Freiheitliche: „Stadt fehlt es an Innovation“. Christian Lausch und Michael Sommer über ihre Visionen, was Hollabrunn braucht.

Von Sandra Frank. Erstellt am 07. August 2019 (05:14)
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Was fehlt der Bezirkshauptstadt? Wo muss es Verbesserungen geben und wie sollen diese aussehen? Die Freiheitlichen nennen mit Blick auf die nahenden Gemeinderatswahlen die Rädchen, an denen ihrer Meinung nach gedreht werden müsste, um die Stadt attraktiver zu machen.

„Das Hütterl am Teich ist ein Drama für sich“, meint FPÖ-Bezirkschef Christian Lausch. Dem kann Stadtparteiobmann Michael Sommer nur zustimmen. „Es wurde Milch und Honig von der ÖVP versprochen und jetzt kommen sie mit Wasser daher.“ Es sei versprochen worden, dass es zu Beginn des Sommers eine Alternative zur beliebten Location am Strudelteich geben soll. Ein Jahr sei Zeit gewesen, hier etwas auf die Beine zu stellen. Darum lässt Sommer das Argument der mühsamen Bürokratie nicht gelten. „Es macht den Eindruck, als wäre es der ÖVP egal.“

 „Er ist ein defizitärer Shop für schwarze Weinbauern, in dem Röschitz gut vertreten ist.“ Michael Sommer über den Regionenshop

 Lausch findet, dass das Volksfestgelände generell während der Ferien für die Jugend aktiviert werden sollte. „Man könnte eine Bühne aufstellen, ähnlich der Donaubühne in Tulln.“ Dort könnten heimische Bands Konzerte geben. Es gebe kaum Anrainer, darum wäre die Lärmbelästigung kein Problem.

Nachhaltige Politik braucht „gewisses Hirn“

Eine solche Bühne, samt Gastro, ließe sich gut ins Volksfest integrieren. „Der Schulcampus wird frühestens 2023 umgesetzt, das Gelände in den drei Jahren bis dahin zu beleben, zahlt sich sicher aus“, ist Sommer überzeugt. „Man könnte die Bühne, dann auch verlegen, wenn man findig ist. Man muss ja nichts einbetonieren“, ergänzt Lausch. Für ihn setze „g‘scheite und nachhaltige Politik ein gewisses Hirn“ voraus.

Dauerthema in Hollarunn ist die Belebung der Innenstadt. Bisher „ein Schuss in den Ofen“, wie Lausch meint. Ein Lebensmittelgeschäft wäre dringend notwendig, um Frequenz zu bringen. Sommer schlägt eine Start-up-Förderung in der Fußgängerzone vor: Zunächst soll ein Unternehmen nur die Betriebskosten abdecken müssen und erst nach zwei Jahren die volle Miete in gemeindeeigenen Objekten bezahlen.

„Ärgerlich“ sei auch die Parkplatzsituation am Hauptplatz, vor allem am Freitag während des Wochenmarkts. Wer dort regionale Produkte einkaufen möchte, finde oft keinen Parkplatz. Darum schlägt Lausch vor, die Parkdauer auf Teilen des Hauptplatzes auf 30 Minuten zu reduzieren. „Das reicht, um Besorgungen zu machen“, ist der Parlamentarier überzeugt. Das sei die eigentliche Aufgabe der HoMaG, der Hollabrunner Marketing Gesellschaft, die Angebote der Region zu stärken.

Geht es um dieses Thema, ist der Regionenshop im „Einser-Haus“ der Sparkassegasse der nächste Punkt, den die Freiheitlichen kritisieren. „Er ist ein defizitärer Shop für schwarze Weinbauern, in dem Röschitz gut vertreten ist“, fasst Sommer zusammen. Dort werde lediglich Gemeindegeld versenkt.

Für Lausch ist klar: „Dass die Gemeinde den Regionenshop betreibt, hat sich sicher als Fehler erwiesen.“ Auch den Standort sieht er als Problem, seiner Meinung nach, wäre der Laden am Hauptplatz besser aufgehoben. So könnte er auch in den Wochenmarkt integriert werden, das „Erfolgsprojekt Wochenmarkt“ könnte weiterentwickelt und Synergien könnten genutzt werden. Betreiber sollte eben nicht die Gemeinde sein, sondern ein Verein. „Hier könnten sich die Produzenten als Konsortium zusammenschließen“, schlägt Sommer vor. Eine Gemeinde müsse ökonomisch denken.

„Bezirkshallenbad zumindest andenken“

„Man muss Politik mit Hausverstand machen und nicht nur Schlagzeilen produzieren“, wirft der Stadtparteiobmann der ÖVP vor, dass es oft an der Umsetzung scheitere. Generell fehlt es der FPÖ an innovativen Gedanken der Stadtführung. „Man kann ein Bezirkshallenbad zumindest einmal andenken“, meint Lausch. Ob eine Umsetzung dann auch finanzierbar wäre, stehe auf einem anderen Blatt. „Das wäre gut und innovativ, da könnte sich die neue Truppe beweisen“, spricht er das Team rund um Neo-Bürgermeister Alfred Babinsky und Vizebürgermeister Kornelius Schneider an.

Dieser fungiert auch als Sportstadtrat. In dieser Funktion habe er bisher wenig Einsatz gezeigt, meinen die Blauen. „Er sieht das Sportressort nur als Anhängsel zu seinen anderen Funktionen“, sagt Sommer. Etwa die Vergrößerung des Eislaufplatzes hätte der Gemeinde billiger kommen können, hätte Schneider besser verhandelt, ist Lausch überzeugt.

Zurück zum Hallenbad-Gedanken: Hier müsse der ganze Bezirk mittun, meint Lausch. Die Mehrheitspartei solle ihre Nationalratsabgeordnete und den Landtagsabgeordneten aktivieren. „Sie haben sicher bessere Connections zum Land als wir alle zusammen. Sie sollten es wenigstens versuchen“, appelliert Sommer.

Die Stadt könne nur dann weiterentwickelt werden, wenn die Opposition mehr eingebunden werde. „Man muss offener werden und die Ideen unpolitisch betrachten.“ Man müsse doch dankbar für jede Art von Vorschlägen sein, die die Stadt voranbringen. „Das schlimmste Argument der ÖVP ist: Das haben wir immer schon so gemacht. Darum wird nichts Neues ausprobiert“, klagt Sommer, dass die ÖVP ihren Machtposten auslebe. „Es ist eine klassische Berufsverfehlung, wenn man als Politiker nicht für den Bürger arbeitet.“

Die Vorschläge der Blauen seien nicht in Stein gemeißelt, wie Lausch betont. Sie können ausprobiert und nach einiger Zeit evaluiert werden. „Ist etwas gut, machen wir weiter. Wenn nicht, dann lassen wir‘s.“