Erstellt am 13. November 2014, 17:59

von Sandra Frank

Zug macht Schule. Kreativlehrer Werner Prokop rettete einen Triebwagen der Schafbergbahn vor der Verschrottung. Der Wagen steht nun am Schulgelände der HLW Hollabrunn und wird das Herz der Kreativwerkstatt.

 |  NOEN, Sandra Frank
„Der Zug ist doch voll geil“, strahlt HLW-Direktor Leopold Mayer, als zwei Feuerwehrkräne den weltweit ersten dieselhydraulischen Triebwagen einer Zahnradbahn auf das Gelände seiner Schule hoben. Der Direktor gestand sofort: „Ich habe damit nichts zu tun, ich hab‘ nur ja zu dem Projekt gesagt.“



Doch dass es der 50-jährige Triebwagen der Schafbergbahn tatsächlich nach Hollabrunn schaffen würde, glaubte er nicht, als ihn Werner Prokop, Zeichenlehrer an der HLW, das erste Mal von seiner Idee erzählte.  „Der Werner hat die meiste Arbeit gehabt mit dem Projekt, das war sensationell, was er geleistet hat“, ist Mayer von der Kreativität begeistert.

Kreativwerkstatt ist neuer Schwerpunkt

Der 15 Meter lange Triebwagen, der bis 2012 noch in Betrieb war, soll das „Herz der Kreativwerkstatt werden“, berichtet Mayer über die Zukunft des Wagens. Die Kreativwerkstatt ist ein neuer Schwerpunkt an der Schule, für den sich die Schüler der heurigen ersten Klassen, im nächsten Jahr entscheiden können.

Restauriert wird der Wagen von der Berufsschule in Eggenburg, auch das hat Prokop bereits eingefädelt. „Da ich neben meinem Hauptjob als Kreativlehrer in der HLW Hollabrunn in Grafenberg auch ein privates Eisenbahnmuseum betreibe, habe ich gute Kontakte in der Eisenbahnszene.

So konnte ich den alten Triebwagen vor der Verschrottung retten und als Technikdenkmal sichern“, erzählt der ambitionierte Pädagoge, wie er zu diesem Projekt gekommen ist. So weiß er über den Triebwagen bestens bescheid: „Er war 1965 schon einmal in Niederösterreich, aber er war zu dick“, erzählt er, dass der Wagen mit seinen drei Metern breite nicht durch den Schneebergtunnel passte.

„An unserer Schule ist viel Platz für schräge Ideen“, ist dem Direktor seine Begeisterung anzuhören. Der Triebwagen wurde auf einem Trieflader nach Hollabrunn transportiert. Die Straßen wurden gesperrt, damit die beiden Kräne der Feuerwehren Hollabrunn und Mistelbach den Waggon über den Zaun auf die vorbereiteten Schienen am Schulgelände heben konnten.

Auch Feuerwehr war voll im Einsatz

Das Interesse an diesem Schauspiel war enorm, nicht nur Schüler und Lehrer hingen buchstäblich am Fenster, auch Bürgermeister Erwin Bernreiter und Bezirkshauptmann Stefan Grusch ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen.

„Sicher bin ich zufrieden, der Zug steht“, schmunzelt Hollabrunns FF- Kommandant und Einsatzleiter Christian Holzer, als der Triebwagen wieder sicher auf den Schienen stand. „Das ist eine schöne Übung für den Umgang mit Kränen“, erzählt er, dass Bergungen viel schwierger seien, da man im Vorhinein nie wisse, was einen erwartet – ganz im Gegensatz zu diesem Projekt.

2a ist die Patenklasse des Zuges

Bis zum Schulschluss soll der Triebwagen außen und innen in neuem Glanz erstrahlen. „Die Architektur findet bei uns im Kreativunterricht statt“, sagt Prokop. Betreut wird das Projekt von der 2a der Fachschule, die als Patenklasse fungiert. Weinverkostungen, Lesungen, Musicals, Ausstellungen – Events dieser Art sollen in Zukunft im Triebwagen stattfinden.

„Wichtig ist, dass man als Direktor eine solche Kreativität zulässt“, hat die Kreativwerkstatt Mayers volle Unterstützung.