Bauernkammer: Trend geht zu heimischen Lebensmitteln. Die Bauernkammer lädt Landwirte in kleinem Rahmen ein, um über aktuelle und bevorstehende Herausforderungen zu diskutieren. In Viendorf ging es um höhere Umweltauflagen und die Entwicklung von Gütesiegel.

Von Sandra Frank. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:40)
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Bei den Hofgesprächen in Viendorf waren alle Generationen der Landwirte vertreten, die sich Gedanken über die Zukunft machten (v.l.): Ernst Weilner, Thomas Rohringer, Anna Dommaier, Fritz Schechtner, Liane Bauer, Richard Hogl und Roland Weber.
Sandra Frank

Das sogenannte Hofgespräch ist ein Produkt der Coronakrise, weil keine großen Versammlungen der Landwirte erlaubt waren. Darum lädt die Bauernkammer in jedem Teilbezirk ein, um über die aktuellen Themen zu sprechen.

Landeskammerrätin Liane Bauer lud in ihren Heimatort Viendorf ein, um über die Themen der Vollversammlung der Kammer zu berichten. Sie freute sich besonders, ihre Berufskollegen endlich wieder live zu sehen: „Letztes Jahr haben wir die Hofgespräche online versucht. Aber es ist schon etwas anderes, wenn man einen Spritzer in der Hand hat.“

„Wir dürfen uns den Veränderungen nicht verschließen, wenn wir wollen, dass unser Produkt im Regal steht.“ Liane Bauer, Landeskammer-rätin aus Viendorf

Die Viendorferin sprach über eine gemeinsame Agrarpolitik und über höhere Umweltauflagen, die Herausforderungen für die Landwirte mit sich bringen werden. Hier müsse ein Strategiepapier für Österreich auf die Beine gestellt werden, um den Bauern Weitblick zu ermöglichen.

Ein großes Thema sei auch die Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels. Das betrifft vor allem die Kennzeichnung des Getreides. „Wir dürfen uns den Veränderungen nicht verschließen, wenn wir wollen, dass unser Produkt im Regal steht und für den Konsumenten erkennbar ist.“ Nachsatz: „Aber das Umfeld muss passen, damit wir davon leben können.“

Dem konnte Bauernkammerobmann Fritz Schechtner nur zustimmen. Regionalität und Saisonalität seien in aller Munde. „Wir müssen schauen, dass sich unsere Produkte unterscheiden.“ Die Pandemie, aber auch die verheerenden Unwetter in der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass eine eigenständige Versorgung mit Lebensmitteln besonders wichtig ist. Zum Vergleich spricht Schechtner über die Baumaterialien, die derzeit nicht verfügbar sind, um die Schäden, die der Hagelsturm verursacht hat, zu reparieren. „Jetzt ist der Rückenwind da“, weiß der Kammerobmann, dass die Konsumenten gerade besonders auf heimische Lebensmittel greifen.

Austausch und Beratung sind wichtig

Die Hollabrunner Bauernkammer sei während der Krise durchgehend für ihre Mitglieder geöffnet gewesen. Keine Selbstverständlichkeit, wie Schechtner weiß. Andere Institutionen und Ämter waren eine Zeit lang geschlossen. „Aber wir brauchen den Austausch und die Beratung“, denkt er an die Mehrfachanträge, die abgegeben werden mussten.

Landtagsabgeordneter Richard Hogl ist ebenfalls Gast der Hofgespräche. Ihn beeindruckt, dass man Liane Bauer anhört, dass sie „mit Leib und Seele“ dabei ist. Es sei wichtig für den Ackerbau, eine solche Vertreterin als Landeskammerrätin zu haben. Hogl stimmt ihr zu, dass die GAP-Reform noch nicht ausgegoren sei und die Landwirte vor Herausforderungen stellen werde.

Die GAP-Reform sind Gesetzgebungsvorschläge der EU für eine „Gemeinsame Agrarpolitik“ (GAP). Allerdings versicherte der Abgeordnete: „Wir können uns darauf verlassen, dass die Politiker für uns denken. Unsere Ministerin Elisabeth Köstinger setzt sich für uns ein.“

Wenn es dann Auflagen gebe, so müssen diese auch hingenommen und umgesetzt werden, nennt er die Blühstreifen als Beispiel. „Ich hab’ immer einen Streifen für die Biodiversität“, denkt Hogl an seinen eigenen Betrieb.

Die Kennzeichnung von Getreide sei schwierig, gibt er zu. Sie sei aber notwendig, um alle Richtlinien für einen Produktmehrwert zu erreichen.

Bei Aufstrichbroten, Kirschkuchen und Wein unterhielten sich die Landwirte im Ambiente des Viendorfer Heurigenlokals der Familie Neunteufl über bevorstehnde Herausforderungen der nächsten Zeit und gaben außerdem Wetterprognosen ab.

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