Unfall-Opfer: „Bus neigte sich wie in Zeitlupe“

Fritz Wagner aus Hollabrunn saß in der ersten Reihe, als der Bus seiner Reisegruppe von einem Lkw-Anhänger erfasst wurde.

Christoph Reiterer
Christoph Reiterer Erstellt am 06. Oktober 2021 | 05:53

Mehrere Schwerverletzte forderte am Montagvormittag letzter Woche der Zusammenstoß eines Lkws mit einem Bus im oststeirischen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld ( NÖN.at berichtete ). Im Bus der Rußbacher Reisefirma Gansberger: eine Gruppe des Vereins „Aktive Senioren Hollabrunn“. Die NÖN sprach mit Obmann und Reiseleiter Fritz Wagner, der den Unfall aus der ersten Reihe auf sich zukommen sah.

„Da war viel Glück im Unglück dabei. Ich bin froh, nicht ganz vorne am Reiseleitersitz gesessen zu sein“, sagt Fritz Wagner, der selbst eine Schulterluxation davongetragen hat. „Die Rettungskette war unglaublich gut. Wir können dankbar sein“, ergänzt seine Frau Elisabeth. Noch heute sieht sie den unbeladenen Sattelauflieger auf sich zukommen, der den Unfall auslöste.

„Hätte sich der Bus weiter überschlagen, hätten wir wohl Tote zu beklagen gehabt.“
Fritz Wagner, Reiseleiter und Obmann der Aktiven Senioren Hollabrunn

Es war gerade Halbzeit der Sechs-Tage-Reise in die Oststeiermark. Der Reiseleiter erinnert sich an das Ereignis, das auch ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Die Straße war nass. In einer Linkskurve bei Untertiefenbach kam ein Lkw entgegen, dessen Anhänger auf die Gegenfahrbahn ausbrach. „Wenige Sekunden gab es noch die Hoffnung eines Zurückpendelns, deswegen steuerte unser Chauffeur den Bus ganz nach rechts und stoppte.“ Doch durch eine Vollbremsung des Lkw-Lenkers drehte sich der Anhänger weiter und krachte, seitwärts rutschend, mit voller Wucht gegen die Busfront.

Die Zugmaschine sei danach seitlich gegen den Bus geprallt und habe diesen in den Abgrund geschoben. „Unser Bus neigte sich im Zeitlupentempo nach rechts und kippte dann schlagartig um. Es gab einen heftigen Aufprall, alle Scheiben der rechten Seite zersplitterten“, schildert Fritz Wagner. Dadurch erlitten viele Passagiere, auch er, Schnittwunden im Gesicht und auf den Armen.

120 Einsatzkräfte waren am Unglücksort

„Glücklicherweise rutschte der Bus seitlich auf dem nassen Gras den Abhang hinunter und blieb in der Wiese liegen. Hätte er sich weiter überschlagen, hätten wir wohl Tote zu beklagen gehabt“, meint der Obmann. Wie viele andere hing er im Beckengurt, dessen Schloss sich unter dem Zug des Körpergewichts nicht öffnen ließ, und wartete auf Rettung. „Von meiner Stirne tropfte Blut, ich war hilflos.“

Manche Passagiere konnten sich selbst befreien und kümmerten sich sofort um die Verletzten im Bus. Der Chauffeur war einer der Betroffenen, die mit dem Hubschrauber abtransportiert wurden. Insgesamt 120 Einsatzkräfte waren am Unglücksort, um zu helfen.

Übrigens: Ein ortsansässiger Reisebegleiter, für den der Sitz neben dem Chauffeur freigehalten war, verpasste die Fahrt, da er sich nach einem Sturz im Krankenhaus befand.

Mit einem Ersatzbus konnten 17 Reiseteilnehmer bereits am nächsten Tag die Heimfahrt antreten; zwei wurden von Familienmitgliedern heimgeholt. Zehn weitere verblieben vorerst in den umliegenden Krankenhäusern.

Thema war der Busunfall am nächsten Tag auch bei der Gemeinderatssitzung in Hollabrunn. Mandatarin Daniela Lichtenecker war entschuldigt. Ihre Eltern hatten sich im Bus befunden und waren mit Brüchen in zwei verschiedene Spitäler eingeliefert worden. Franz Stockinger und Claudia Keck von der Stadtdirektion setzten alle Hebel in Bewegung, um Kontakt zu knüpfen. „Vorbildlich gehandelt“, dankte Stadtrat Wolfgang Scharinger mit einem süßen Präsent.

Mittlerweile konnten die Eltern der Gemeinderätin nach Hause transportiert werden, wo sie sich von ihren Verletzungen erholen. Bei den „Aktiven Senioren“ wurden indes alle für Oktober geplanten Veranstaltungen abgesagt. Ob die für nächstes Jahr am Programm stehende Busreise tatsächlich durchgeführt wird, steht für Fritz Wagner noch in den Sternen.