„Frauen für Frauen“: Ein Verein, den es leider braucht. 30-jähriges Bestehen des Beratungs- und Bildungszentrums mit mahnenden und lobenden Worten begangen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 17. April 2019 (02:45)

Mit großem Programm und viel Prominenz feierte der Verein „Frauen für Frauen“ sein 30-jähriges Bestehen. Die Festredner waren sich einig: Die Institution ist nach drei Jahrzehnten ebenso wichtig, wie sie es damals bei ihrer Gründung war.

„Ich würd’ mir wünschen, dass es 2019 so einen Verein gar nicht mehr braucht. Leider ist die Realität eine andere, darum ist es gut, dass es ihn gibt“, sagte Kinga Halmagyi-Steinböck im Video, in dem Hollabrunner über den Verein sprachen. Unverzichtbar, unbürokratisch, Kommunikation auf Augenhöhe, großartige Unterstützung in der schwersten Zeit meines Lebens: Mit diesen Worten beschrieben Frauen und Männer die Einrichtung.

„Es ist ein aufregender und toller Tag“, fasste Ursula Hein, scheidende Geschäftsführerin der Institution, ihre Emotionen in Worte. Dass so viele Gäste in den Festsaal des Sporthotels gekommen waren, bedeute für sie, dass „wir in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind“. Vor 30 Jahren sei das noch anders gewesen, sprach Gundi Dick, eine der Gründerinnen, später von starkem Gegenwind, mit dem sie zu kämpfen hatte.

 „Erst einmal eine kalte Dusche geholt“

 Dick war eine von vier Frauen, die damals am Koliskoplatz in den Räumen der SPÖ planten und vorbereiteten. „Beim Bürgerforum, das es damals noch gab, haben wir uns erst einmal eine kalte Dusche geholt“, erinnerte sie sich an das Jahr 1988.

Im Protokoll wurde etwa vermerkt, dass der damalige ÖVP-Landtagsabgeordnete Erich Fidesser meinte, er biete jeder Frau seine persönliche Hilfe an, sollte je eine in Hollabrunn geschlagen werden. Doch die Überzeugungskraft behielt die Oberhand, 1989 wurde der Verein gegründet. Seitdem finden dort Mädchen und Frauen mit unterschiedlichsten Problemen Zuflucht und Unterstützung.

2019 ist auch das Jahr, in dem Johanna Dohnal ihren 80er gefeiert hätte und „vor 40 Jahren ist sie die erste Staatssekretärin für Frauenfragen geworden“, erinnerte Hein an jene Frau, die bei den Feierlichkeiten noch oft zitiert werden sollte.

Neben lobenden Worten, etwa von AMS-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich sowie den Landesrätinnen Ulrike Königsberger-Ludwig und Christiane Teschl-Hofmeister, gab es an diesem Abend durchaus auch kritische: „Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor männerdominiert, viele Frauen haben ein nicht existenzsicherndes Einkommen“, mahnte Hein. Das liege vor allem daran, dass ein Großteil der Frauen in Teilzeit arbeite. „Nicht, weil sie es wollen, sondern weil Familienarbeit noch immer in erster Linie von Frauen erledigt wird.“

In Österreich seien 600.000 Frauen arm oder von Armut gefährdet. Eine Kürzung der Mindestsicherung, wie sie die Regierung andenkt, treffe genau diese. „Das ist in einem Land wie unserem eine Schande“, befand Hein.

Hergovich freute sich, angesichts medialer Schreckensmeldungen, von einer positiven Bilanz zu berichten: Dank „Frauen für Frauen“ hätten 348 Frauen wieder zurück in die Arbeitswelt gefunden. Eine Zahl, die vielleicht nicht groß erscheine, aber „sie bedeutet viel für jede Einzelne und deren Familie“. Jeder Mensch habe ein Recht auf Arbeit, wie der AMS-Chef betonte.

Königsberger-Ludwig bewunderte die Damen für ihren Einsatz, besonders an diesem „Geburtstag“: „Wenn Frauen feiern, dann machen sie das ganz besonders: Sie nehmen ihre Arbeit sogar mit in die Feierstunde und veranstalten einen Tag der offenen Tür und bieten Workshops an.“

 Männer als Schlüssel zu besserer Entlohnung?

 Der Schritt in eine Beratungsstelle, um sich dort „in die Seele blicken zu lassen“, sei nicht einfach, so die SPÖ-Landesrätin für Soziale Verwaltung, Gesundheit und Gleichstellung. Und: „Wir brauchen Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen.“ Alles, was Frauen wollen, sei nicht gleich zu sein, sondern gleichberechtigt.

Ihre Kollegin von der ÖVP, Teschl-Hofmeister, erzählte, dass es wichtig sei, Frauen auch in technischen Berufen unterzubringen. Aber: „Umgekehrt ziehen wir predigend durchs Land, um Männern Jobs im Pflege- und Betreuungsbereich schmackhaft zu machen.“ Denn die Landesrätin für Bildung, Familien und Soziales ist überzeugt: Wären in diesen Bereichen mehr Männer tätig, würden diese Berufe ganz schnell besser bezahlt werden.