„Segensreiche Jahre“ für zwei Schulen. Hollabrunn: Letzten Freitag hätte es eine große Feier für Erwin Kraus’ Abschied aus seinen beiden Schulen geben sollen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 15. Oktober 2020 (04:28)
War stets ein ruhender Pol: Erwin Kraus.
Sandra Frank, zVg

22 Jahre war Erwin Kraus Direktor der berufsgrundbildenden PTS, knappe drei Jahre leitete er zusätzlich die Allgemeine Sonderschule (ASO) am Kirchenplatz. „Das war für mich das schlimmste Telefonat, als ich ihm sagen musste, dass wir die Feier absagen“, sagt Gerald Weihs, Kraus‘ Nachfolger im Hollabrunner Poly.

Dass Erwin Kraus so sang- und klanglos aus dem Schulalltag gehen musste, habe er sich nicht verdient. Darin sind sich Weihs und Maria Breindl, die im April die Leitung der Sonderschule übernommen hat, einig. „In den 22 Jahren hat er die Schule geprägt“, sagt Weihs, der lange an der Seite von Kraus arbeiten durfte. „Mich hat immer fasziniert, dass ihn jeder gekannt hat, egal, wo wir hingekommen sind.“

„Ungünstiger konnte der Zeitpunkt nicht sein“

„Ich hab‘ bewundert, wie ruhig er immer geblieben ist, daran denke ich noch heute“, ergänzt Breindl und folgt dem Rat ihres Vorgängers, dass man auf manches nicht sofort reagieren müsse. Die Zeit, als Kraus die ASO leitete, bezeichnet sie als „segensreiche Jahre für unsere Schule“. Den Schülern sei er mit viel Empathie begegnet und habe sich auf sie eingelassen. „Er war oft betroffen und berührt“, sagt Breindl.

Dass der Oberschulrat in den Jahren vor seiner Pensionierung zwei Schulen leitete, sei zwar eine Herausforderung gewesen, aber: „Er hat gewusst, dass die PTS gefestigt ist und er sich auf Gerald als seinen Stellvertreter verlassen kann“, beobachtete Breindl. Beide Schulleiter haben immer noch Kontakt zu ihrem Vorgänger, das sei beiden Seiten sehr wichtig. „Erwin hat immer gewusst, wer der richtige Ansprechpartner ist, wir müssen das erst herausfinden“, schmunzelt Weihs.

Maria Breindl (ASO) und Gerald Weihs (PTS) folgen Erwin Kraus als Schulleiter in Hollabrunn.
Sandra Frank, zVg

Wenn es darum geht, in welchem Ordner ein Dokument abgelegt ist, wird Kraus kontaktiert. „Heute hat er zwei von unseren Klassen durch Retz geführt, das macht er gern“, erzählt Breindl, dass Kraus auch anderswo noch zum Einsatz kommt. „Es ist für ihn selbstverständlich, uns noch zu begleiten“, weiß sie. Für die beiden Schulleiter ist das umso wichtiger, denn: „Es hätte keinen ungünstigeren Zeitpunkt für die Übergabe geben können“, denkt Weihs an das Frühjahr zurück.

Kraus musste nämlich mit seinem 65. Geburtstag im März die beiden Bildungseinrichtungen übergeben. „Am 16. März kam der Lockdown, am 1. April mussten wir die Schulen leiten“, erinnert sich der PTS-Leiter, dass er seinem Vorgänger bei der Schlüsselübergabe nicht einmal die Hand schütteln durfte.

Viele Menschen hätten sich gern gebührend von Erwin Kraus verabschiedet. Da eine große Feier nicht möglich war, wird sie klein und familiär. Ende Oktober wird Kraus in der PTS von seinen Lehrern und Bildungsmanagerin Brigitte Ribisch verabschiedet werden. Im November wird es eine kleine Feier in der ASO geben. „Es ist gut für ihn, damit er einen Abschluss hat“, sagt Weihs, der betont, dass die Corona-Regeln strikt eingehalten werden.