„Die Gendarmerie war hinter mir her“. Mit internationalen Motorradrennen war Ziersdorf vor 50 Jahren in aller Munde.

Erstellt am 05. September 2017 (12:30)

Für internationale Schlagzeilen wurde vor knapp 50 Jahren in der Marktgemeinde Ziersdorf gesorgt. 1967 fand hier das erste, damals noch nationale Motorrad-Straßenrennen statt. Schon im Jahr darauf waren die weltbesten Rennfahrer am Start. Auf dem 8,3 Kilometer langen Kurs wurden mehrere Runden absolviert. Es war zu dieser Zeit das bedeutendste Straßenrennen und die schnellste Strecke Österreichs.

Mit einem zweitägigen Fest rief man nun diese außergewöhnlichen Rennen wieder in Erinnerung. Horst Bartke sen., er war damals einer der Rennfahrer, sein Sohn Horst und Harald Schörg initiierten und organisierten dieses Revival und die jährliche „RBO-Trophy“ machte zur Feier des Jubiläums Station am ehemaligen Rundkurs: von Ziersdorf nach Gettsdorf, Hollenstein und zurück durch die Kellergasse nach Ziersdorf. Dort wurde damals sogar ein Weinkeller abgetragen, um eine besonders schmale Stelle zu entschärfen.

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„Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. So ein Rennen wäre heute nicht mehr möglich“, meinte Bürgermeister Johann Gartner. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug dereinst satte 160 km/h.

In der Mehrzweckhalle Ziersdorf wurde eine einmalige Ausstellung eröffnet. Vor dem Haus parkten 150 größtenteils historische Motorräder und Beiwagenmaschinen der Besucher. Sogar aus Hamburg kam ein Gast mit seinem Motorrad angereist.

Schörg moderierte und begrüßte die Gäste, unter anderem den ehemaligen Nationalratsabgeordneten Hannes Bauer, Landtagsabgeordneten Herbert Thumser, Hausherrn Johann Gartner, den ehemaligen Vizebürgermeister Franz Fingerhut und Pfarrer Andreas Kalita. Gartner und Bauer überreichten den Siegern der RBO-Trophy in diversen Kategorien die Pokale.

Danach erzählte Bartke sen. über die Entstehung der damaligen Rennen, die mit Unterstützung einiger Institutionen und Helfern organisiert worden waren. „Ich hab die Leute mit meiner Lautstärke recht sekkiert und die Gendarmerie war hinter mir her“, erinnerte er sich schmunzelnd. ARTS-Obmann Friedrich Damköhler schilderte, wie es damals in Ziersdorf war: „Die Fahrer campierten damals beim Teichweg und im Park und erfuhren vollste Unterstützung von der Ortsbevölkerung.“ Auch der damalige Vizebürgermeister Fingerhut setzte sich intensiv für die Rennen ein.

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In der Halle waren Fotos aus der Zeit, Starterlisten und Ergebnisse sowie Zeitungsausschnitte zu sehen. Außerdem waren 19 historische Motorräder zu bewundern. Dabei gab es unter anderem eine italienische und britische Ecke. Bartke sen. stellte einen Teil seiner unzähligen Pokale zur Verfügung. Rennanzüge und Helme waren ebenfalls zu sehen. Arrangiert wurde die Ausstellung von Christine Weiser. Unter den zahlreichen Besuchern waren auch Landtagsabgeordneter Richard Hogl und SPÖ-Bezirksvorsitzender Richard Pregler.

In einem angrenzenden Raum wurden Filme aus der Zeit, teils privat, teils vom ORF aufgezeichnet, über die Ziersdorfer Rennen gezeigt. Bei diesen sah man das unglaublich starke Interesse an diesen Rennen. Zeitzeugen sprachen von tausenden Zuschauern.

Pfarrer Kalita nahm nach der Gedenkmesse eine Fahrzeugsegnung vor. Am Kirchenplatz standen in einer Reihe die Motorräder, am angrenzenden Parkplatz einige Autos.