Frühkartoffeln: Die Nebenbuhler aus Ägypten. Hollabrunner Experten hoffen, dass die Erdäpfel nicht dasselbe Schicksal wie die Zückerrübe erleiden.

Von Sandra Frank. Erstellt am 31. März 2021 (04:12)
Anita Kamptner, Geschäftsführerin der IG Erdäpfel, kann stundenlang über Erdäpfel und alles, was mit deren Anbau und Vermarktung zusammenhängt, sprechen.
Kamptner/LK NÖ, BBK

So sehen „Heurige“ aus NÖ aus, in dieser Größe erst im Juni.
Kamptner/LK NÖ, BBK

Während sie in der Region gerade erst in die Erde gelegt werden, um zu wachsen und im Mai oder Juni geerntet zu werden, gibt es sie in den Regalen der Supermärkte bereits: die Frühkartoffeln. Wie das sein kann? Ganz einfach, es sind keine heimischen „Heurigen“, sondern Erdäpfel aus Ägypten.
Dort wachsen sie unter Bedingungen, die in Österreich nicht möglich wären, weil im Norden Afrikas Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, die hier nicht mehr verwendet werden dürfen. Den Landwirten in Österreich sind die Hände gebunden, weil die Produktionsbedingungen für sie immer schwieriger werden. So schwierig, dass manche Bauern das Handtuch werfen. „Wir wollen ja hohe Qualität produzieren“, sagt Hollabrunns Bauernkammerobmann Fritz Schechtner, aber: „Wir haben mit immer mehr Vorschriften zu kämpfen.“

Die Produktionsvorgaben sind ein wichtiges Thema, das die Landwirtschaftskammer bewusst aufs Tapet bringt, um die Konsumenten aufmerksam zu machen, bestätigt Anita Kamptner, Geschäftsführerin der Interessensgemeinschaft Erdäpfel (IGE). So sei die Kammer bereits im Jänner mit der Bitte an die Handelsketten herangetreten, den heimischen Produzenten den Rücken zu stärken – und eben keine ägyptische Ware anzubieten.

„Sie werben mit Regionalität und Nachhaltigkeit, bieten dann aber ägyptische Erdäpfel an“, schüttelt die Sitzendorferin den Kopf. Denn abgesehen von den langen Transportwegen: Saatgut aus Europa werde in der Wüste angebaut und dort beregnet, was einen „irren Wasserverbrauch“ zur Folge hat.
Während Hofer und Lidl auf ägyptische Erdäpfel verzichten würden, werden sie anderswo noch verkauft. „Mit der Begründung, dass die Konsumenten das wollen“, weiß Schechtner, der vor zwei Jahren selbst unter die Erdäpfelbauern gegangen ist. Doch dass der Konsument ganz bewusst auf die Ware aus Ägypten greift, glaubt Kamptner nicht. Wer nicht genau hinsieht, lese nur, dass die Erdäpfel in Österreich abgepackt sind und glaubt, ein heimisches Produkt in den Einkaufswagen zu legen.

„Wir können heimischen Bedarf abdecken“

Bauernkammerobmann Fritz Schechtner kennt den Druck, unter dem die Landwirte stehen.
Kamptner/LK NÖ, BBK

Darum appellieren Schechtner und Kamptner an die Konsumenten, auf das AMA-Gütesiegel zu achten. „Das ist das sicherste Zeichen“, weiß der Kammerobmann, der betont, dass es ein Zusammenspiel von Handel, Landwirten und Konsumenten geben muss.
„Bei uns würde niemand auf die Idee kommen, die Ditta als Frühkartoffel zu bezeichnen“, sagt Kamptner über jene Erdäpfelsorte, die derzeit aus Ägypten angeliefert wird. Die Sorte Ditta ist nämlich der österreichische Lagererdapfel schlechthin.

Gelagert sind in Österreich übrigens ausreichend Erdäpfeln: „Wir können den heimischen Bedarf das ganze Jahr abdecken“, betont die Erdäpfelberaterin, um zu präzisieren: 2018 sei das erste Jahr „seit einer Ewigkeit“ gewesen, in dem das nicht gelungen ist.

„Eine Schlüsselphase für die Erdäpfel“

„Die Erdäpfel sind unsere tief niederösterreichische Beilage und das ganze Jahr über verfügbar“, betont Kamptner den Stellenwert der tollen Knollen. Das zeigen auch die Zahlen im Bezirk: Auf knapp 2.000 Hektar wurden Erdäpfel im Vorjahr angepflanzt; 200 Betriebe produzieren Speisekartoffeln.
Zuckerrüben, Erdäpfeln und Wein haben eine lange Tradition im Bezirk. „Wir befinden uns derzeit in einer Schlüsselphase für die Erdäpfel“, sagt Kamptner. Die Frage sei: Erleidet die Feldfrucht das Schicksal der Zuckerrübe, die durch Wetterextreme und Schädlingsbefall immer mehr zurückgedrängt wird, oder gelingt es, den Fokus – wie beim Wein – auf die gute, heimische Qualität zu lenken?

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