Wein ohne Gala: „Absagen tun weh“. Trotz Steigerung im Online-Handel haben es auch die Winzer schwer. Wir sahen uns im Weinviertel um.

Von Sandra Frank. Erstellt am 25. März 2020 (05:55)
Jungwinzerin Marie-Theres Setzer ist für das HohenwartherFamilienweingut im Einsatz, hier beim Binden im Weingarten.
privat

Der März ist bekanntlich jener Monat, in dem der neue Jahrgang, speziell der DAC, vorgestellt wird. Große und wichtige Präsentationen fielen nun jedoch dem Coronavirus zum Opfer.

„Diese Absagen tun weh“, sagt Hans Setzer, Obmann des Regionalen Weinkomitees Weinviertel, das die jährliche DAC-Präsentation in der Wiener Hofburg veranstaltet. „Im Sinne der Gesundheit muss diese Absage aber absolut verschmerzt werden“, ergänzt der Hohenwarther Winzer im NÖN-Gespräch. Viele Veranstaltungen sollen nachgeholt werden, das sei zumindest geplant. „Fraglich ist nur, ab wann uns das Virus lässt.“ Und ob die Veranstaltungsorte dann frei sind.

Im Weingut Setzer ist indes seit Beginn der Krise „eine sehr deutliche Steigerung im Onlineverkauf“ zu verzeichnen. So ergehe es auch anderen Winzern, während der Gastro-Erlös wegbricht. „Hier werden wir ein spürbares Minus verzeichnen, wie auch schon beim Inkrafttreten des Rauchverbots“, sagt die Kleinweikersdorfer Winzerin Anita Thürmer.

Apropos: Beim traditionellen „Weinstart“ im Dorfzentrum von Kleinweikersdorf wollten zwölf Winzer den neuen Jahrgang präsentieren. Das Coronavirus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung, doch die Weinbauern sind kreativ und haben ein Starterpaket kreiert, das zwölf Weine beinhaltet und nach Hause geliefert wird. „Um den Weinstart in den eigenen vier Wänden zu erleben“, erklärt Thürmer. Zur Freude der Winzer-Gruppe wird dieses Angebot – es kann unter 0664/276 83 71 bestellt werden – sehr gut angenommen.

Ein positiver Effekt des Coronavirus ist für Hans Setzer indes die Arbeit im Weingarten, für die er sonst in der Zeit der Präsentationen kaum Zeit findet: Gemeinsam mit Tochter Marie-Theres ist er draußen in der Natur, um Unterstützungsgerüste auszubessern und letzte Bindearbeiten bei einer Junganlage zu erledigen.

Die Nappersdorfer Winzerin Doris Raith hofft, dass die Krisensituation dazu beiträgt, dass Konsumenten heimische Produkte und Landwirtschaft künftig wieder mehr zu schätzen wissen. Die Mehrarbeit sei aktuell nicht ohne: „Die Fremdarbeitskräfte und auch Pensionisten, die aushelfen, fehlen derzeit. Zusätzlich müssen wir unsere Kinder schulisch betreuen.“