Der Corona-Spagat eines Bürgermeisters. Für den Landtagsabgeordneten Richard Hogl ist es eine große Umstellung, von zu Hause zu arbeiten und nicht mehr im Bezirk unterwegs zu sein. Der NÖN erzählte er, wozu er jetzt endlich Zeit habe und wo er große Herausforderungen sieht.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 31. März 2020 (11:51)
Landtagsabgeordneter erledigt nun viel Arbeit aus seinem Heimbüro.
privat

Richard Hogl ist als Landtagsabgeordneter nahezu bei jedem Event im Bezirk anzutreffen. Doch jetzt gibt es keine Veranstaltungen, die der Wullersdorfer Bürgermeister besuchen könnte. Und Händeschütteln ist in der Coronakrise untersagt. Eine große Umstellung für den Kommunalpolitiker.  

„Einerseits sollen wir Mandatare stets erreichbar sein und Aufgaben, die aus der Krise heraus entstehen, umgehend managen und koordinieren, andererseits müssen auch wir Abstand halten und viel zu Hause erledigen", sagt Hogl. Die Auftritte bei den vielen Veranstaltungen seien im "Normalleben" essenziell für die Bekanntheit eines Politiker und seien eine Garantie, das Ohr wirklich beim Volk zu haben.


Mehr Zeit für Schlaf und Privates

Seine persönliche Situation sieht der Bürgermeister gelassen. "Ja, auch mein Leben ist jetzt anders", sagt er. Die Zeiten, die vor Corona für Veranstaltungen und Sitzungen reserviert waren, nutze er jetzt für viel Privates. „So werden längst überfällige Hausarbeiten erledigt und es wird etwas mehr geschlafen", berichtet Hogl. 

Außerdem verbringe er jetzt viel Zeit mit seiner Lebenspartnerin Maria Kappe. Die Kleinweikersdorferin arbeitet ebenfalls im Homeoffice; als frischgebackene Vizebürgermeisterin von Nappersdorf-Kammersdorf sei sie telefonisch erreichbar.


Bürgermeister ist täglich im Gemeindeamt

 „Jeden Tag schaue ich einmal ins Gemeindeamt“, berichtet Hogl. Dann bespricht er mit den diensthabenden Mitarbeitern die aktuellen Themen. In der gebotenen Distanz, versteht sich. Da geht es etwa um eine Versorgungshotline für ältere Mitbürger, die nicht mehr so mobil sind. Diese Hotline wurde auf Initiative der „Gesunden Gemeinde“ (GG2041) und Vizebürgermeisterin Annemarie Maurer eingerichtet. Ebenso werden krisenbedingte Personalangelegenheiten, aktuelle Posteingänge und Projektplanungen besprochen.

Supermärkte verkaufen alles:
"Unerklärliche Schieflage" 

Sitzungen im NÖ Landtag in St. Pölten gibt es derzeit nicht, dennoch muss die Arbeit erledigt werden, jetzt eben am Computer oder am Mobiltelefon. Kleingewerbebetriebe haben es derzeit besonders schwer, weiß Hogl, denn sie müssen geschlossen haben. Dass in den Supermärkten nicht nur die vereinbarten Lebensmittel, sondern auch "alles andere" verkauft werde, hält der Abgeordnete für „eine unerklärliche Schieflage“. 

Er versucht, diesem Umstand entgegenzutreten. Die Online-Plattform von Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger und der NÖ-Wirtschaftsagentur ecoplus unter dem Motto „Niederösterreich wird nah versorgt“ (www.ecoplus.at/interessiert-an/online-services/) soll hier Abhilfe schaffen.

Vor speziellen Herausforderungen steht außerdem das Hilfspersonal in der Pflege und bei Kultur- und Erntearbeiten in der Landwirtschaft und Weinwirtschaft. Das sind die Folgen der geschlossenen Staatsgrenzen.


Große Vorfreude auf ein normales Leben

„So vergeht viel Zeit im Heimbüro, aber wir machen es alle gerne, um bestmöglich durch die Krise zu kommen", knüpft Hogl an seine Kollegen im Landtag sowie im National- und Bundesrat an. Ärgerlich ist für den 52-jährigen Immendorfer, „wenn gewisse Parteigänger ohne Mandat und Auftrag das derzeitige Schicksal der Menschen dazu nützen, um mit nicht zu Ende gedachten Forderungen politisches Kleingeld zu machen".

Bei Richard Hogl ist die Vorfreude auf ein "normal laufendes" Leben jedenfalls groß. Er wünscht den Bürgern des Bezirks: "Alles Gute und bleibt's g'sund!"