Schlachthof Gantner am Limit: „Müssen bald zusperren“. Johann Gantner appelliert an Politik, bei Einreise von Arbeitskräften am Ball zu bleiben.

Von Franz Enzmann. Erstellt am 01. April 2020 (06:13)
Fast 90 Prozent der Beschäftigten im Schlachthof sind aus Tschechien undUngarn. Nun kämpft der Betrieb mit personellem Engpass.
NÖN

Im Hollabrunner EU-Schlachthof von Fleischermeister Johann Gantner kann derzeit der Einschichtbetrieb gerade noch aufrechterhalten werden. „Es geht uns schlecht, wahrscheinlich können wir nach Ostern im Schlachtbereich kaum mehr produzieren“, meint der Unternehmer.

Seine Frau betont indes, dass der Verkaufsbereich wie gewohnt geöffnet ist: „Es rufen immer wieder Leute an, die danach fragen. Viele glauben, es haben nur die Supermärkte geöffnet. Die Kunden sollen aber auch an uns Fleischhauer oder an die Bäcker denken.“

„Wenn wir in den großen Betrieben die Arbeit einstellen müssen, dann bricht der Kreislauf auch für die Produzenten, sprich Bauern, zusammen.“Johann Gantner appelliert an Politiker und Interessenvertreter

Fast 90 Prozent der Beschäftigten im Schlachthof sind tschechische oder ungarische Staatsbürger. „Ein Teil der Mitarbeiter ist bereits nach Hause gefahren. Ob und wann sie wieder zurückkehren, ist ungewiss“, erläutert Gantner.

Er richtet einen großen Appell an die Politiker und Interessenvertreter, mit den Nachbarländern im Gespräch über die Wiedereinreise von Arbeitskräften zu bleiben: „Wenn wir in den großen Betrieben die Arbeit einstellen müssen, dann bricht der Kreislauf auch für die Produzenten, sprich Bauern, zusammen. Dann können die Ferkel nicht mehr eingestellt werden und die fertig gezüchteten Schweine müssen in den Stallungen bleiben.“

In Sitzendorf an der Schmida führt Fleischermeister Robert Hündler (58) den Familienbetrieb seit 1985. Die vier Beschäftigten stehen genauso im Verkauf wie die viel gelobten Supermarktverkäuferinnen und bedienen die Kunden freundlich und kompetent.

Auch die Fleischerei Hündler ist weiterhin für ihre Kunden da: Julian Svejda, Sonja Fitzka, Isabell Fiedler, Elisabeth und Robert Hündler, Johannes und Thomas Honsig (v.l.).
Enzmann

„Wir beziehen unsere Schweine aus der Umgebung. Bis jetzt gibt es keine Lieferschwierigkeiten. Natürlich haben wir einen Umsatzrückgang, da die Gastronomie und die Heurigenbetriebe weggebrochen sind. Auch der Partyservice ist eingestellt“, schildert Hündler, der den Einsatz seiner Familienmitglieder und Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit lobt. Die Umsatzeinbußen beziffert er mit mindestens 20 Prozent.

Im Verkauf und bei der Produktion sei es sehr schwer, den geforderten Mindestabstand einzuhalten. Die Hygienevorschriften werden jedoch genau eingehalten. Im Kassenbereich wurde eine Schutzvorrichtung aus Plexiglas errichtet, die Kundenanzahl im Verkaufslokal wurde
reglementiert. Fleischer Hündler bietet nun übrigens auch Hauszustellung an. Während der Öffnungszeiten können die Kunden aus der Umgebung die Waren telefonisch bestellen.