Urbans Afrikahilfe: Neustart nach purem Frust. Rebellen zerstörten Hannes Urbans Projekt im Südsudan. Jetzt will er mit Ziegen helfen.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 17. Oktober 2019 (11:23)
privat
Hannes Urban mit Waisenkindern im Flüchtlingscamp. „Im Grunde ist esgenauso wie bei uns. Die geflüchteten Menschen sind nicht so willkommen, wie man es gerne hätte, weil sie nach Ressourcen greifen“, erzählt er.

Als Entwicklungshelfer in Afrika machte der gebürtige Hollabrunner Hannes Urban schon viele Schlagzeilen. Der Aufbau einer Landwirtschaftsschule im Südsudan war zuletzt sein Herzensprojekt. Doch der Bürgerkrieg in dem jungen Staat machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Seit zwei Jahren lebt er mit seiner Frau in Uganda, wo er versucht, geflohenen Menschen im Grenzgebiet zu helfen. Doch viele stehen nun in den Startlöchern, um in ihre Heimat zurückzukehren. Für sie hat der 63-Jährige eine neue Spendenaktion ins Leben gerufen: „Eine Ziege für eine Familie.“

Helfen wir!
Ziegen wie diese seien eine perfekte Starthilfe für Familien im Südsudan, die mit einer Lebensmittelknappheit konfrontiert sind. Foto: Helfen wir!

„Sie reden von einem Friedensvertrag. Aber solange man Angst haben muss, in eine Waffe reinzuschauen, macht eine Rückkehr keinen Sinn“, sagt Urban. Er ist gerade in der Heimat, um administrative Dinge zu erledigen, und lebt einstweilen bei seiner Schwester in Wullersdorf. Am Sonntag reist er zurück nach Afrika, wo er seinen Lebensmittelpunkt hat.

Haustiere helfen: 15 Euro für eine Ziege

2017, als sein Südsudan-Projekt vom Krieg buchstäblich torpediert wurde, wollte Urban seine Hilfstätigkeit beenden. Doch der Kontakt mit einer US-Ordensschwester und einem Schweizer ließ ihn umdenken. Man konzentrierte sich auf Kranke und Behinderte, denen geholfen wird.

50 Kilometer breit und 120 Kilometer lang ist das Flüchtlingsgebiet, das Belameling-Camp. „Man spricht von bis zu 1,3 Millionen Flüchtlingen, die hier leben“, schildert Urban. Doch nun beginne eine neue Phase. Trotz instabiler Lage gehen viele zurück über die Grenze. Dorthin, wo Rebellen alles zerstört haben, was zu zerstören war. „Das ist wie von hier nach Aspersdorf“, beschreibt Urban die Distanz. „Dort haben sie Acker, dort wollen sie etwas anbauen.“

Die Lebensmittelknappheit, die auch durch die großen Organisationen nicht beseitigt werden kann, zwingt die Menschen zum Handeln. Eine enorme Hilfe für jede Familie wäre es, wieder Haustiere zu haben und züchten zu können.

„Halbes Jahr für die Trauerbewältigung“

Weil Ziegen sehr schnell wachsen und sich zweimal jährlich vermehren, will Urban mithilfe von Spendern möglichst viele Muttertiere zur Verfügung stellen. „Diese können wir in Uganda kaufen und als Starthilfe mitgeben. Eine Ziege kostet nur 15 Euro.“

Weiters will er bald Initiativen für Baumpflanzungen starten. Denn die Abholzungen sind durch die Flüchtlingssituation massiv. Wenn er zurück auf sein Südsudan-Projekt blickt, wird Urban nachdenklich. „Die Leute, die mir beim Dach geholfen haben, haben es wieder abgesägt und als Alteisen verkauft. Ich habe ein halbes Jahr für die Trauerbewältigung gebraucht. Es ist eine Enttäuschung, wenn Leute, die geholfen haben, auch beim Zerstören helfen.“

„HELFEN WIR!“ Verein für medizinische und Entwicklungshilfe wurde von Hannes Urban am 13. August 2000 mit dem Ziel gegründet, den ärmsten Menschen der Erde zu helfen. Alle Infos und Spendenmöglichkeiten:

http://helfen-wir.org/

Konto-Infos

Kontoinhaber: HELFEN WIR

Raika Retz Pulkautal

IBAN: AT88 3271 5000 0120 8685