Ein Coach mit richtigem Riecher: „Ganz knapp entkommen“. Auswanderer Paul Brabec verbringt die weltweite Krisenzeit bei 30 Grad an einem ägyptischen Strand.

Von Sandra Frank. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:05)
So verbringt Tennistrainer Paul Brabec den Corona-Shutdown: Am Strand der ägyptischen Soma Bay südlich von Hurghada.
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„Du kannst immer anrufen, ich lieg’ am Strand“, lässt Paul Brabec wissen, dass er allzeit bereit für ein Gespräch mit der NÖN ist. Er befindet sich seit Anfang März in einem Club an der Soma Bay, einer Bucht südlich von Hurghada. Es hat 30 Grad und die Strände, auf denen die Touristen in den vergangenen Jahren beinahe übereinander lagen, sind menschenleer.

Normalerweise würde Brabec, der aus Hollabrunn stammt, Tennistrainer einarbeiten, die Trainingsstunden koordinieren oder Verträge mit Hotels verhandeln. Als Director of Operation Tennis bei Matchpoint Sports Baleares verbringt er üblicherweise nur die Wintermonate in Ägypten, im Sommer ist Brabec in Europa, auf Mallorca in Porto Pedro, wo sich das Tenniszentrum von Matchpoint Sports befindet. Doch wegen der Coronakrise ist er immer noch an der Soma Bay.

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Anfang März besuchte er Freunde in Deutschland, um dann noch einige Tage Heimaturlaub in Hollabrunn zu machen und seine Familie zu sehen. „Am 9. März bin ich nach Ägypten geflogen, ich bin ganz knapp entkommen.“ Wenige Tage später kam es zum Corona-Lockdown.

Eigentlich hatte Brabec geplant, von Wien nach Spanien zu fliegen. Doch dort war die Stimmung bereits vor seinem Heimaturlaub schlecht und panisch. „Weil ich befürchtet habe, dass ich dann nicht mehr wegkomme, habe ich mich umentschieden“, erzählt er und weiß: „Dort wäre ich acht Wochen in Quarantäne gewesen.“

In Ägypten sei das anders: „Wir sind hier in einer goldenen Blase“, sagt der Auswanderer. Die Tennis- und Golfplätze sind offen. Im Ressort kann er sich frei bewegen. „Wie es in Kairo ist, kann ich aber nicht sagen, da herrscht sicher Chaos“, vermutet der 36-Jährige.

„Tennis ist meine Berufung. Davon kann ich aber in Österreich nicht leben.“ Paul Brabec schließt derzeit eine Rückkehr in sein Heimatland aus.

Auch wenn die Stimmung an der Soma Bay entspannter ist, „beim Essen halten alle zwei Meter Abstand, obwohl wir schon wochenlang aufeinanderkleben“. Die Housekeeper waren ständig im Einsatz, um die Hotels zu erhalten. Das Personal werde von der Gesundheitspolizei bei der Einreise überprüft. Coronafall gab‘s bisher keinen.

Generell herrschte in Ägypten nur eine Ausgangssperre von 20 bis 8 Uhr. Die Supermärkte waren stets geöffnet, ebenso die Restaurants. Getränke und Essen gibt es zwar nur zum Mitnehmen, „aber die Leute sitzen dann eben vor dem Lokal und essen“, schildert Brabec. Es sei auch deswegen ruhig, weil gerade Ramadan (noch bis 23.5.) sei. Wenn der Fastenmonat zu Ende ist, „wirst du die Ägypter nicht im Haus halten können“.

Bisher gibt es noch keine Auskunft, wann die Hotels wieder aufsperren dürfen und ob es überhaupt eine Sommersaison geben wird. Dennoch bleibt der Hollabrunner positiv: „Irgendwann werden die Leute sicher wieder auf Urlaub fahren.“ Bis dahin gelte es auf neue Regelungen zu warten.

Brabec hat vor ungefähr neun Jahren bei Matchpoint Sports als Tennistrainer begonnen. Jetzt leitet er die Tennissparte und lebt direkt am Meer. Ein Traum für jeden Auswanderer, der nicht bei allen klappt. „In den ersten zwei Jahren hatte ich keinen Urlaub und kaum freie Tage“, erinnert er sich. Doch das hatte er genau so gewollt.

„Viele Auswanderer sind überfordert“

„Das war die Grundlage für mein heutiges Leben.“ Freie Tage sind auch jetzt Mangelware, denn Gäste sind immer in der Nähe. „Damit bist du automatisch im Dienst.“ Neben dem Tennis unterrichtet Brabec professionell in Europas größter Schwimmschule („Sharky“). Außerdem berät er Tennisclubs beim Aufbau des Trainings.

In den Hotels, mit denen Matchpoint Sports Verträge hat, schaut er regelmäßig persönlich vorbei. So kam er 2018 auf 56 Flüge im Jahr. „Ich sehe sehr viele Menschen, die mit dem Auswandern einfach überfordert sind“, sagt der 36-Jährige. Viele würden den Arbeitsaufwand, die Arbeitsmentalität und die Sprachbarriere unterschätzen. „Für ganz wenige wird es die Wohnung oder das Haus direkt am Meer. Bei mir hat es zum Glück ganz gut funktioniert“, schmunzelt er.

Eine Rückkehr schließt Brabec aus. „Tennis ist meine Berufung. Davon kann ich aber in Österreich nicht leben.“

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