Drei Jahre Stille bis zum „Aufhorchen“

Das 2020 erstmals abgesagte Festival „Aufhorchen“ wird nun für 2023 in Hollabrunn ins Visier genommen.

Erstellt am 08. Januar 2022 | 05:03
Lesezeit: 3 Min
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Dorli Draxler vor dem „aufhOHRchen“-Roll-up mit Tom Schwarzmann vom ORF NÖ. Ein Radio-NÖ-Frühschoppen ist traditionellerweise ein Teil des Festival-Vorprogramms.
Foto: Volkskultur Niederösterreich

Auf das Jubiläumsjahr 2020 freute sich die Stadt Hollabrunn besonders und als einer der Höhepunkte war das Festival „aufhOHRchen“ der Volkskultur Niederösterreich fix eingeplant. Bereits verblasst waren die Erinnerungen an 1994, als Hollabrunn – gemeinsam mit St. Pölten – schon einmal Gastgeber des Volksmusikspektakels war. Doch die Corona-Pandemie machte alle Planungen zur Makulatur und 2021 wurde ins Visier genommen.

Doch auch da war es nicht möglich, Schulprojekte, Musikschulkonzerte, Blasmusiktreffen, Gottesdienstgestaltungen, ein Abendkonzert, Wirtshausmusik, Chöre- und Volkstanztreffen sowie das beliebte „Miteinander aufhOHRchen“ als krönenden Abschluss durchzuführen. Für 2022 haben die Festivalverantwortlichen frühzeitig die Notbremse gezogen und freuen sich „auf die Monate der Planung, Vorbereitung, die Proben und Workshops und auf fruchtbare Zusammenarbeit in der Konzeptionsphase in Hollabrunn ab der Mitte des Jahres 2022“.

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Interessant sind die lokalen Unterschiede, daher gleicht kein Festival dem anderen, der Spirit zieht sich aber durch.“
Dorli Draxler Festival-Leiterin

Ein Jubiläum, so denn „aufhOHRchen“ tatsächlich endlich 2023 in Hollabrunn ankommt, hat man dann immerhin doch noch zu feiern – den 30er des Festivals, 1993 in Tulln und der Landeshauptstadt aus der Taufe gehoben. Über Festival-Planung in Zeiten von Corona für 1.000 bis 1.800 Mitwirkende, rund 7.000 Besucher und 20 Veranstaltungen in vier Tagen sprach die NÖN mit der Leiterin und Miterfinderin Dorli Draxler, die sich „ein verbindendes Kulturerlebnis für alle“ wünscht.

NÖN: Haben Sie die Arbeitsstunden gezählt, die bisher schon in die Vorbereitung dieses besonderen „Aufhorchens“ geflossen sind?

Dorli Draxler: Wir haben schon sehr viel Zeit in dieses Festival investiert, gewiss mehrere hundert Stunden. Denn „aufhOHRchen“ ist weit mehr als ein Festival. Es handelt sich um Gemeinwesenarbeit im besten Sinn mit Alt und Jung, Tradition und Moderne, Theorie und Praxis – interaktiv und den Dialog suchend. Ein ganzes Jahr lang wird vorbereitet – mit zahlreichen Programmbesprechungen, mit den Schulen, Vereinen, Kulturschaffenden, der Wirtschaft und der Gemeinde. Der Weg ist das Ziel.

Doch das Ziel wurde für Hollabrunn noch nicht erreicht …

Draxler: Wir waren im Frühjahr 2020 im Großen und Ganzen mit der Planung fertig: Schulprojekte, Musikschulprojekte, Bezirksjugendsingen, Wirtshausmusik, Straßenmusik, Gottesdienstgestaltungen, Hauptbühne, Chöretreffen, Großkonzert der Blasmusik, Laientheater etc. Die Weinviertler Kirtagsmusik und Gäste hätten das Festkonzert ausgerichtet.

Gibt es positive Aspekte, die Sie der erneuten Verschiebung abgewinnen können?

Draxler: Naja – aller guten Dinge sind drei. Die dritte Verschiebung beim vierten Anlauf – das kann 2023 nur gelingen! Aber Spaß beiseite, speziell für die Vereinskultur ist diese Pandemie eine besondere Herausforderung. Wir müssen uns anstrengen, dass wir das Ehrenamt stärken, für die Ehrenamtlichen da sind und ihnen Mut und Zuversicht zusprechen. Wir haben in den letzten beiden Jahren Corona-Handbücher verfasst und zig Telefonate mit besorgten Sängern, Musikanten, Tänzern und Handwerkern dokumentiert.

Werden sich die speziellen Umstände dieses Festivals im künftigen Programm widerspiegeln?

Draxler: Schon für die erste Verschiebung hätten wir uns sogenannte neue Formate überlegt: viele kleinere Teilveranstaltungen – so viel wie möglich unter freiem Himmel, ganz nach dem Motto „Das Outdoor ist das neue Indoor“ –, kürzere Einheiten und Präsentationen ohne Pausen.

Können Sie sich jetzt schon vorstellen, was es für ein Gefühl sein wird, wenn das Festival 2023 endlich in Hollabrunn angekommen ist?

Draxler: Ich werde mich sehr, sehr freuen, denn das Festival ist für die Volkskultur Niederösterreich einer der wichtigsten Höhepunkte im Jahr. Wie gesagt, wir bereiten „aufhOHRchen“ beinahe ein Jahr lang mit den Playern vor Ort gemeinsam vor. Während des Festivals bin ich mit einem Großteil der hauptamtlich tätigen Kolleginnen und Kollegen rund um die Uhr im Einsatz – bei 30 Teilveranstaltungen und mit mehr als 1.000 Mitwirkenden. Und: 2023 feiern wir 30 Jahre „aufhOHRchen“ in Niederösterreich. 1993 haben wir in Tulln begonnen und seither in allen Landesteilen Station gemacht. Besonders interessant sind die lokalen Unterschiede, daher gleicht kein Festival dem anderen, der Spirit zieht sich aber durch.