Gerhard Tschugguel-Tramin: „Alte Tugenden sind wichtiger denn je“

Der langjährige KMA-Generalsekretär Gerhard Tschugguel-Tramin (67) über seine Karriere und seinen (Un-)Ruhestand.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 06:51
Lesezeit: 4 Min

„Niemals aufgeben, Farbe bekennen.“ Mit dieser Haltung war Gerhard Tschugguel-Tramin über 30 Jahre lang als Generalsekretär der Katholischen Medienakademie in der Journalistenausbildung für Studenten ebenso engagiert wie in der Medienschulung von Schülern, Pfarrgemeinderäten, Geistlichen, Funktionsträgernin Diözesen und für alle christlichen Richtungen sowie Rabbiner. Seine Bücherstube in Horn übergab der Wahl-Hollabrunner an Hofer Media und verabschiedete sich mit einem letzten KMA-Kurs im Herbst in den Ruhestand. Auch mit der NÖN arbeitete er gerne zusammen, um seinen Schützlingen praktische Erfahrung zu ermöglichen.

NÖN: Was war letztlich ausschlaggebend, zu sagen: „KMA, das ist meins!“?

Gerhard Tschugguel-Tramin: Die Erwachsenenausbildung war seit jeher mein bevorzugtes Arbeitsgebiet. Vor der KMA arbeitete ich für den Cartellverband der katholischen Studentenverbindungen (ÖCV) und habe wesentlich am Aufbau einer Bildungsakademie mitgewirkt. Zugunsten der Erwachsenenausbildung bei der KMA habe ich 1990 die Berufung als Pressesprecher von Minister Robert Lichal ausgeschlagen. So bin ich heute Doyen der österreichischen Journalistenausbildung (schmunzelt). Was zählt, ist aber, was wir für den Journalisten-Nachwuchs erreichen. Wenn der ORF-Generaldirektor anfrägt, ob nicht KMA-Absolventen bei ORF-Gottesdienst-Übertragungen mitarbeiten könnten, dann liegt die KMA mit ihrem Ausbildungsziel richtig: Einstieg in den Beruf.

Die Branche ist ja im Prinzip ständig im Umbruch. Wie hat sich das Aufgabenfeld mit der Zeit gewandelt?

Tschugguel-Tramin: Im Grundsätzlichen hat sich nichts geändert. Check, Re-Check und Double-Check: Die alten journalistischen Tugenden sind wichtiger denn je. Geändert hat sich: Alles muss noch schneller gehen. Wer heute in den Journalismus einsteigt, muss nicht mehr Talent haben, aber besser gebildet, belastbarer sein und multimedial arbeiten. Um es mit den Worten von KMA-Absolventin Verena Gleitsmann zu sagen: „Journalismus ist ein Handwerk, und das hat mich die KMA gelehrt.“

Was waren für Sie die aufregendsten KMA-Momente?

Tschugguel-Tramin: Das Aufregendste und Spannendste sind die Menschen, die Studenten, die bei uns die Ausbildung machen. Ihre Vorzüge und Schwächen kennenzulernen, um sie gezielt und optimal zu fördern, war immer mein Anspruch. Ausbildungsmethodisch wollte die KMA immer die Nase vorn haben. Das haben wir erreicht. Anfang 2000 führte die KMA bereits Videojournalismus ein und die praktische Seite der Neuen Medien wurde in den Lehrplan aufgenommen. Gefreut hat mich, dass ich meine KMA-Arbeit in Hollabrunn abschließen konnte. Es war ein KMA-Seminar speziell für den Pfarrverband Klein Maria Dreieichen, um die Pfarrzeitung professioneller zu gestalten.

An welche Talente erinnern Sie sich gerne oder speziell?

Tschugguel-Tramin: Die KMA hat ein ausgeklügeltes Aufnahmeverfahren. Mit über 90 Prozent, die in den Beruf hineinwachsen, ist die Trefferquote hoch. Ich will daher keinen Einzelnen hervorheben. Interesse, Neugier und Freude an der Arbeit sollte jeder mitbringen. Oder, um es KMA-Absolvent David Kriegleder sagen zu lassen: „Recherchieren habe ich bei der KMA gelernt.“

Gibt es Erfahrungen, auf die Sie gerne verzichtet hätten?

Tschugguel-Tramin: Mein Motto war immer „Klagen überlasse ich grundsätzlich anderen“.

Journalisten werden gerne gefragt, ob sie jungen Menschen raten würden, heutzutage Journalist zu werden. Wie würden Sie diese Frage beantworten?

Tschugguel-Tramin: Ja. So steinig der Weg in den Beruf ist, wer es wirklich will, wird das Ziel erreichen. Die KMA – der Kurs ist übrigens neben einem Studium absolvierbar – steht für Journalismus im Sinne von Aufklärung in der guten alten Tradition derer, die gegen Vorurteile, Lügen und Legendenbildungen aufgetreten sind, die Wissen unter das Volk bringen. In Corona-Zeiten ist das wichtiger denn je.

Was lesen Sie selbst aktuell am liebsten?

Tschugguel-Tramin: 52 Bücher für die nächsten 52 Wochen liegen bereit. Im NÖN-Archiv werde ich recherchieren, wie Hollabrunner den Anschluss 1938 erlebt haben. Biographien, Zeitgeschichte, Sozialreportagen stehen im Vordergrund. Als Mitglied des ÖCV/MKV-Zirkels Hollabrunn sind christliche Positionen versus atheistische Lebensentwürfe naheliegende Themen. Die Gleichgültigkeit in den eigenen Reihen – zum Beispiel beim Messbesuch – aufzubrechen, ist eine Herzensangelegenheit. Daher arbeite ich auch gerne als einer der Mesner für die Jugendheimkapelle mit. Mit einem Masterstudium „Religion-Kultur-Religiosität“ habe ich begonnen. Das ist ein Aufbruch zu neuen Horizonten.

Werden Sie Hollabrunn treu bleiben bzw. was schätzen Sie an Ihrer Wahlheimat?

Tschugguel-Tramin: Ich war ja schon von 1956 bis 1960 in Mailberg als Vorschulkind, weil mein Vater das Maltesergut verwaltete. Der „Dienstwagen“ meines Vaters war ein Einspänner und ich war stolz, durfte ich einmal die Zügel in der Hand halten. Heute schätze ich an meiner Heimat die sanfte Hügellandschaft, die Karl Korab in einzigartiger Art und Weise einfängt. Und, nicht zu vergessen: Im Wein liegt die Wahrheit. An der Schwelle des Lebens sollte man diese Quelle der Erkenntnis nicht verlassen, speziell wenn sie hervorragend und regional ist (schmunzelt).

ZUR PERSON:

• Gerhard Karl Eduard Maria Tschugguel wurde am 6. Dezember 1954 in Wien geboren

• Familienstand: wiederverheiratet 2020 mit Emilia Tschugguel geb. Kolesárova

• Auszeichnung: 1996 Leopold Kunschak Anerkennungspreis

•1988 bis 1992 Mitglied des Aufsichtsrates der „Furche“

•1991 bis 1994 Vorstandsmitglied des Vereins „Club M“ (Club christlicher Medien)

•1992 bis 1993 Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände, u.a. Vorbereitung und Durchführung der Tagung „Christus in der Mediengesellschaft – Sendestörung?“

•1997 bis 2001 Herausgeber der Zeitschrift Academia des ÖCV

•Idee, Organisation, Durchführung und Begleitung zahlreicher Seminare und Symposien (Bildung, Medien, Soziales, Literatur)

•2009 bis jetzt: Vorstandsmitglied des „Vereins katholischer Publizistinnen und Publizisten Österreichs

•2016 bis 2018 Herausgeber des Circulum für den ÖCV NÖ und Wien

•Benefizveranstaltungen u.a. für die „aktion leben Österreich“ mit Natalia Ushakova

•2016 bis jetzt: Rechnungsprüfer des Vereins „Freunde des Stiftes Göttweig“

•Ab 2022 Hollabrunn: einer der ehrenamtlichen Mesner für die Jugendheimkapelle