Abstand als bester Schutz: Mediziner im Gespräch. Mediziner Hundegger spricht über Verhalten während der Coronakrise.

Von Sandra Frank. Erstellt am 01. April 2020 (04:45)
Abstand halten ist dieser Tage enorm wichtig. Das will Frauenarzt Robert Hundegger seinen Mitmenschen vermitteln. In seiner Hollabrunner Praxis achtet der Mediziner penibel genau darauf, den verordneten Sicherheitsabstand einzuhalten, wie das Bild mit Sabine Mayer, die ihr zweites Kind erwartet, zeigt.Hundegger
Praxis Hundegger

Robert Hundegger ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Die NÖN sprach mit dem Mediziner, der auch Oberarzt im Klinikum Mistelbach ist, wie sich der Betrieb in seiner Praxis in Hollabrunn verändert hat und worauf Schwangere in der Krisenzeit achten müssen.

NÖN: Wie sieht der derzeitige Alltag in Ihrer Hollabrunner Praxis aus?

Robert Hundegger: Wir haben unseren Betrieb völlig umgestellt und passen unser Verhalten mindestens einmal wöchentlich der aktuellen Situa tion an. Ich bespreche mit allen Patienten die Untersuchungstermine vorab telefonisch. Im Wartebereich haben wir die Anzahl der Stühle halbiert. Wir achten auf den Minimalabstand von einem Meter, haben aber meistens zwei bis sieben Meter Abstand von Person zu Person. Für jeden Gegenstand wird eine Zwischenablage verwendet. So gibt es keinen direkt Hautkontakt mit den Händen einer Pa tientin. Alle Tätigkeiten, die mit der Gefahr einer Infektion verbunden sein können, führe ich ausnahmslos selbst durch.

"Wir führen alle Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen und alle medizinisch indizierten gynäkologischen Untersuchungen durch"

Sind Ihre Mitarbeiter nach wie vor im Einsatz?

An der Anstellung meiner Assistentinnen hat sich nichts geändert. Ich bin sehr stolz auf Corina Schuh und Julia Landrichter. Ich kann mir in der derzeitigen Situation keine bessere Unterstützung wünschen.

Welche Untersuchungen führen Sie noch durch?

Wir führen alle Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen und alle medizinisch indizierten gynäkologischen Untersuchungen durch, um Gefahren rechtzeitig zu erkennen oder abwenden zu können. In meiner Ordination ist der orale Glukosetoleranztest (OGTT) nach telefonischer Voranmeldung möglich. Reine Vorsorgeuntersuchungen finden derzeit kaum statt, weil beschwerdefreie Menschen lieber zu Hause bleiben, als sich dem Risiko einer Ansteckung auszusetzen.

Worauf sollten Schwangere jetzt besonders achten?

Das Wichtigste ist, die eigenen vier Wände nur für Arztbesuche oder für dringend notwendige Erledigungen zu verlassen. Im eigenen Zuhause ist man sicher vor der Seuche Covid-19. Ich rate allen Schwangeren, zum Schutz des ungeborenen Lebens auf jeden direkten Kontakt zu Menschen zu verzichten, die nicht im selben Haushalt leben. Mit der besten Freundin wird getwittert, mit Verwandten telefoniert.

Wie geht es den Mitarbeitern im Mistelbacher Landesklinikum?

Im Krankenhaus achten alle sehr auf die Einhaltung des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstands von einem Meter. Wir sind uns unserer Vorbildwirkung bewusst und gehen mit gutem Beispiel voran.

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Den sehe ich beim Abstand zwischen Menschen beim Einkaufen und beim Zahlvorgang an der Tankstelle. Wer einkaufen geht, möge ein Maßband mitnehmen und den selbst gewählten Abstand zu allen anderen Menschen kontrollieren: Der ausgestreckte Arm eines großen Erwachsenen hat eine Länge von rund 70 Zentimetern. Und das ist viel zu wenig! Ich selbst habe es erlebt: Ich halte Abstand an der Kassa und werde von einer Seniorin überholt, während ein Kind an mir vorbeiläuft und nach der Mutter ruft. Alle Hygienemaßnahmen in der Ordination sind dadurch mit einem Schlag zunichtegemacht.

Sind die Maßnahmen der Regierung aus Ihrer Sicht ausreichend, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen?

Würden die aktuellen Maßnahmen der Regierung von allen Teilen der Bevölkerung eingehalten werden – vor allem der Sicherheitsabstand –, wäre es ein guter Anfang. Ich fürchte, es werden noch drastische Nachschärfungen notwendig sein. Darum noch einmal: Meine Lieben, seid bitte sehr vorsichtig! Der Abstand, den ihr auf der Straße üblicherweise zum Fahrzeug vor euch wählt, ist derzeit ein guter Abstand von Mensch zu Mensch, um der Seuche auszuweichen. Der Sicherheitsabstand ist meines Erachtens der wichtigste Schutz vor einer Infektion.