sich Hardegg Ende 2014 verabschieden kann. „Wie wir dann 2015 weitermachen, wird jetzt ausgearbeitet“, blickt Nigl nach vorn. Alle anderen Gemeinden hätten sich darauf geeinigt: „Das Retzer Land wird weitergehen, nur in einer anderen Form.“

Ob die Gesellschaft mit beschränkter Haftung bestehen bleibt oder in einen Verein umgewandelt wird, steht nicht fest. „Wir eruieren die steuertechnischen Details“, führt Nigl aus.

Die Finanzen sollen ebenso durchleuchtet werden. Aufträge werden schon jetzt an tonality communications – Benjamin und Nicolas Thal – vergeben. „Da haben wir gute Erfahrungen gemacht, vielleicht können wir das ausbauen“, grübelt Nigl. „Jedenfalls werden wir mit den Kosten ein bisschen runterfahren.“ Auch, weil viele „Fördertöpfe zu sind“.

Nigl will Hardegg in die Überlegungen einbeziehen. Das wäre im Sinne von Donnerbauer. „Wir wollen uns nicht von der Region verabschieden“, ließ der Gemeindechef dies im Beschluss festlegen. Er ist prinzipiell an einer Weiterarbeit interessiert, „möglicherweise zu niedrigeren Kosten“. Das sei „gleichzeitig das Signal, eine neue Zusammenarbeit zu finden.“

 

Die Akteure im Retzer Land

Die „Retzer Land“ Regionale Vermarktungsgesellschaft m.b.H. ist ein kooperativer Zusammenschluss der sechs Gemeinden (Retz, Hardegg, Zellerndorf, Pulkau, Schrattenthal und Retzbach), mit der Althof Consulting- und HotelbetriebsGmbH, dem Tourismusverein Retz, der Weingüter Retzer Land, dem Wirtschaftsverein „Gut gemacht Retz“, der Familie Pilati (Schloss Riegersburg und Burg Hardegg) und dem Bauernladen Retzer Land.

Die Gesellschaft funktioniert als Dach für die Arbeit in der Region, insbesondere für die Koordination von Marketing-Maßnahmen im Fremdenverkehr, im Landwirtschaftsbereich, im Weinbau sowie der Kultur. Für die Umsetzung, Administration und Koordination dieser Aufgaben ist das „Retzer Land“- Büro mit Geschäftsführer Reinhold Griebler und Mitarbeiterin Christine Raab verantwortlich.

Die Aufgaben des Büros umfassen die Administration diverser gemeinsamer Agenden, Regional- und Projektmanagement neuer Projekte und Events, touristische Vermarktung der Region nach außen, Innenmarketing und Kommunikation mit den Stakeholdern der Region, Vermittlung zwischen verschiedenen Interessengruppen, Beratung für Interessierte und Umsetzungswillige in der Region.