Grüne fordern Eiltempo beim Thema Nordwestbahn. Georg Ecker beklagt Cityjet-Abzug aus der Region und mangelnden politischen Nachdruck.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 27. November 2019 (05:03)
Vermisst modernes Wagenmaterial und Nachdruck bezüglich des zwei-gleisigen Ausbaus der Nordwestbahnstrecke nördlich von Stockerau: Georg Ecker.
Die Grünen

Mit dem neuen ÖBB-Fahrplan erhalten Kunden auf der Nordwestbahn einen zusätzlichen Zug am Freitagnachmittag (14:27 Uhr ab Wien-Mitte). Schön, aber bloß ein Tropfen auf den heißen Stein, meinen viele. Außerdem weist Landtagsabgeordneter Georg Ecker (Die Grünen) auf Verschlechterungen hin, die das Öffi-Bild trüben.

Denn ab 15. Dezember sollen einzelne Züge, die derzeit mit den neuen Cityjet-Garnituren geführt werden, wieder mit den alten, blau-weißen S-Bahn-Garnituren befahren werden. „Gerade auf der Nordwestbahn-Strecke, die ohnehin immer Stiefkind der Landespolitik war, führt diese Maßnahme zu verständlicher Verärgerung bei den Pendlern. Solche Verschlechterungen sind inakzeptabel“, sagt Ecker. Befürchtet wird, dass damit die Zahl der technisch bedingten Verspätungen weiter steigen werde.

„In so einer Situation Cityjets ins Ausland zu verleihen, verstehe, wer will.“Georg Ecker würde das moderne Material lieber auf der Nordwestbahn sehen.

Hintergrund ist, dass die Cityjets auf anderen Strecken, teils aber auch in anderen Bundesländern und sogar in Deutschland eingesetzt werden. „Wir haben ohnehin zu wenig modernes Wagenmaterial in der Ostregion. In so einer Situation Cityjets ins Ausland zu verleihen, verstehe, wer will“, ärgert sich der Abgeordnete.

Der zusätzliche Pendlerzug am Freitagnachmittag sowie bessere Verbindungen am Wochenende, die mit 15.12. ebenfalls Realität werden, seien langjährige Forderungen der Grünen. „Das ist positiv für den Tagestourismus in unserer Region. Was noch dringender nötig wäre, ist aber, die Verbindungen zu den Stoßzeiten auszubauen“, fordert Ecker.

Das sei aber nur mit einem zweispurigen Ausbau der Nordwestbahnstrecke zwischen Stockerau und Hollabrunn möglich. Erneut fordert der Hollabrunner hier mehr Tempo seitens des Landes Niederösterreich. „Angesichts hunderter neuer Wohnungen in Hollabrunn ist es dringend nötig, den Infrastrukturausbau voranzutreiben. Ich vermisse dabei auch die Unterstützung der Gemeinden, insbesondere der Stadt Hollabrunn, wo sich die Mehrheitspartei bisher immer gegen einen zweispurigen Ausbau der Strecke stellte.“

ÖVP-Bürgermeister Alfred Babinsky wollte diesen Vorwurf nicht kommentieren. Er sei in der Sache auf Linie von ÖVP-Bezirkschef Richard Hogl, der sich zuletzt zu einem selektiven zweigleisigen Ausbau der Strecke bekannte.

Bezüglich des Cityjet-Einsatzes verweist ÖBB-Sprecher Christopher Seif auf NÖN-Nachfrage auf Statements seines Kollegen Bernhard Rieder. Dieser bestätigte einen äußerst lukrativen Deal mit der deutschen Betreibergesellschaft ODEG, die sechs Cityjet-Garnituren benötigt. Wir bekommen die Züge billiger und lukrieren auch noch Miete dafür.“ Die modernen Niederflurzüge würden allerdings nur vier Monate vermietet und im März wieder zum planmäßigen Einsatz nach Österreich überstellt. Das alte Wagenmaterial werde indes im gesamten Schnellbahnnetz verwendet.