Trainer soll gekuschelt haben: Freispruch!

Erstellt am 16. Januar 2022 | 05:56
Lesezeit: 4 Min
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Im Hollabrunner Sporthotel trug sich nach einer Party der Vorfall zu, der nun ein gerichtliches Nachspiel hatte.
Foto: NÖN
Ein Trainingslager in Hollabrunn sorgte bei Tanzteam aus Mödling für verspäteten Eklat.
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Er soll eine junge Tänzerin über ihrer Kleidung im Intimbereich berührt und ihr zu nahe gekommen sein: Ein Trainer (36) einer Tanzgruppe aus dem Bezirk Mödling musste sich am Bezirksgericht Hollabrunn wegen sexueller Belästigung verantworten.

Die Tänzer absolvierten zu Pfingsten 2021 ein Trainingslager in Hollabrunn. „Er hat mit ihr das Bett geteilt, sonst war nichts, er hat geschlafen“, kündigte der Verteidiger an, dass sich sein Mandant nicht schuldig bekennen werde.

Nach einem Tanzturnier in Wien wurde in Hollabrunn gefeiert. „Die ganze Mannschaft war dann in meinem Zimmer“, schildert der Angeklagte. Es floss Alkohol in dem Dreibettzimmer. Am Ende blieb nur noch eine 19-jährige Tänzerin, die aufräumte. „Ich hab’ mich zum Schlafen hingelegt und nur gemerkt, dass sich jemand zu mir gelegt hat“, erklärte der Trainer. Wenige Stunden später sei er aufgewacht und das Mädchen war weg.

Sofort als Trainer zurückgezogen

„Sie war nie auffällig“, habe sich die junge Frau nicht anders als sonst verhalten, meinte der Angeklagte. Erst auf einer Geburtstagsfeier im Juli sei sie ihm gegenüber kurz angebunden gewesen. „Das war das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe.“ Ende August stand plötzlich die sexuelle Belästigung im Raum. „Ich hab’ mich sofort als Trainer zurückgezogen und mit dem Verein vereinbart, dass wir abwarten.“

Warum das Opfer überhaupt im Zimmer des Trainers geschlafen hat? Ihr Zimmer, das sie mit anderen Mädchen teilte, sei verschlossen gewesen. „Sie haben mich dann nicht gehört, als ich in mein Zimmer wollte“, sagte die 19-Jährige.

Schlafend gestellt, als der Trainer aufdringlich wurde

Sie selbst habe nur drei kleine Bier getrunken und sich am Ende der Party – mit Jogginghose und T-Shirt bekleidet – in ein Bett im Zimmer ihres Trainers gelegt. Der Angeklagte habe gefragt, ob er sich dazulegen dürfe. „Ich hab’ mir nichts dabei gedacht und Ja gesagt.“ Bei Partys könne so etwas schon vorkommen.

„Auf einmal hat er mich an sich gezogen und umarmt. Er hat sich sehr eng an mich gekuschelt“, schilderte die junge Frau weiter. Der Mann habe sich an ihr gerieben und unters Shirt greifen wollen. „Ich hab’ ihn gefragt, was das soll.“ Er sei es so von seiner Frau gewöhnt, habe er geantwortet. Sie sei immer wieder von ihm weggerutscht.

„Ich hab’ so getan, als würde ich schlafen, und gehofft, dass er dann aufhört. Aber das tat er nicht. Er hat mich überall berührt.“ Sie habe sich schließlich gezwungen, zu schlafen. Als sie wieder aufwachte, habe sie sofort das Zimmer verlassen.

„Warum sind Sie nicht weggelaufen?“, wollte Richter Erhard Neubauer wissen. „Ich war in einer Schockstarre. Ich hätte aufstehen und rauslaufen können, aber ich hatte Angst, dass ich vergewaltigt werde.“ Den Vorfall habe sie verdrängt, erst später mit einer Therapeutin aufgearbeitet. „Und dazu gehört auch die Anzeige.“

Der Verteidiger blieb stutzig. Eine Trainerin hatte der 19-Jährigen nämlich angeboten, sie könne in ihrem Zimmer schlafen. Das Angebot habe sie abgelehnt.

Der Vereinsmanager habe ebenfalls erst Monate später von den Anschuldigungen erfahren. Bei einem Telefonat mit dem Opfer habe er hinterfragt, was eigentlich passiert war. „Sie hat gesagt: Eigentlich nix. Es war keine Gewalt im Spiel und sie hätte jederzeit gehen können“, erinnert sich der 50-Jährige. Erst später habe er eine sehr lange WhatsApp-Nachricht erhalten, in der das Opfer den Vorfall anders schilderte.

Es sei schwierig, eine Entscheidung zu treffen, wenn Aussage gegen Aussage steht, konstatierte der Verteidiger. Sein Mandant habe aber nichts getan. „Wie kann man schlafen, wenn man Angst vor einer Vergewaltigung hat?“, war für ihn die Argumentation des Opfers nicht schlüssig.

Richter Neubauer hatte ebenfalls seine Zweifel. Die junge Frau hätte weglaufen oder schreien können, meinte er, und sprach den Tanztrainer frei.

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