Landessonderschule: Jeder Tag ist eine neue Chance. In Krisensituationen geben die Pädagogen der LSS Hollabrunn den Schülern Halt und zeigen, dass sie ihr Verhalten aushalten.

Von Sandra Frank. Erstellt am 04. Januar 2021 (04:34)
Das Team der Landessonderschule vermittelt Wissen, Halt und Struktur: Tamara Lapacka, Eveline Wohlmann (sitzend, v.l.); Zein Alabidin Al Konani, Barbara Andrä, Helga Pozar und Schulleiterin Maria Breindl (stehend, v.l.) sowie Hana Ondrakova und Margarethe Renkin (hinten, v.l.).
LSS

„Morgen kann die Tür aufgehen und ein neuer Schüler kann kommen. Der bleibt dann drei Wochen oder drei Jahre“, beschreibt Lilli Wohlmann die hohe Schüler-Fluktuation an der Landessonderschule (LSS) Hollabrunn, die zum Gefüge des Sozialpädagogischen Betreuungszentrums (SBZ) in der Elsa Brandström-Straße gehört.

Wohlmann steht Maria Breindl als Stellvertreterin zur Seite. Wie bereits berichtet, hat Breindl, die seit dem Vorjahr die Allgemeine Sonderschule in Hollabrunn leitet, mit Oktober auch die Führung der LSS übernommen. „Ich bin jeden Tag an der Schule, das ist mir sehr wichtig“, wollte sie das Team, den Alltag und die Schüler so schnell wie möglich kennenlernen. Ihr Eindruck nach nicht einmal 100 Tagen in der neuen Funktion?

„Wir zeigen den Schülern, dass wir für sie da sind, sie mögen und ihr Verhalten aushalten. Maria Breindl, LSS-Leiterin

Das Team, das aus vier Lehrerinnen, einer Religionslehrerin, einer Sekretärin, einer Schulwartin („Sie ist ein Goldschatz.“) und seit heuer aus einem Schulassistenten besteht, hat Breindl als unglaublich engagiert kennengelernt, „das niemals auf die Uhr schaut“. „Alle haben unendlich viel Geduld und Einfühlungsvermögen.“ Und das sei gerade bei den Schülern der LSS wichtig. Ein Großteil der Jugendlichen lebt im SBZ, manche in der „Brücke“, einem Zentrum für Krisenintervention. Manche können ihre Stammschule weiter besuchen, doch die meisten werden an der LSS unterrichtet. Eine Herausforderung für die Lehrer.

„Ich unterrichte vier oder fünf verschiedene Lehrpläne in einer Stunde“, erzählt Wohlmann. „Alles, was für das Kind am besten ist, wird angeboten“, sagt sie. Neben der Wissensvermittlung stehen Halt und Struktur im Mittelpunkt, denn genau das brauchen die Kinder in den schwierigen Situationen, aus denen sie kommen.

„Wir zeigen ihnen, dass wir für sie da sind, sie mögen und ihr Verhalten aushalten. Sie werden bei uns getragen und gehalten“, weiß Breindl, dass jeder Tag für die Schüler eine neue Chance ist. „Es wird nichts von gestern mitgeschleppt. Wir sind immer überzeugt: Heute wird’s besser.“ Wohlmann ergänzt: „Sie brauchen nicht nur Schule, sondern genauso viel persönliche Zuwendung.“ Die neue Schulleiterin kennt die Einrichtung, seit diese noch das Landesjungendheim war und von Schwester Monika geleitet wurde. „Sie war eine resolute und resche Frau; und sie hat immer für die Kinder gekämpft.“

„Ich hab’ noch nie eine Schule gesehen, die musikalisch so gut ausgerüstet ist“, schwärmt Wohlmann, die auch Musik und Werken unterrichtet. Es gibt außerdem einen Entspannungsraum, einen „super Werkraum“ samt Töpferscheibe und Brennofen, einen Schulgarten mit Kräutern, einen Bewegungsraum, eine große Schulküche samt Essbereich; es gibt eine Bibliothek, Tischfußball und Hängematten. Derzeit entsteht ein Malraum. Dieser wird von Breindls Vorgänger Hans Hörmann hergerichtet. All diese Dinge sind wichtig für den Schulalltag. „Damit können wir jederzeit Maßnahmen setzen, damit die Kinder motiviert sind, später weiterzulernen, auch wenn es gerade nicht geht“, sagt Wohlmann.

Soziales Lernen hat großen Stellenwert

Genau darum ist Breindl auch so froh, dass ihr Schulassistent Zein Alabidin Al Konani genehmigt wurde. Er unterstützt die Lehrer in besonderen Situationen; spielt etwa am Wuzzler mit einem Jugendlichen, wenn dieser gerade nicht am Unterricht teilnehmen kann. So sind die Schüler nicht alleine. „Er ist sehr empathisch und arbeitet unglaublich gern mit Kindern“, weiß Wohlmann.

„Bei uns wird auch viel gefeiert“, denkt sie an die Zeiten vor Corona. So gibt es etwa den Schüler des Monats, der eine Urkunde der Direktion erhält. Ab und zu gibt es einen Nachmittag mit Live-Musik, zu dem ehemalige Lehrer eingeladen werden; es gibt eine große Weihnachtsfeier mit dem SBZ. „Das soziale Lernen hat bei uns einen großen Stellenwert“, sagt Breindl.

Durch die Coronapandemie ist gerade vieles nicht möglich, was die Pädagogen sehr bedauern. Aber: „Wir sind krisenfest“, sagt die Schulleiterin.