Fahrlehrermangel: Land als Konkurrent für Private. Fahrschulen kämpfen um den Nachwuchs an Lehrpersonal in einem harten Job.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 29. September 2017 (05:09)
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Axel Werzinger, der die Fahrschule Easy Drivers betreibt, hat aktuell keinen Fahrlehrermangel, weiß aber aus früheren Zeiten sehr wohl um die Schwierigkeit, Personal zu finden.

Lehrermangel ist ein Begriff, den man eher aus etlichen Bildungsdiskussionen hierzulande kennt. Aber Lehrermangel gibt es auch in der Branche der Fahrschulen. So berichtete nun der NÖ Wirtschaftspressedienst: „Der unverändert anhaltende akute Mangel an Fahrlehrern macht den Fahrschulen in Niederösterreich das Leben schwer.“

Zimmerer: Problem ist hausgemacht

Bestätigen kann diese Aussage Thomas Zimmerer, der Fahrschulen in Korneuburg und Stockerau sowie die Fahrschule Gross in Hollabrunn betreibt: „Der Fahrlehrermangel ist ein bundesweites Thema, also auch in Niederösterreich.“

Zimmerer sieht das Problem im Bundesland vorwiegend hausgemacht: „Speziell in Niederösterreich wird seitens der Landesregierung bei der Fahrlehrerprüfung ein besonders hohes Anforderungsprofil vorgegeben und als Draufgabe werden Fahrschullehrer, die alle Führerscheinklassen unterrichten, von der Landesregierung als private Fahrprüfer angestellt.“

Das habe zur Folge, dass diese wegen ihrer Prüfertätigkeit keinen Fahrlehrerdienst mehr ausüben dürfen. Zimmerers Fazit fällt somit auch eindeutig aus: „Dieses Prozedere ist ein in Österreich einzigartiges Absaugen der Landesverwaltung am Fahrlehrermarkt der Fahrschulen.“

Für Axel Werzinger, Betreiber der Fahrschule Easy Drivers in Hollabrunn, stellt sich das Problem aktuell weniger gravierend dar. Obwohl auch er Zeiten hatte, da er händeringend Fahrlehrer gesucht hat. „Aber es ist nach wie vor schwierig, Leute zu bekommen. Wir bekommen vielleicht eine Bewerbung im Jahr.“ Wobei im Übrigen fast ausschließlich über männliche Fahrlehrer gesprochen wird. Obwohl etwa die Hälfte der Fahrschüler Mädchen sind, ist der Frauenanteil unter den Fahrlehrern verschwindend gering.

Arbeiten, wenn andere Urlaub machen

Das hat möglicherweise auch mit der mangelnden „Familienfreundlichkeit“ des Jobs zu tun. „Unser Geschäft, zumindest im ländlichen Raum, ist ein saisonales“, so Werzinger und meint, dass die Stoßzeiten für Fahrlehrer immer in die Ferienzeiten fallen. „Natürlich gibt es da keine Möglichkeit, auf Urlaub zu gehen.“

Aber das scheint nicht der einzige Grund für die schwierige Nachwuchslage in der Fahrschulbranche zu sein. Im Lauf der Recherchen hat die NÖN das Schreiben eines Mannes erreicht, der seit 25 Jahren als Fahrlehrer arbeitet, heute diesen Beruf aber keinesfalls mehr ergreifen würde.

Als Gründe nennt der Mann, der aus Angst vor beruflichen Konsequenzen anonym bleiben will, unter anderem die schlechtere Entlohnung: „Früher wurden alle Überstunden mit Zuschlag bezahlt. Heute bekommen wir Zeitausgleich 1:1, den wir konsumieren dürfen, wenn es der Fahrschule recht ist.“

Aber auch die fehlende Zeit, sich auf die Schüler einzustellen, kritisiert der Mann massiv: „Früher hatten wir zwischen den praktischen Fahrstunden jeweils 25 Minuten unterrichtsfreie bezahlte Zeit, um uns kurz zu erholen und auf den nächsten Fahrschüler vorzubereiten. Heutzutage haben wir bis zu vier Fahrschüler hintereinander ohne Pause. WC-Besuche, etwas Trinken oder Verschnaufen, gehen zulasten der Zeit, die der Schüler bezahlt.“

Sowohl Werzinger als auch Zimmerer streichen jedoch als positives Argument für die Ausbildung zum Fahrlehrer gerade den Kontakt zu den Schülern heraus. „Man sieht, wie was weitergeht.“ Da klafft wohl zwischen Praxis und Theorie eine zu überdenkende Lücke.