Hardegg

Erstellt am 15. März 2019, 06:03

von Sandra Frank

Donnerbauer geht: „Die große Richtung muss stimmen“. Heribert Donnerbauer zieht sich aus der Politik zurück und widmet sich nun ganz seinem Beruf als Rechtsanwalt.

Der scheidende Bürgermeister Heribert Donnerbauer gibt seinemNachfolger, Vizebürgermeister Friedrich Schechtner, die Türklinke zumGemeindeamt in die Hand.  |  Donnerbauer

Heribert Donnerbauers Tage als Bürgermeister der Stadtgemeinde Hardegg sind gezählt: Er legt dieses Amt per 31. März zurück. Dann wird sich der Merkersdorfer zum ersten Mal in seinem Leben, wie er selbst sagt, hauptsächlich seinem Beruf als Rechtsanwalt widmen.

Die NÖN sprach mit dem 53-Jährigen über die großen Unterschiede zwischen Bundes- und Kommunalpolitik und darüber, wie der ehemalige Vizekanzler Willi Molterer dem ehemaligen Justizsprecher einen Strich durch seine – zumindest politische – Lebensplanung machte.

NÖN: Warum stellen Sie Ihre Funktion als Bürgermeister zur Verfügung?

Heribert Donnerbauer: Das hat berufliche Gründe. Ich habe eine Kanzlei in Retz und eine Filiale in Wien im 8. Bezirk. Dort wollen wir uns – meine Tochter macht gerade die Anwaltsprüfung – ein zweites Standbein aufbauen. Da brauche ich jetzt meine volle Kraft für meine Firma.

„Meine Eltern erzählen immer: Sobald ich lesen konnte, habe ich begonnen, Zeitung zu lesen.“

Wer soll Ihre Nachfolge antreten?

In unseren Gremien fielen vergangene Woche einstimmige Beschlüsse, dass mein Vizebürgermeister Friedrich Schechtner Bürgermeisterkandidat sein wird. Aber nicht nur für die Wahl, die in den ersten beiden Aprilwochen passieren wird, sondern auch als Spitzenkandidat für die nächsten Gemeinderatswahlen.

Wann sind Sie politisch aktiv geworden?

(lacht): Ganz klassisch in der JVP. Es war eine spannende und schöne Zeit. Wir waren eine gute Gruppe, haben als erstes ein Frühlingsfest in Riegersburg organisiert. 1992 wurde ich dann Gemeindeparteiobmann, 1995 wurde ich Gemeinderat. Das war aber unsicher: Wir führten in Merkersdorf interne Vorwahlen durch, da bekam ich nur ein oder zwei Stimmen mehr. Der Nationalpark war damals ein umstrittenes Thema.

Warum wollten Sie sich überhaupt politisch engagieren?

Ich war schon immer politisch interessiert. Mein Vater war Stadtrat in Wien, da habe ich das mitbekommen. Meine Eltern erzählen immer: Sobald ich lesen konnte, habe ich begonnen, Zeitung zu lesen. Ich wollte mich einbringen und mitgestalten, darum habe ich mich engagiert, aber ohne Hintergedanken, einmal ein Amt auszuüben. Es ist eigentlich eine Gnade, wenn man dann gefragt wird, ob man eine Funktion übernehmen möchte.

Sie sind 2001 in die Fußstapfen von Rosemarie Bauer als Abgeordnete zum Nationalrat getreten. Damals waren Sie schon sechs Jahre im Hardegger Gemeinderat. Was sind die großen Unterschiede zwischen Bundes- und Kommunalpolitik?

Es sind zwei Welten. Die Umsetzungsgeschwindigkeit in der Bundespolitik ist eine Katastrophe. Daran ist aber niemand schuld, die Vorgänge sind einfach komplex. Ich erinnere mich an meine Zeit als Justizsprecher; du arbeitest auf etwas hin, sprichst dich mit Gremien und Opposition ab, dann kommt eine Wahl und du fängst wieder bei Null an. Wenn du gewohnt bist, etwas umzusetzen, dann ist das sehr zermürbend. In der Gemeinde ist das anders: Da setzt du dich an einen Tisch. Die Erfolge sind zwar kleiner, aber unmittelbarer und spürbarer für die Region.

„Ein wichtiges Herzensprojekt war auch, dass wir die ärztliche Versorgung sicherstellen konnten.“

Ein Unterschied ist auch die Nähe zu den Bürgern. War das immer einfach?

Das stimmt, Bürgermeister bist du rund um die Uhr – für mich war das okay so. Das kann manchmal anstrengend sein, weil du nie privat bist. Wenn du jemand bist, der nicht mit Menschen arbeiten will, dann bist du ohnehin fehl am Platz. Das habe ich auch erlebt, aber nicht bei uns im Bezirk.

Welches Projekt, das Sie für Ihre Stadtgemeinde umsetzen konnten, lag Ihnen besonders am Herzen?

Dass wir etwas für junge Familien tun, um sie bei uns zu behalten. Wir haben einen neuen Kindergarten gebaut, dafür die beiden alten Standorte zugesperrt. Wir haben jetzt eine Nachmittags- und Ferienbetreuung, auch in der Volksschule. Wohnungen und Reihenhäuser in Niederfladnitz sind ständig vermietet. Der Kindergarten und die Schule sind voll. Ein wichtiges Herzensprojekt war auch, dass wir die ärztliche Versorgung sicherstellen konnten. Das war seit 2015 eine große Sorge. Jetzt haben wir sogar eine Gruppenpraxis mit zwei Ärzten. Das ist ein gemeinsamer Erfolg. Das ist das Schöne an der Kommunalpolitik: Du ziehst gemeinsam an einem Strang, um etwas für die Gemeinde zu tun. Das macht Freude.

Eigentlich wollten Sie sich 2010 aus dem Parlament zurückziehen. Warum haben Sie dieses Amt dann doch erst 2012 an Ihre Nachfolgerin Eva-Maria Himmelbauer übergeben?

Der Plan war, dass ich 2010 nicht mehr für den Nationalrat kandidiere. Aber 2008 sagte der damalige Vizekanzler Willi Molterer: „Es reicht!“ Mit den Neuwahlen hat er meine Pläne durchkreuzt. So wollte ich natürlich auch nicht aufhören, ich wollte eine geordnete Übergabe und habe dann doch noch einmal kandidiert.

Sie wurden 1995 Gemeinderat, zehn Jahre später Vizebürgermeister, 2008 Bürgermeister. Würden Sie sagen, die Politik hat Sie verändert?

Politik war in den vergangenen 30 Jahren ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Natürlich wurde ich davon geprägt und mitbeeinflusst.

Was haben Sie durch Ihre politische Tätigkeit gelernt?

Menschenkenntnis. Ich hab’ immer versucht, zu ergründen, was die Menschen warum bewegt. Das ist manchmal anstrengend, aber sehr wichtig, weil man vieles dadurch entschärfen kann. Es gibt ja Umfragen, dass das Vertrauen in die Politiker sehr gering ist. Wir sind da ganz weit hinten, irgendwo bei den Journalisten (lacht). Wenn man aber nachfragt, dann sagen die Leut’, dass die Politiker, die sie persönlich kennen, eh in Ordnung sind. Aber in der Bundespolitik hat man leider wenig Gelegenheit, seine eigentliche Meinung darzustellen. Was da übrig bleibt, ist: Du bist dafür oder dagegen. Schwarz oder Weiß. Auf Gemeindeebene ist das zum Glück anders.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen, dass Ihre Ansichten nur auf „Schwarz oder Weiß“ heruntergebrochen wurden?

(lacht): Als ich erst kurz Justizsprecher war, hab’ ich gleich landesweite mediale Aufmerksamkeit genossen: Ich habe nach einer juristischen Veranstaltung mit einem Journalisten der Presse geplaudert. Wir standen am Buffet, wir haben darüber gesprochen, dass das Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaft in der ÖVP schwierig ist. Ich hab’ locker mit ihm geplaudert und gesagt, dass das nicht so ist und ihm meine Ansichten erzählt. Gleich am nächsten Tag war eine große Schlagzeile in der Presse, dass der Justizsprecher für die Homo-Ehe ist. Da hat mich dann Willi Molterer angerufen ...

Wie schwierig ist es, seine eigene Meinung hintanzustellen und sich dem Klubzwang zu beugen?

Einen Klubzwang gibt es nicht. Jeder hat die Möglichkeit, gegen etwas zu sein, sich zu enthalten oder einfach hinauszugehen. Aber so kannst du kein Land und auch keine Gemeinde führen, indem du sagst: Schau ma, was herauskommt. Es muss eine Entscheidung geben. Und jeder muss sehen, dass er in einer Gruppe ist, die entscheidet. Die große Richtung muss einfach stimmen.

Sie werden sich ganz aus dem Gemeinderat zurückziehen. Haben Sie einen Rat für Ihren Nachfolger Fritz Schechtner?

Er soll so weiter machen, wie wir in den vergangenen elf Jahren als Team zusammengearbeitet haben. Das wünsch’ ich ihm. Sonst habe ich keine Tipps für ihn. Ich bin niemand, der aus der zweiten Reihe Ratschläge gibt. Darum bleibe ich auch nicht im Gemeinderat.

Wissen Sie, wie Sie Ihren letzten Tag als Bürgermeister verbringen werden?

Ja, das weiß ich schon! Ich sing’ in Wullersdorf in der Kirche. Die Grenzlandkapelle und die Chöre treten dort am 31. März auf.