„Fake-Polizisten“ am Posten angegriffen. Hollabrunnerin (48) war wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwerer Körperverletzung angeklagt. Freispruch.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 27. November 2020 (04:16)
Am Landesgericht Korneuburg wurde ein aufsehenerregender Zwischenfall verhandelt, der sich im Mai dieses Jahres in Hollabrunn abgespielt hatte. Die Richterin appellierte an die Angeklagte, sich beim nächsten Mal rechtzeitig Hilfe zu holen.
Löwenstein

In der Stadt spielte sich im Frühjahr ein mehraktiges Drama ab, dessen Folgen nun am Landesgericht Korneuburg von Richterin Monika Zbiral verhandelt wurden. Ursprünglich hatte die 48-jährige Angeklagte an jenem Tag im Mai selbst die Polizei zu ihrer Wohnadresse gerufen. Doch statt der Anruferin traf ein Gruppeninspektor auf die Mutter und den Lebensgefährten der 48-Jährigen, die beide nichts von dem Notruf wussten.

Kurz darauf tauchte die Frau auf und unterhielt sich mit dem Polizisten, wobei sie ihn warnte, mit ihrer Mutter zu sprechen. „Was sie sagt, ist alles falsch“, schilderte der Beamte vor Gericht das Gespräch. Im Verlauf des Dialogs sei die Frau immer aggressiver geworden und davongelaufen. Sie traf auf einen Nachbarn. Auch der 61-Jährige schilderte Richterin Zbiral den Eindruck, den die Angeklagte auf ihn damals machte. „Sie wird verfolgt, erzählte sie mir, von ihrer Familie.“

Die Frau bat den Nachbarn, sie zum Polizeidienstposten zu führen, da sie die Beamten, die in Uniform gekommen waren, um ihrem Notruf nachzugehen, nicht für echte Polizisten hielt. Dort traf die Angeklagte auf eine Polizistin und machte einen „aufgebrachten und hektischen“ Eindruck. Sie redete von „Fake-Polizisten“ und „Fake-Dienststelle“. Die Polizistin versuchte, die Situation zu kalmieren, und wies sich als Exekutivbeamtin aus, die Angeklagte habe aber nur teilweise darauf reagiert.

„Zur Schuld gehört die Schuldfähigkeit“

Da es mittlerweile recht laut geworden war, kamen Kollegen zu der Szenerie dazu. Ein Beamter versuchte, den Bruder der Frau zu kontaktieren, woraufhin diese glaubte, von dem Polizisten gefilmt zu werden. Um dies zu verhindern, ging sie mit dem Laptop, den sie bei sich hatte, auf den Polizisten los, der kleinere Blessuren davontrug. Währenddessen habe sie gerufen: „Sie sind nicht berechtigt, mich festzuhalten!“

Bei den amtshandelnden Beamten verfestigte sich der Eindruck, dass „irgendwas mit der Psyche nicht stimmt“. Die Konsequenz war die Überstellung der Frau in die Sozialpsychiatrische Abteilung des Landesklinikums Hollabrunn, wo sie es aber ablehnte, behandelt zu werden. Schließlich bedurfte es fünf Pflegekräfte, die Frau ruhigzustellen.

Der Sachverständige Werner Brosch, der unter anderem die Zurechnungsfähigkeit der Frau zu beurteilen hatte, kam zu dem Schluss, dass diese zu diesem Zeitpunkt völlig den Bezug zur Realität verloren hatte und sich in einem konfusen psychotischen Zustand befand.

Laut Brosch war sie demnach schuldunfähig, was auch die Richterin so beurteilte. „Da zur Schuld die Schuldfähigkeit gehört“, setzte Zbiral bei ihrer Urteilsverkündung an, „ist die Angeklagte freizusprechen.“

Die Richterin wirkte am Ende noch behutsam auf die Frau ein, sich zukünftig „rechtzeitig Hilfe zu holen und nicht zusammenzuwarten“. Gutachter Brosch tat sich mit einer Prognose schwer, „weil ein Problembewusstsein bei der Frau nicht ausgeprägt und tiefgehend ist“.