Richter zu Mietprellern: „Wie schäbig ist das denn?“. Zwei Familien in Hollabrunn nutzten die Gutmütigkeit ihres betagten Vermieters aus.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:54)
Der Prozess am Landesgericht Korneuburg endete mit drei Bewährungsstrafen und einer teilbedingten Haftstrafe.
Christian Pfeiffer

Ein etwas befremdliches Bild gaben vier junge Angeklagte am Landesgericht Korneuburg ab. Zwei Brüder, 20 und 22 Jahre alt, sowie deren 29- und 20-jährigen Partnerinnen – jeweils zwei Kinder miteinander –, die nacheinander ein und denselben Vermieter in Hollabrunn prellten. Ein gewisses Muster drängte sich auf. Das war allerdings nicht das eigentliche Thema der Verhandlung wegen Betrugs.

Denn neben den Mietschulden, die sie in Hollabrunn – unter anderem in der Hoysgasse – anhäuften, bestellten die Pärchen eifrig bei diversen Online-Versandhäusern unter Alias-Namen, weil die diversen Unternehmen unter den Klarnamen der Angeklagten keinen Auftrag mehr akzeptieren würden.

Damit nicht genug, versuchten sie, sich Handy-Verträge zu erschleichen; durchaus auch mithilfe ihres damaligen Vermieters, der als Zeuge nicht erscheinen konnte, da es sein fortgeschrittenes Alter und seine schwere Erkrankung nicht zuließen.

Diebstahl brachte für Richter Fass zum Überlaufen

Übereinstimmend gaben die Angeklagten an, dass der Mann, den sie als „guten Menschen“ bezeichneten, ihnen helfen wollte, als junge Familien ihr Leben auf die Reihe zu bringen. Da war der Diebstahl einer Video- und Spiegelreflexkamera aus der Wohnung des alten Mannes, den der 22-Jährige zähneknirschend zugab, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und Richter Rainer Klebermaß zu der Bemerkung hinriss: „Wie schäbig ist das denn?“

Letztendlich konnte Klebermaß nur über die Bestellbetrügereien, den Diebstahl und 700 Euro, die der „gute Mensch“ einem der Pärchen borgte und bis dato nicht wiedersah, befinden. Bis auf den 20-jährigen Österreicher, der bereits drei Vorstrafen vorzuweisen hatte, kamen alle mit bedingten Freiheitsstrafen zwischen sechs und zehn Monate davon.

Der 20-Jährige fasste zwölf Monate aus, davon zehn bedingt; wobei ihm die Untersuchungshaft, die am 14. Mai dieses Jahres über ihn verhängt wurde, angerechnet wurde.