Klasse stolz auf 27.000 Unterstützer für Abdullah. NÖN sprach mit ehemaligem Hollabrunner Schüler, der auf humanitäres Bleiberecht hofft.

Von Ulrike Grünauer. Erstellt am 07. April 2021 (05:09)
Abdullah Hosaini gehört den Hazara an; eine Minderheit in Afghanistan, die oft Ziel von Anschlägen ist. „Ich möchte gar nicht daran denken, was passieren könnte“, sagt Abdullah Hosaini, der nun in Tirol lebt.
privat, privat

27.000 Menschen unterzeichneten eine von HLW-Schülerinnen initiierte Unterschriftenaktion gegen die drohende Abschiebung ihres ehemaligen Klassenkollegen, die sogar von Influencern in den Sozialen Medien unterstützt wurde.

Seit 2015 lebt der Afghane Abdullah Hosaini (22) in Österreich. Sein Weg führte ihn von Eggenburg nach Hollabrunn, wo er die Chance auf Schulbildung nutzte, und schließlich nach Tirol, wo er bald seine Kellner-Lehre abschließen kann. Obwohl er sich gut in seiner neuen Heimat integriert hat, droht ihm die Abschiebung. Denn er hat seinen Status als subsidiär Schutzberechtigter verloren. Dank des Engagements seiner ehemaligen Klassenkollegen und seines Anwalts besteht jedoch die Hoffnung auf ein humanitäres Bleiberecht.

Die NÖN bat Hosaini zum Gespräch über seine Lehre, die Schulzeit in Hollabrunn und wie dankbar er für die vielen Unterschriften im Zuge der Petition „Abdullah soll weiterhin in Österreich bleiben“ ist.

NÖN: Sie sind im dritten Jahr Ihrer Kellner-Lehre. Haben Sie darin Ihren Traumberuf gefunden?

Hosaini: Ich hab‘ so viel in meinem Leben durchgemacht und viel und hart gearbeitet. Ich arbeite gerne, besonders hier in Österreich. Ohne Arbeit wäre mir langweilig. Es läuft alles super, dieser Beruf passt gut zu mir. Ich gehe mit Leidenschaft und Liebe in die Arbeit. Mein Chef ist sehr zufrieden mit meiner Leistung und auch bei den Gästen bin ich sehr gefragt.

Bis das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) entscheidet, dürfen Sie in Österreich bleiben. Dazu hat das BFA nun sechs Monate Zeit. Welche Ziele wollen Sie bis dorthin auf jeden Fall erreichen?

Hosaini: Das Allerwichtigste ist meine Lehre, die möchte ich unbedingt abschließen. Anfang Mai habe ich zum letzten Mal Berufsschule. Danach möchte ich mich gerne zusätzlich zum Barkeeper und Weinsommelier ausbilden lassen. Jetzt, wo die Gastronomie Corona-bedingt geschlossen ist, nutze ich die Zeit und lerne ganz viel Englisch, denn das ist auch sehr wichtig für meinen Beruf.

Wie war Ihre Schulzeit in Hollabrunn?

Hosaini: Es war eine sehr, sehr schöne Zeit und hat richtig Spaß gemacht. Meine Mitschüler und unser Klassenvorstand, Martin Teier, haben mich sehr unterstützt, aber die Schule war auch sehr schwer für mich, weshalb ich sie 2018 leider abgebrochen habe. Nach einem AMS-Kurs sprach mich mein heutiger Chef an, da er mich gerne in seinem Hotel zum Kellner ausbilden lassen wollte. So bin ich Ende 2018 nach Mayrhofen gekommen.

Wie haben Ihre ehemaligen Klassenkollegen von Ihrer Situation mitbekommen?

Hosaini: Mit manchen bin ich noch über WhatsApp in Kontakt, ihnen hab‘ ich die schlechte Neuigkeit mitgeteilt und um Hilfe gebeten.

Wie haben Sie sich gefühlt, als sich die Jugendlichen so stark für Sie eingesetzt haben und die Unterschriften immer mehr wurden?

Hosaini: Ich kann es gar nicht beschreiben! Es ist ein sehr schönes Gefühl, so viele Leute hinter sich zu wissen.

Gibt es etwas, was Sie noch gerne sagen möchten?

Hosaini: Wenn eine Person gut integriert ist, in die Schule geht oder einen Job hat, sollte man sie nicht abschieben. Das ist anders, als wenn jemand faul ist.