Bürgerliste: Scharinger, ein Stadtrat in Rage. Die Bürgerliste legt ihren Fokus auf die Bezirkshauptstadt und würde gern den Zuzug regulieren und den Regionenshop schließen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 14. August 2019 (12:55)
Sandra Frank
Namensgeber Wolfgang Scharinger und seine Klubobfrau Daniela Lichtenecker unterhielten sich mit der NÖN darüber, was die Bezirkshauptstadt attraktiver machen würde.

Wasser und Grünflächen sind vor allem in den Sommermonaten heiße Gesprächsthemen. Die Bürgerliste Scharinger, die mit vier Mandaten im Hollabrunner Gemeinderat vertreten ist, beschäftigt sich ebenfalls damit: „Die Grünanlagen haben s' nicht in Griff“, ortet Daniela Lichtenecker, Klubobfrau der Liste, dass Bäume in der Stadt verdursten. 

Warum das so ist? Die Damen, die für die Grünflächen zuständig sind, kommen mit der Arbeit nicht nach. Weil auf Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, sei Handarbeit gefragt. „Da muss man halt das Personal aufstocken für ein schönes Hollabrunn!“, meint Stadtrat Wolfgang Scharinger, der großen Respekt vor den Damen hat, die den ganzen Tag gebückt ihre Arbeit verrichten. 

Scharingers Wunsch: Leitungswasser ohne Kalk

Und beim Wasser? Besonders der hohe Kalkgehalt ist ein Problem. Scharinger betont, dass er nicht für den Verkauf des Wassers sei. Er ist aber überzeugt: „Wenn die EVN das Wasser übernimmt, dann wäre es nicht mehr so kalkhaltig. Das müssen wir doch auch zusammenbringen.“ Die Alternative: Die Stadtgemeinde fördert Entkalkungsanlagen.  

"Wir sind die Einzigen mit einer Klubobfrau"

Blickt man auf die anderen Fraktionen im Gemeinderat, so stellt man fest: „Wir sind die Einzigen mit einer Klubobfrau“, sagt der Bürgerliste-Stadtrat stolz. Die Suche nach Gleichgesinnten, die in der Kommunalpolitik aktiv sein wollen, sei dennoch schwierig. „Wir wären gerne mehr. Aber keiner hat mehr Zeit, um etwas zu machen“, ergänzt Klubobfrau Lichtenecker wenige Monate vor der nächsten Gemeinderatswahl. 

Der Fokus auf die Bezirkshauptstadt ist Polit-Urgestein Scharinger wichtig; auch, was öffentliche Aufträge betrifft: „Wenn der Angebotspreis nicht weiß Gott wie auseinandergeht, dann sollten Hollabrunner Firmen bevorzugt werden.“ Wenn zwei Angebote aus der Region gleichauf sind, solle jener Betrieb den Zuschlag erhalten, der mehr österreichische Arbeitnehmer beschäftigt.

Als Beispiel nennt Scharinger die Baustelle der „Winterschule“, wie er die Landwirtschaftliche Fachschule noch immer nennt. „Da hängt ein Schild vom Land NÖ. Die Baufirma kommt aber aus Wien.“ Die mache sicher keine schlechte Arbeit, dennoch hätte er Betriebe aus der Umgebung gern bevorzugt gesehen.

Lichtenecker: "Ein Indoorspielplatz wäre ein Traum"

Das Baustellenthema lässt Lichtenecker an den enormen Wohnbau in Hollabrunn und an die Familien denken, die hier heimisch werden. „Ein Indoorspielplatz wäre ein Traum. Der ist schwer zu finanzieren, das ist klar.“ Die dreifache Mutter ist überzeugt, dass dieser gut auf den künftigen Schulcampus passen würde, denn dort sind auch ausreichend Parkplätze vorhanden.

Als „super Sache, die gut angenommen wird“, auch von ihr selbst, beschreibt Lichtenecker den neuen Motorikpark. Allerdings gebe es einen Wermutstropfen: Die Spielplätze leiden darunter. „Der Magersdorfer ist schon geteilt worden. Der bei der Hundezone in Hollabrunn ist ein kompletter Irrsinn und wird überhaupt nicht angenommen“, weiß die Klubobfrau. 

Was Hollabrunn fehlt: Ein Hallenbad

Was in Hollabrunn allerdings gut angenommen werden würde, ist ein Hallenbad. Davon ist Scharinger überzeugt und blickt neidvoll nach Gänserndorf. „Die haben’s zusammengebracht, dass das alte Bad abgerissen wird und alle beim neuen mitzahlen.“ Ein Modell, das der Stadtrat gern in Hollabrunn umgesetzt hätte. 

Woran es bisher gescheitert ist? „Am zuständigen Bürgermeister!“ Dieser müsste beispielsweise die Bürgermeisterkonferenzen nutzen, um seine Amtskollegen ins Boot zu holen. „Die ÖVP hat das schon vor 30 Jahren versprochen …“ 

"Mit den Seifrieds hat es die ÖVP verbockt"

Bei gebrochenen Versprechen denkt Lichtenecker sofort ans „Hütterl am Teich“. „Mit den Seifreids hat es die ÖVP verbockt und jetzt wollen sie Lorbeeren ernten, wo es gar keine zu ernten gibt“, ärgert sie sich über die verlorene Location am Strudelteich. Seine Mandatare waren die einzigen, die nicht für die Kündigung des Pachtvertrags gestimmt hatten, erinnert Scharinger.

Der Kindergartenneubau in der Aumühlgasse, Ecke Weisleinstraße, der ursprünglich am Messegelände geplant war, lässt bei der Bürgerliste ebenso Erinnerungen wach werden. „Wir haben von Haus aus gesagt, dass der nicht aufs Messegelände passt“, war es Lichtenecker, die auf das EVN-Umspannwerk und die Bahnnähe hingewiesen hatte. 

Der Vorschlag der Bürgerliste, den Kindergarten im ehemaligen enjoy-Gebäude unterzubringen, sei belächelt worden. „Und jetzt kommt er vis-á-vis hin“, rollt Scharinger mit den Augen.

Regionenshop? "Der gehört zugesperrt!"

„Ich bin froh, dass es mir gelungen ist, den Regionenshop von dem noch tristeren Standort in die Innenstadt zu verlegen“, schneidet der Stadtrat ein weiteres Thema an. 

Die Meinung von Grünen-Mandatar Peter Loy, der Shop könne bald für sich selbst stehen, teilt er ganz und gar nicht. „Der gehört zugesperrt!“ Privat wäre das Geschäft längst in Konkurs. „Ich weiß schon, dass der Regionenshop nicht in Konkurs gehen wird. Das wäre ja eine Blamage für die Politiker, darum wird er künstlich am Leben gehalten.“

Parkplätze gehören nach "oben oder unten"

Abseits davon sei die gesamte Fußgängerzone problematisch. „Man müsste die Geschäftsleute dort befragen, was sie wollen“, sagt Scharinger. Für das Parkplatzproblem hat er sich eine Lösung aus Tirol abgeschaut: Jedes Geschäft, das neu aufsperrt, muss Parkplätze schaffen. „Aber nicht daneben, sondern oben oder unten“, spricht er von Tiefgaragen oder Parkplätzen auf dem Dach.

Um die Situation rund um den Hauptplatz zu entspannen, schlägt Scharinger vor, dass die Angestellten den Parkplatz neben dem Freibad nutzen, der sei neun Monate im Jahr leer. „Die Pendler in Wien steigen ja auch nicht aus der U-Bahn aus und stehen vor der Tür“, meint der Stadtrat. 

Kurzparkzone  bei Wasserpark ist keine Entlastung

In Hollabrunn gibt’s Parkplätze, die den Blutdruck des Stadtrats in die Höhe schnellen lassen: jene vorm Wasserpark. Es sei nämlich versprochen worden, dass die Anrainer entlastet werden und Schüler der HLW dort ihre Fahrzeuge abstellen können, aber: „Das ist jetzt eine Kurzparkzone, da wird niemand entlastet!“, ärgert sich Scharinger, der sich unschöne Worte mancher Anrainer gefallen lassen musste, weil er sich gegen die Parkplätze aussprach.

Was ihn aber wirklich in Rage bringt, ist die Tatsache, dass die Parkplätze der Bezirkshauptmannschaft weder nach BH-Schluss noch am Wochenende der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. „Weil es Landesparkplätze sind! Na sind wir nicht vom Land? Wir haben genauso mitgezahlt!“

Scharinger will Konzept für Zuzug

Was sagt Wolfgang Scharinger zum Thema Zuzug? „Es braucht eine Richtlinie. Wo sag‘ ich stopp? Wir halten das Tempo ja nicht.“ Der neue Kindergarten sei noch nicht einmal fertig und schon zu klein; Kanal und Kläranlage müssten vergrößert werden. 

Der Zuzug in Hollabrunn gehöre geregelt, wie etwa in Wolfsthal, einer Gemeinde im Bezirk Bruck an der Leitha. „Da hat der Bürgermeister gesagt: So viele Einwohner will ich noch und dann nix mehr.“ Genauso müsse es in Hollabrunn auch sein. Der Stadtrat meint außerdem, dass die Gemeinde Bauplätze „für unsere Leut‘“ zurückhalten sollte. „Wenn zehn Grundstücke verkauft werden, sind acht nicht Hollabrunner.“  

Ein Defi soll rund um die Uhr verfügbar sein


Ein Anliegen, das bereits aus der Bevölkerung an die Liste Scharinger herangetragen wurde, ist ein öffentlich zugänglicher Defibrillator. „Die, die’s gibt, sind im Rathaus oder im Bad“, weiß Lichtenecker. Ist dort zu, ist auch der lebensrettende Defi versperrt. „Ich habe das schon im Sozialausschuss angesprochen, dort wurde es positiv aufgenommen.“