Gastro in der Krise: „Immerhin nicht auf Null“. Haubenkoch Harald Pollak aus dem Bezirk Hollabrunn setzt auf „take-away“. LambWeston profitiert im Einzelhandel.

Von Sandra Frank. Erstellt am 18. November 2020 (04:43)

Ein gut gelaunter Harald Pollak hebt am Montag das Telefon ab. „Warum soll ich raunzen?“, fragt der Retzbacher Haubenkoch und Vertrauensmann der Gastronomie im Bezirk. „Wir haben einen tadellosen Sommer hinter uns“, ist er froh, dass die Sommermonate gut gelaufen sind.

Wirte profitieren von "Urlaub daheim"

Es sei den Wirten zugutegekommen, dass viele ihren Urlaub daheim verbracht haben – und die heimische Gastro nutzten. Außerdem betont er: „Ich bin keiner, der negativ denkt.“ Man müsse sicherlich zwischen dem städtischen und ländlichen Bereich unterscheiden. Der Stadt seien die Touristen weggebrochen, dies habe „massivste Einbußen“ verursacht. Landgasthäuser, wie der Retzbacherhof eines ist, hätten aber eben bei den Einheimischen gut punkten können.

Natürlich sei die aktuelle Situation keine einfache, weil man nicht planen könne. Auch unter den Weihnachtsfeiern könne man in diesem Jahr ein Hakerl machen. Aber mit dem guten Sommer im Rücken und den 80 Prozent des Novemberumsatzes vom Vorjahr – diese Förderung hat die Regierung zugesagt – sieht der Haubenkoch das Positive: „Immerhin sind wir jetzt nicht auf Null.“

Seine acht Mitarbeiter des Retzbacherhofs seien in Kurzarbeit. Für einige Tage pro Woche seien sie aber beschäftigt. „Darüber sind sie froh, sie kommen gern zur Arbeit“, sagt Pollak, der sich über die Unterstützung freut. Denn das Take-away-Geschäft könne er nicht allein bewältigen. Mit dem Abholservice habe er in den vergangenen zwei Wochen – die Gastronomie musste bereits mit Anfang November schließen – gute Erfahrungen gemacht. „Wir machen das, was wir am besten können – kochen und für die Gäste da sein“, ist Pollak in der Krise standhaft. „Im Großen und Ganzen ist die Stimmung unter den Kollegen im Bezirk positiv“, weiß der Vertrauensmann, dass viele Wirte ebenfalls einen Abholdienst anbieten.

Lamb Weston spürt den Wegfall der Gastro

„Die Gastronomie ist ein wesentlicher Absatzzweig für unsere hochwertigen, tiefgefrorenen Kartoffelprodukte, sowohl in den Heim- als auch Exportmärkten“, sagt Dirk Niggemann, Geschäftsführer von Lamb Weston in Hollabrunn. Insofern sei auch der Absatz dieses Unternehmens von der zweiten Welle direkt betroffen und könne nicht gänzlich durch das Einzelhandelsgeschäft ausgeglichen werden.

Niggemann räumt aber ein: „Der Umsatzrückgang fällt durch die nach wie vor möglichen Zustell- und Abholdienste bislang spürbar geringer aus.“

Der Betrieb, der Tiefkühlkartoffelprodukte herstellt, konnte alle Arbeitsplätze am Hollabrunner Standort erhalten, da die Bedarfsschwankungen in der ersten Welle mit Kurzarbeit ausgeglichen werden konnten. „Diese Woche produzieren wir nur mit einem Teil der Anlagen“, erklärt Niggemann, wie auf den erneuten Lockdown reagiert wurde. Die Produktionskapazität wurde in Abstimmung mit den Betriebsräten durch zusätzlichen Urlaubsabbau oder Verbrauch von Zeitguthaben dem Bedarf angepasst.

Im Einzelhandel würden die Umsätze profitieren. Warum, sei leicht nachvollziehbar: In den eigenen vier Wänden wird mehr konsumiert, während die Gastronomie deutlich unter den Einschränkungen leidet.

Was Lamb Weston für das aktuelle Geschäftsjahr erwartet? „Eine sichere Prognose kann man derzeit nicht abgeben, dafür müsste man zuverlässig das weitere Geschehen um die Pandemie vorhersagen können“, antwortet Niggemann. Der Tiefkühlproduktehersteller stelle sich aber mit gutem Erfolg flexibel auf die sich verändernden Bedingungen ein „und wir hoffen wie alle, dass die in Europa flächendeckend umgesetzten drastischen Maßnahmen bald Wirkung zeigen und es zu Lockerungen kommen kann“, meint der Geschäftsführer.