Circus Pikard: „Das Publikum fehlt uns“. Die Coronakrise ist mehr ein menschliches denn ökonomisches Problem.

Von Belinda Krottendorfer. Erstellt am 25. April 2020 (06:07)

Der Traditionszirkus Pikard mit seinen Wurzeln in Pulkau war der erste seiner Zunft, der bereits ab 9. März alle Aufführungen abgesagt hat. So konnte auch die Premiere des neuen Programms „Auf die Plätze, fertig, Spaß!“ am 13. März nicht mehr stattfinden. Doch wie geht es der Truppe rund um Direktor Alexander Schneller in dieser schwierigen Zeit?

„Es ist für uns kein finanzielles, sondern mehr ein menschliches Problem.“Direktor Alexander Schneller

Einige Artisten sind bereits im März nach Rumänien, Bulgarien und Belgien nach Hause gereist. Die übrigen zehn Akteure wohnen in einem Wohnwagendorf in Hof am Leithaberge. Dort befindet sich das Winterquartier des Circus Pikard. Die Artisten sind alle gesund, leben in einem gemeinsamen Haushalt.

Die Tiere des Zirkus – sechs Ponys, fünf Hunde, zwei Ziegen, eine Kuh und ein Esel – sind in der festen Stallung im Winterquartier untergebracht. Tagsüber werden sie auf die Wiese des Sportplatzes oder auf eine nahe Weide gebracht.

Auch der Zirkusdirektor wohnt derzeit im Wohnwagendorf. Tagsüber ist er mit den Tieren unterwegs und natürlich wird täglich trainiert. „Jetzt, wo die Baumärkte endlich wieder offen sind, haben wir Lacke gekauft und unseren Fuhrpark restauriert“, berichtet er von seiner freien Zeit.

Finanziell ist die Krise bislang zu bewältigen. „Die Tournee kostet viel: der Tourbus, die Werbung, die Gage der 16 Artisten. Diese Ausgaben fallen jetzt alle weg“, erklärt Schneller. Zirkusleute seien Ausfälle gewohnt, etwa wenn die Sommer besonders heiß sind und die Shows dadurch nur mäßig besucht werden. Der Circus Pikard wäre finanziell für einen Ausfall bis zu einem Jahr gerüstet. Das Winterquartier in Hof ist seit 2006 abbezahlt.

„Es ist für uns kein finanzielles, sondern mehr ein menschliches Problem. Uns fehlen die Auftritte und die Nähe zum Publikum“, bedauert Schneller, selbst ein begnadeter Artist, die Zwangspause.

Circus Pikard streamt alte Vorstellungen

Damit Kinder auch in Zeiten der sozialen Isolation nicht auf Zirkus-Genuss verzichten müssen, bietet der Circus Pikard jeden Sonntag um 16 Uhr ein kostenloses Live-Streaming an.

Über YouTube werden alte Auftritte der Jahre 2015 bis 2019 und Rückblicke in die 1990er-Jahre gestreamt. Die Videos bleiben ein paar Tage online, danach müssen sie wieder gelöscht werden. „Wir verwenden bei unseren Shows Musik, für die wir nicht die öffentlich-rechtliche Befugnis haben, diese online hochzuladen. Live dürfen wir es jedoch senden“, erklärt der Direktor.