Entertainer Werner Auer: „Wir hängen in der Luft“. Für den Hollabrunner Entertainer Werner Auer sind Streaminglösungen von Theaterproduktionen keine echte Alternative.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:22)
Im Vorjahr hat Werner Auer der NÖN ein Foto geschickt, wie er ein „Corona-Osterei“ bemalt. Heuer hofft der Sänger auf „Überraschungseier“ im Osternest, damit er endlich den kulturellen Sommer planen kann.
privat

Der Name Werner Auer wird unweigerlich mit Kultur und Entertainment verbunden. Der Hollabrunner ist Sänger, Musicaldarsteller, Moderator und Intendant der Felsenbühne Staatz. Die NÖN sprach mit Werner Auer über die Herausforderungen in der Kulturszene, woran er gerade arbeitet und was er sich im Osternest erhofft.

NÖN: Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Werner Auer: Die nach wie vor vorhandene Planungsunsicherheit und die fehlende Perspektive für den Sommer. Der Wunsch der (Kultur-)Politik, dass die Bühnen kreative, aber gleichzeitig auch wirtschaftlich leistbare Produktionen bieten sollen, da ja das Kulturprogramm im Kulturland Österreich gesichert sein soll, ist unter diesen unsicheren Voraussetzungen nicht einfach bzw. oft schlicht nicht umsetzbar.

Warum ist die derzeitige Situation für Sommerbühnen und Kulturbetrieben im Allgemeinen unbefriedigend?

Auer: Bei manchen politischen Entscheidungen bezüglich Öffnungsschritten und Sicherheitsmaßnahmen habe ich leider den Eindruck, dass sich hier niemand in der Entscheidungsebene bewusst ist, welcher zeitliche Vorlauf und welches wirtschaftliche Risiko hinter einer professionellen Musical-, Theater- oder Opernproduktion stecken. Aber dieser augenscheinlich fehlende Praxisbezug macht ja nicht nur der Kultur, sondern auch der Gastronomie und Hotellerie enorm zu schaffen. Die derzeitige Situation ist für alle Kulturbetriebe und auch die Sommerbühnen denkbar unbefriedigend.

Hat sich im vergangenen Jahr etwas verbessert?

Auer: Nicht wirklich. Wir hängen seit nunmehr einem Jahr in der Luft und haben heuer genau dieselbe Situation, wie wir sie im Vorjahr hatten. Wir sollen Verträge mit unseren Künstlern abschließen, Bühnenbilder bauen, Kostüme nähen, die Werbetrommel rühren und natürlich auch unserem Publikum Planungssicherheit und Information geben, wie, wann, unter welchen Voraussetzungen und ob überhaupt Produktionen stattfinden.

Was hätten Sie sich erhofft?

Auer: Ich hätte mir hier schon mehr Verständnis, Know-how und vor allem praxisnahe Entscheidungen für die Kultur, aber auch für die Gastronomie und Hotellerie sowie sämtliche damit verbundene Berufsgruppen gewünscht. Ich weiß, wir hatten alle mit so einer Situation noch nicht zu tun, aber die Regierung hat nun doch ein volles Jahr Zeit gehabt, sich Szenarien und Maßnahmen zu überlegen. Und es erweckt leider den Eindruck, dass das augenscheinlich nicht wirklich geschehen ist; oder es wird nicht klar kommuniziert.

Wie stehen Sie zu den finanziellen Unterstützungen, die es für Künstler gibt?

Auer: Das ist keine Dauerlösung. Wir möchten für unser Geld arbeiten und den Menschen die Möglichkeit geben, aus dieser Starre zu kommen und sich endlich wieder intellektuell und kulturell unterhalten zu dürfen.

Welche Produktionen haben Sie gerade in Vorbereitung?

Auer: Auf der Felsenbühne Staatz arbeiten wir an der „Sister Act“- Produktion, die wir im Vorjahr verschieben mussten. Parallel dazu auch an einem Ersatzprogramm, sollte die große Produktion aufgrund der behördlichen Vorgaben nicht umsetzbar sein. Der Kindermusicalsommer Niederösterreich, den ich seit 2013 in den Kittenberger Erlebnisgärten mit den Ritter-Rost-Kindermusicals bespiele, ist ebenfalls in den Vorbereitungen. Hier hoffe ich, dass wir heuer spielen können.

Welche Alternativen zum Normalbetrieb sind für Sie denkbar?

Auer: Theaterproduktionen im TV oder als Streaminglösungen anzubieten ist nett, für mich persönlich aber auch nicht mehr.

Warum?

Auer: Theater ist für mich ein Gesamterlebnis, das sich nicht nur auf das reine Bühnengeschehen beschränkt; das auf einem Fernseh- oder Computerbildschirm niemals das tatsächliche Gesamterlebnis wiedergeben kann. Es gehört alles dazu: das Publikum, die Vorfreude auf den Theaterbesuch, das Ambiente, der Augenblick der Einzigartigkeit einer Livetheateraufführung. Man möge mir den Vergleich verzeihen, aber es ist ein wenig wie bei diesen TV-Kochshows, bei denen man zwar sehen kann, wie etwas zubereitet wird, aber das abschließende Geschmackserlebnis, der Biss ins Schnitzel, ausbleibt.

Was sollen Ersatzprogramme dem Publikum bieten?

Auer: Auf der Felsenbühne Staatz kommt das Publikum wegen des Gesamterlebnisses, der großen Bühne, Licht, Sound, Atmosphäre ... Weder das Publikum noch ich wären zufrieden, wenn auf der riesigen Bühne ein Schauspieler sitzt und eine Lesung abhält oder ein Quartett Sonaten zum Besten gibt. Ein Spielort steht für ein bestimmtes Programm, hat sein Alleinstellungsmerkmal, weswegen das Publikum kommt. Und je nach Bühnengröße sind auch nur bestimmte Produktionen sinnvoll und für Publikum, Mitwirkende und Produktion zufriedenstellend. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass ein Ersatzprogramm auf der Felsenbühne eine vollwertige und professionelle Produktion sein muss! Aber schauen wir, welche Überraschungseier wir zu Ostern ins Nest gelegt bekommen, und wie wir den Sommer planen können.