„Kultur und Kino“ endete mit „3B-Regel“

Der letzte Abend der Veranstaltungsreihe „Kultur und Kino im (Breindl-)Keller“ in der Sitzendorfer Kellergasse war bewusst jüdischer Kultur gewidmet.

Christian Pfeiffer Erstellt am 17. September 2021 | 05:28

Der unfreiwillige Abschluss der kleinen Veranstaltungsreihe „Kultur und Kino im (Breindl-)Keller“ war am Samstag Theodor Kramer und Klezmer-Musik vorbehalten. Unfreiwillig deshalb, weil der für Sonntag geplante Familiennachmittag mit Eröffnung des neuen Erlebniskellers für Kinder wegen Verzögerungen im Baufortschritt auf Oktober verschoben werden musste.

Reise in die Vergangenheit

Nach Michael Hufnagls amüsant-bösem und charmant-selbstironischem Soloprogramm „Mannsbilder“ zeigte der Filmclub Hollabrunn mit „Eine Reise in die Vergangenheit“ ein Meisterwerk mit wertvollen historischen Dokumenten aus den 1920er- bis 1980er-Jahren des legendären Film-Staatspreisträgers Ferry Seher, gespickt mit würzigen humoristischen Kommentaren.

Den letzten Abend widmete Kellergassenverein-Obmann Manfred Breindl bewusst der jüdischen Kultur, wie er in seinen Eröffnungsworten betonte. Der Grund dafür liegt in den ehemaligen Besitzverhältnissen des Kellers, der bis zum Sommer 1938 einer jüdischen Hollabrunner Familie gehörte. Danach habe ihn seine Familie von der Gemeinde erworben und die Nachkommen der ehemaligen Besitzer „restituiert“, wie es Breindl ausdrückte.

Für diese Referenz den Niederhollabrunner Dichter Theodor Kramer (1897-1958) und jüdische Folkloremusik, also Klezmer, zu bemühen war so naheliegend wie folgerichtig. Der junge Schauspieler und Max-Reinhardt-Seminarist Simon Löcker las ausgewählte Werke des großen Lyrikers mit Titeln wie „Wo bin ich zuhaus?“ oder „Verwandeltes Land“, die nicht auf Aktualität schielen müssen, sondern ob der eindringlichen Sprache des Dichters es wie selbstverständlich sind.

Ernst der Sprache und Witz der Musiker

Dem Ernst der Sprache setzten Violinist Pavel Shalman und Anel Ahmetovic am Akkordeon Emotionalität und Witz der Klezmer-Musik entgegen. Shalman, den man sich gut als Alleinunterhalter vorstellen kann, verband in einer Eigenkomposition, die in Zusammenarbeit mit einem palästinensischen Rapper entstand, auf seine Weise Modernität und Tradition, sehr zum Gefallen des Publikums. Der Violinist sorgte an dem – musikalisch hinreißenden – Abend auch für den berühmten jüdischen Witz. Denn bei dem Konzert hätte nicht nur die 3G-Regel gegolten, sondern auch die 3B-Regel: „Bezahlt, Vitamin B oder beschnitten.“