Sarah-Maria Pilwax: „Musikerin mit Leib und Seele“. Hollabrunnerin, die das Osterhochamt in St. Pölten gestaltete, über ihren Werdegang und schwere Entscheidungen.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 15. April 2021 (04:39)
Sarah-Maria Pilwax gestaltete das Osterhochamt in der St. Pöltner Prandtauerkirche: „Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie es ist,
auf der Bühne zu stehen“, sagt die Hollabrunnerin.
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Sarah-Maria Pilwax ist ein wahrer Tausendsassa: Sie kann Orgel, Klavier, Cembalo, Blockflöte, Geige und Bratsche spielen und hat darüber hinaus eine Gesangsausbildung. Dem nicht genug, legte sie ihre Matura am Erzbischöflichen Gymnasium in Hollabrunn mit einem Notendurchschnitt von 1,0 ab. Auf die Frage, wie man das schafft, zitiert die 21-Jährige sinngemäß Johann Sebastian Bach: „Nichts kommt von allein, es gehört immer Arbeit, Fleiß und Disziplin dazu.“

Die talentierte Hollabrunnerin bezeichnet es als ihre „Schwäche“, sich für so viele Themen zu interessieren. Daraus resultiere auch der Schulerfolg. Neben den schon genannten Tätigkeiten hat sie zehn Jahre lang Ballett getanzt und betreibt nebenbei noch Handwerkskunst. „Mir war nie bewusst, dass das alles etwas Außergewöhnliches ist“, lacht sie im Zoom-Gespräch.

Wenn Sarah-Maria Pilwax gerade keine Konzerte gibt oder besucht, absolviert sie mit ihrer Mutter gerne Handwerkskurse: Dort habe sie unter anderem nähen und klöppeln gelernt und präsentiert stolz ihr selbst geklöppeltes Lesezeichen in der Webkamera: „Ich liebe es einfach, etwas mit meinen Händen zu machen.“

Aber auch mit den Füßen, denn die sind beim Betätigen der Orgel-Pedale gefragt. Die Liebe zur Orgel rühre nicht zuletzt daher, dass es ein Instrument der Superlative ist: „Die Orgel steht in den mitunter größten Räumen, kann extrem laut und leise sein und ist das größte Instrument.“

Musikerin wollte Pilwax schon immer werden, auch wenn ihr das Umfeld manchmal zu einem „sicheren“ Job geraten habe. Das war ihr aber egal, „weil ich mit Leib und Seele Musik mache“. Sich ab einem gewissen Alter nur auf ein Instrument zu konzentrieren, kam für die Hollabrunnerin nicht infrage, ihr war ein vielfältiges Repertoire wichtig. „Ich hätte mich auch ehrlich gesagt nicht entscheiden können“, sagt sie.

Momentan studiert sie „Orgel Konzertfach“ mit Schwerpunkt Cembalo, Musikerziehung und Instrumentalmusikerziehung sowie mit Hauptfach „Chorleitung“ an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Ihre ersten musikalischen Wurzeln schlug sie in der Musikschule Hollabrunn. Dort hatte ihre Mutter Blockflöten-Unterricht genommen – und die kleine Sarah-Maria mitgenommen. „Irgendwann habe ich in der Blockflötenstunde dann mehr als meine Mama gespielt“, schmunzelt die Musikerin.

Am Lockdown nerven sie gerade die fehlenden Auftrittsmöglichkeiten und Konzertbesuche. Umso schöner sei es für sie gewesen, am Ostersonntag das Hochamt in der St. Pöltner Prandtauerkirche mit dem Sänger Clemens Holzbauer zu gestalten. „Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie es ist, auf der Bühne zu stehen, weil ich schon so lange nicht mehr vor Publikum gespielt habe. Es war aber eine sehr große Freude, wieder öffentlich zu spielen“, sagt die Musikerin und grinst dabei über beide Ohren.

Konkrete Zukunftspläne habe die 21-Jährige noch nicht, sie möchte sich vorerst alle Möglichkeiten offenhalten, weil der Weg „nicht geradlinig“ verläuft. Dabei deutet sie mit ihren Händen eine imaginäre Strecke. Bis jetzt hat die junge Künstlerin schon ein ordentliches Stück zurückgelegt.