Grüne: „Schulstadt muss Vorbild sein“. Psychologisches Hilfsangebot für junge Menschen wird von Gemeinde Hollabrunn geprüft.

Von Sandra Frank. Erstellt am 02. April 2021 (03:54)

Zwei Dringlichkeitsanträge der Grünen wurden in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag diskutiert. Georg Ecker verlas jenen, der sich um die vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls in allen Phasen des Asylverfahrens und eine Reform des humanitären Bleiberechts drehte. Auslöser war der Fall von Abdullah Hosaini. Der ehemalige Schüler der HLW Hollabrunn, der eine Gastro-Lehre in Tirol absolviert, sollte abgeschoben werden und kämpft um ein dauerhaftes Bleiberecht (die NÖN berichtete).

Der Gemeinderat solle die Bundesregierung auffordern, sich dafür einzusetzen, dass das Kindeswohl in allen Phasen des Asylverfahrens und insbesondere in Fällen des humanitären Bleiberechts vorrangig berücksichtigt wird, damit unmenschliche Abschiebungen in Zukunft vermieden werden können. Die Länder sollen mit dem Instrument einer Härtefallkommission ausgestattet werden, um gut integrierten Personen und Familien ein humanitäres Bleiberecht gewähren zu können.

Schwarz-Grün mit Abänderung dafür

Marlis Schmidt (ÖVP) brachte dazu einen Abänderungsantrag ein, der dem der Grünen ähnelte, aber keine Härtefallkommission vorschlug. Dieser wurde mit den Stimmen der Grünen und der ÖVP angenommen. Trotzdem bedauert Ecker die Änderung: Härtefallkommissionen wären wichtig, um die Einbindung von Gemeinden und Ländern rechtlich zu verankern. „Diese wissen besser über die Situation eines Flüchtlings in einer Gemeinde Bescheid als das Innenministerium.“

Ein kleiner Lichtblick sei allerdings, dass „mit Stimmen von ÖVP und Grünen eine Resolution verabschiedet wurde, die das Kindeswohl betont“.

Einen weiteren Dringlichkeitsantrag, den sie gemeinsam mit Christoph Valdhaus erarbeitet hatte, brachte Grünen-Stadträtin Sabine Fasching ein. Die Stadtgemeinde solle mit den Schulen und entsprechenden Einrichtungen Kontakt aufnehmen und dort das Angebot psychologischer Betreuung prüfen. Dieses solle im Bedarfsfall ausgebaut werden. Hintergrund war die anhaltende Corona-Situation, die sich verstärkt und alarmierend auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirke. Depressionen, Schlafstörungen und Angstzustände seien dramatisch angestiegen, so Fasching.

„Euren Appell solltet ihr an Rudi Anschober weitergeben. Er verbreitet auch Angst, wenn er immer davon spricht, dass die nächsten beiden Wochen entscheidend sind“, konnte sich SPÖ-Stadtrat Friedrich Dechant einen Seitenhieb nicht verkneifen. Politiker müssten gerade jetzt Zuversicht vermitteln. Außerdem hätte er sich gewünscht, dass die Grünen vorher mit ihm gesprochen hätten, immerhin sei er als Stadtrat für Gesundheit und Soziales zuständig.

Anfang März 2020, noch vor dem ersten Lockdown, habe es einen Vortrag über Depressionen gegeben. „Da war kein Grüner anwesend, weil es kein Foto zu machen gab“, stieß Dechant nach. Letztlich stimmten jedoch alle Gemeinderäte dem Antrag der Grünen zu.

Das freut Valdhaus: „Damit zeigt sich der Gemeinderat willig, diesem Problem mit Maßnahmen zu begegnen.“ Er hofft, dass konkrete Schritte folgen und junge Menschen vermehrt Angebote zur niederschwelligen psychologischen Hilfe und Betreuung erhalten werden. „Hollabrunn ist als Schulstadt verpflichtet, hier eine Vorbildfunktion einzunehmen und jungen Menschen zu vermitteln, dass sie in schwierigen Situationen nicht alleine gelassen werden“, unterstrich Fasching.