Übergriffe gegen Ehefrau führten zu Cobra-Einsatz und Gerichtsprozess

Erstellt am 17. Juni 2022 | 04:59
Lesezeit: 3 Min
Das Landesgericht Korneuburg sah keinen Mordverdacht
Das Landesgericht Korneuburg sah keinen Mordverdacht
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH
Übergriffe gegen Ehefrau mündeten im März in einem Cobra-Einsatz in Hollabrunn. 74-Jähriger gibt sich als Unschuldslamm.
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Ein riesiges Polizeikontingent, darunter Cobra-Beamte, sorgte am 14. März dieses Jahres für Aufsehen in Hollabrunn. Gegen 13 Uhr wurden Beamte der Polizeiinspektion Hollabrunn über eine Auseinandersetzung zwischen einem 74-jährigen Mann und dessen 66-jähriger Gattin in Kenntnis gesetzt. Der Grund für das große Polizeiaufgebot von insgesamt 42 Einsatzkräften war darauf zurückzuführen, dass der Mann schussfähige Waffen in dem Haus aufbewahrte und nach Todesdrohungen gegen die Frau davon auszugehen war, dass er diese eventuell benutzen würde.

Dass der 74-Jährige zu dem Zeitpunkt, als sein Haus umstellt wurde, gar nicht daheim war, stellte sich erst heraus, als er mit seinem „E-Moperl“ vom Vogelfüttern im Wald zurückkehrte, wie er Richter Martin Bodner am Landesgericht Korneuburg schilderte.

„Ja“, er habe seine Frau an diesem Tag in der Küche am „Krawattl“ gepackt, aber sie hätte sich losreißen können und sei hinausgelaufen. Seine Theorie: „Vielleicht ist sie am Türstock angestoßen.“ Er habe jedenfalls keine Verletzungen wahrgenommen, weil er ihr auch keine zugefügt habe, und sei deswegen in den Wald gefahren.

„Nichts konnte ich ihm mehr recht machen“

„Ich bin halt so ein Mensch. Ich hab’ Respekt“, versuchte der 74-Jährige, seine Redlichkeit zu unterstreichen. Das gelang nur eingeschränkt, denn wiederholt hatte er seine Noch-Gattin unter anderem als „Bauernsau“ betitelt. „Wo bleibt da Ihr Respekt?“, fragte Bodner.

Vor zwei Jahren soll sich die Lage in dem Einfamilienhaus dramatisch zugespitzt haben. Doch der Angeklagte stritt alle Vorwürfe der fortgesetzten Gewaltausübung ab und sagte vor der Zeugenaussage seiner Frau, sie sei eine „tolle Schauspielerin und Lügnerin“. Diesen Eindruck erweckte die 66-Jährige ganz und gar nicht. „Ich kann nichts. Ich bin nichts“, fasste sie unter Tränen die Meinung ihres Mannes über sie zusammen. „Nichts konnte ich ihm mehr recht machen.“

Von dieser Zeugenaussage blieb wohl nur der Mann ungerührt, der während der Einvernahme von Bodner des Saales verwiesen wurde, weil er seine Frau wiederholt verhöhnte. Sätze wie „Der nächste Frauenmord bist du“ oder sollte sie jemals zur Polizei gehen, „dann tragen s’ dich nur noch im Sarg raus“ ließen das Martyrium erahnen, das sich dort möglicherweise abgespielt hat.

Entschieden ist der Fall noch nicht, da der Richter weitere Zeugen zu dem Vorfall am 14. März hören will.

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