AK-Rückblick auf das Jahr 2020: „Hing nur am Telefon“. Die Telefone liefen bei der Arbeiterkammer heiß: Martin Feigl und Christian Kauer blickten auf das Jahr 2020 zurück, in dem die AK 1,4 Millionen Euro im Bezirk erkämpfte.

Von Sandra Frank. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:25)
Kurzarbeit, Freistellung bei Kinderbetreuung oder Maskenpflicht: Landeskammerrat Christian Kauer (l.) und der Leiter der AK-Bezirksstelle, Martin Feigl, setzen sich für die Dienstnehmer ein und erkämpften für sie 1,4 Millionen Euro.
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„Ich hab’ mich gefühlt wie ein angeschlagener Boxer, der in den Seilen hängt und von links und rechts noch eine draufbekommt.“ Mit diesem Gefühl blickt Martin Feigl, Leiter der Hollabrunner Bezirksstelle der Arbeiterkammer (AK), auf das Jahr 2020 zurück. Mit der Verkündung des ersten Lockdowns im März des Vorjahres liefen die Telefone bei der Arbeiterkammer heiß; ab diesem Zeitpunkt dominierte Corona den Beratungsalltag der Arbeiterkammer.

„Mehr als 9.000 Menschen haben vergangenes Jahr mit uns Kontakt aufgenommen“, erzählt Feigl. Dazu kommen noch um die 3.000 Telefonate, die die Hollabrunner von der niederösterreichweiten Hotline der AK entgegengenommen haben. Die große Schwierigkeit war, den Menschen in dieser Zeit zu helfen, denn: „Es hat keine Vorgaben gegeben. Die Politik hat angekündigt, aber nicht präzisiert“, erinnert sich Feigl. Es habe viele Wochen gedauert, bis der Ankündigung die Richtlinien folgten. Ein Beispiel: Die Risikogruppe soll zu Hause bleiben. Das war die Information. Wer konkret in diese Gruppe fällt, wurde erst Wochen später bekannt gegeben, sagt Feigl. „Ich hing nur am Telefon. Es war anstrengend. Oft waren wir mehr Psychologe als Berater.“

„Es hat keine Vorgaben gegeben. Die Politik hat angekündigt, aber nicht präzisiert.“ Martin Feigl, Leiter der AK-Bezirksstelle

Manchmal konnte die AK rasch Auskunft geben, etwa zu den Themen Kurzarbeit, Freistellung wegen Kinderbetreuung oder Homeoffice. In mehr als 4.300 Fällen ging es um Probleme, die eine weiterführende Beratung und Unterstützung der AK-Experten nötig machten. Etwa bei einer jungen Kellnerin aus dem Bezirk. Sie wandte sich im November 2020 an die Arbeiterkammer, nachdem sie erfahren hatte, dass sie rückwirkend abgemeldet worden ist. Ihr Lohn wurde ihr damals bar auf die Hand gezahlt, allerdings nur bis August. Der ehemalige Dienstgeber schuldete der Frau mehr als 10.000 Euro. Dieser Betrag wird nun eingefordert, das Verfahren ist allerdings noch im Laufen. Die Kellnerin ist kein Einzelfall; weitere fünf ehemalige Dienstnehmer des Gastronomiebetriebs seien betroffen. „Da geht es um ähnliche Summen“, informiert Feigl.

Christian Kauer ist Kammerrat und Vorstandsmitglied der AK Niederösterreich. Auch für ihn war das vergangene Jahr anstrengend. „Die Krise hat gezeigt: Die wahren Leistungsträger sind die Arbeitnehmer.“ Besonderen Respekt zollt er den Mitarbeitern im Handel. „Da ist Klatschen zu wenig“, denkt er an alle, die während der Lockdowns arbeiten mussten.