"Uns fehlen Ärzte": Bezirks-SPÖ präsentiert Lösungsvorschläge

Erstellt am 22. September 2022 | 11:03
Lesezeit: 4 Min
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Die SPÖ-Bezirksvorsitzenden Richard Pregler (l.) und Stefan Hinterberger (r.) sprachen mit Hollabrunns Sozialstadtrat Friedrich Dechant über ein Schwerpunktthema der Sozialdemokratie: Die Gesundheitsversorgung.
Foto: Sandra Frank
Die SPÖ will ein Primärversorgungszentrum in die Bezirkshauptstadt holen, um Angebot an Ärzten und Therapeuten zu erhöhen. Das Modell des Gemeindearztes sollte, wenn es nach den Sozialdemokraten geht, ebenfalls wieder in die Kommunen zurückkehren.
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Im Bezirk Hollabrunn gibt es 33 Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag; zwölf ohne. Es gibt einen Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde mit Kassenvertrag; zwei ohne. Und Lungenfacharzt? Fehlanzeige, diese Stelle ist seit mehr als einem Jahr unbesetzt.

Um das Thema Gesundheit gründlicher zu beleuchten, lud die SPÖ zum Pressegespräch. „Uns fehlen Ärzte“, fasste Bezirksvorsitzender Richard Pregler zusammen. Egal, ob Haus-, Fach- oder Kassenärzte. Der Bedarf würde stetig steigen, da die Bevölkerung immer älter werde. Er rechnet vor: Ein Allgemeinmediziner ist im Bezirk, der etwa 52.000 Einwohner zählt, für 1.565 Personen zuständig. „Das ist überschaubar. Das ermöglicht sogar Zeit, um sich mit den Patienten zu beschäftigen“, sagt Pregler. Und: „Die Gemeinden leisten hier Großartiges, um Ärzte zu bekommen“, spricht er von vielen Anreizen. 

Gang zum "Zahlarzt", um rascher Termin zu bekommen

Anders sehe es schon bei der Inneren Medizin aus: Ein Kassenarzt ist rechnerisch für etwa 13.000 Patienten zuständig, denn im Bezirk gibt es vier Kassenärzte für Innere Medizin und sieben Wahlärzte in dieser Sparte. Der Bezirk verfügt genau über einen Kinderarzt mit Kassenvertrag. Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre gibt es etwa 6.900. „Wenn jedes Kind einmal im Jahr zum Arzt geht und dieser 365 Tage im Jahr geöffnet hätte, dann müsste dieser 19 Kinder und Jugendliche pro Tage behandeln“, schlussfolgert Pregler.

Darum sei es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen sich an Wahlärzte, oder „Zahlärzte“, wie Pregler sie immer wieder im Gespräch bezeichnet, wenden, um schneller einen Termin oder einen Operation zu bekommen. „Es kann nicht sein, dass ich zahl‘ und darum schneller dran komm‘“, ärgert sich der Bezirksvorsitzende über das System.

"Nur Nachfolger, wo Gemeinden Geld in die Hand nehmen"

Für Stefan Hinterberger, ebenfalls Bezirksvorsitzender der SPÖ, spricht von einem nicht gehaltenen Wahlversprechen der Landeshauptfrau: „Vor den letzten Landtagswahlen hat sie eine Landarztgarantie abgegeben. Da schaut’s aber traurig aus.“ Es gehen mehr Ärzte in Pension, als nachkommen. Praxen müssen schließen. „Es gibt nur dort Nachfolger, wo die Gemeinde viel Geld in die Hand nimmt.“ Einen Wahlarzt können sich viele, gerade jetzt in Zeiten der Teuerung, nicht mehr leisten.

Empört sind die Sozialdemokraten im Bezirk auch darüber, dass sich eine zusätzliche Kinderärztin in Haugsdorf niederlassen wollte, aber keinen Kassenvertrag bekam. „Jeder, der einen will, soll auch einen bekommen. Wettbewerb belebt das Geschäft“, meint Hinterberger, der selbst zwei Kinder hat. Er glaubt nicht, dass sich mehrere Ärzte der gleichen Fachrichtung Patienten wegnehmen würden, im Gegenteil: „Sie könnten sich unterstützen und bei den Öffnungszeiten absprechen.“ 

SPÖ präsentiert Lösungsvorschläge

Weil sich die SPÖ aber nicht vorwerfen lassen will, nur Schlechtes aufzuzeigen, präsentiert sie auch Lösungen. „Der Fokus sollte wieder auf Gemeindeärzte gelegt werden“, meint Hinterberger. Diese gibt es derzeit nicht mehr. Hier war ein Mediziner zusätzlich einige Stunden bei der Gemeinde angestellt, hat als Schularzt fungiert und die Totenbeschau übernommen. „Das muss jetzt alles zugekauft werden“, weiß Hinterberger.

Friedrich Dechant, Sozialstadtrat in Hollabrunn, hat einen weiteren Lösungsvorschlag, über den die NÖN bereits berichtete: „Wir haben bald zwei freie Volksschulen, über deren Nachnutzung noch gesprochen wird. Das Gebäude am Koliskoplatz könnte ein Primärversorgungszentrum werden.“ Nachsatz: „Das wäre ein Zukunftsprojekt.“

SPÖ fordert, im Gesundheitsbereich langfristig zu denken

Dechant und Hinterberger erstellen derzeit ein Konzept, wie dieses Primärversorgungszentrum – hier sollen nicht nur Ärzte, sondern auch Therapeuten Platz finden – aussehen könnte, um es im Sozialausschuss einzubringen. „Wichtig ist, dass die Gemeinde hier Impulse schafft“, meint Dechant. Konkret sollte das Schulgebäude saniert und barrierefrei gemacht werden. „Es gibt Signale aus den Reihen der ÖVP, dass sie dem Projekt nicht abgeneigt sind.“

Primärversorgungszentren gibt es in Niederösterreich in Melk (ÖVP), Purgstall (ÖVP), St. Pölten (SPÖ), Böheimkirchen (SPÖ), Schwechat (SPÖ) und Gloggnitz (Bürgerliste). „In sozialdemokratisch geführten Gemeinden geht’s, das ist kein Zufall“, schmunzelt Hinterberger bei dieser Aufzählung.

Pregler fasst zusammen: „Wenn die Leute gesünder sind, kosten sie uns im Endeffekt weniger. Im Gesundheitsbereich muss man langfristig denken.“

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