Patrizia Mantler-Stockinger: „Ich lebe meine Ideen“. Die ehrenamtliche Kulturvermittlerin Patrizia Mantler-Stockinger führt Kinder in die Welt der Kunst ein und versucht Jugendlichen ein Stück der Geschichte anschaulich zu machen.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 07. November 2018 (03:53)
Sylvia Stark
Patrizia Mantler-Stockinger wuchs in Niederrußbach auf . Nach der Matura an der HLW Hollabrunn, stürzte sie sich ins Unileben und absolvierte in kurzer Zeit ihr Publizistikstudium mit Französisch und Soziologie in Fächerkombination. Danach folgten ein paar Jahre im Marketing und jetzt im Finanzbereich bei A1. Foto: Sylvia Stark

Patrizia Mantler-Stockinger sitzt entspannt im Kaffeehaus und ist glücklich darüber, einmal ausgeschlafen zu sein. Denn viel Zeit bleibt der 45-jährigen ehrenamtlichen Kulturvermittlerin nicht. Neben ihrem Teilzeitjob ist die zweifache Mutter von Söhnen im Alter von neun und elf Jahren unter anderem bei der Galerie Grenzart engagiert und hat ein Projekt zur Erinnerungskultur in Hollabrunn initiiert.

Kunstvermittlung für Kunstliebhaber ab fünf

„Im Jahr 2005 war ich Gründungsmitglied der Galerie Grenzart,“ berichtet die verheiratete Raschalaerin. „Nach der Geburt meiner Kinder habe ich angefangen, Kinderführungen zu geben“, erzählt Mantler-Stockinger. Die Kunstvermittlung für die kleinen Kunstliebhaber ab fünf Jahren begann ab dem Jahr 2013 richtig gut zu laufen.

„Die Kinderführung ,don´t touch – berühren gestattet‘ war für mich das Schlüsselerlebnis, dass ich mich zur Kunstvermittlerin ausbilden lasse,“ erklärt sie begeistert. Da gab es Objekte, die man berühren durfte. Dann bekamen die Kinder den Auftrag, ein Bild von der Welt für einen Blinden zu „malen“. Die kleinen Künstler haben ihre Eindrücke auf Druckplatten eingeritzt und mit Linolfarbe gedruckt. Die Arbeit mit den Kindern bei den Museumsführungen findet sie sehr berührend: „Besonders weil die Kinder sehr authentisch und unverblümt sind.“.

Vor zwei Jahren schloss die kreative Powerfrau den Kulturvermittlungslehrgang beim Museumsmanagement in Niederösterreich ab. „Danach nahm ich an einer Führung im Zentralfriedhof teil. Da kam mir die Idee, so etwas auch am jüdischen Friedhof in Hollabrunn anzubieten“, erinnert sich Mantler-Stockinger.

„Jeder kann im Kleinen die Welt verändern“

Durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte des jüdischen Friedhofs kam sie auch mit der Vertreibung der Juden im Zweiten Weltkrieg in Hollabrunn in Berührung. In einer Arbeitsgemeinschaft mit Gabriele Bodei organisiert Mantler-Stockinger zwei Gedenkveranstaltungen am 9. November am Kirchenplatz und am 11. November im Stadtsaal. Einen Bericht dazu finden Sie auf den Seiten 2 und 3 dieser Ausgabe.

Auf die Frage, ob sich Patrizia Mantler-Stockinger als aktiven Menschen betrachtet, meint sie „Ja, ich bin gerne im Tun. Ich möchte etwas verändern“ – und nach kurzer Pause ergänzt sie spontan – ,,Ich lebe einfach meine Ideen!“ „Ich denke, ich kann durch meine ehrenamtliche Arbeit Impulse setzen“, fährt die 45-Jährige begeistert fort, die auch noch Pfarrgemeinderätin ist. „Jeder kann die Welt im Kleinen verändern!“

Wenn es die Zeit zulässt, liebt sie es zu nähen. „Meine Kreativität lebe ich im Nähen aus. Eigentlich wollte ich mit 14 schon in die Modeschule nach Wien, aber keine meiner Freundinnen ging mit mir“, schmunzelt Mantler-Stockinger und bricht zum nächsten Handballmatch ihrer Kinder auf.